Ehrengast Argentinien stellte sich vor

Magdalena Faillace, Juergen Boos

Im Instituto Cervantes in Frankfurt am Main präsentierte sich heute Mittag auf einer Pressekonferenz der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010.

Die Direktorin des Instituto Cervantes, Mercedes de Castro, wies in ihrer Begrüßung auf die doppelte Bedeutung des Jahres 2010 für Argentinien hin: Im selben Jahr feiert das Land 200 Jahre Unabhängigkeit und ist Ehrengast der weltgrößten Buchmesse.

Mit dem berühmtesten argentinischen Autor Jorge Luis Borges verbindet das Haus viel, der Schriftsteller erhielt 1980 den Premio Cervantes, den wichtigsten spanischen Literaturpreis, benannt nach Miguel de Cervantes, Namensgeber des Hauses. Außerdem hat das Instituto Cervantes ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm rund um den Ehrengast der Buchmesse konzipiert.

Messedirektor Juergen Boos erwähnte kurz die gestrigen Spiele der Fußball-WM, in denen sowohl Argentinien als auch Deutschland gesiegt haben. Dann leitete er von diesem Thema zu literarischen Themen über, die in Argentinien eine wichtige Rolle spielen: die Überwindung der Militärdiktatur 1983, die Emigration, die lange und wechselvolle Geschichte des Landes und die Entwicklung einer überaus vielfältigen Kultur.
Gleichzeitig wies er auf die Argentinien-Tagung von litprom hin, die vom 2. bis 4. Juli in Arnoldshain (Taunus) stattfinden wird.

Botschafterin Magdalena Faillace unterstrich, dass Politik und Fußball genau wie Kunst und Literatur große Themen im Alltag Argentiniens sind. Zur geschichtlichen Aufarbeitung der Militärdiktatur betonte sie, dass Umarmung und Versöhnung genau so essentiell sind wie der Sieg der Gerechtigkeit und erhielt dafür Beifall.

Die Buchmesse und der Auftritt des Landes als Ehrengast bietet eine gute Möglichkeit, Argentinien zu präsentieren. Es ist gleichzeitig eine Aufforderung an die Besucher, ihre Sichtweise auf die Kultur des lateinamerikanischen Landes zu überprüfen und hinter die Kulissen zu schauen, um die Identität Argentiniens in seiner Vielfalt besser zu verstehen.

Die argentinischen Verlage werden sich auf der Frankfurter Buchmesse auf 450 Quadratmetern präsentieren, ihre Autoren vorstellen und die Sorgfalt der Buchproduktion dokumentieren. Dabei werden auch hochwertige Zeitschriften eine Rolle spielen.

12 erstklassige Ausstellungen in Berlin und Frankfurt am Main begleiten die Vorstellung des Ehrengastes, außerdem finden Lesungen, Symposien, ein Kolloquium, ein Stadtschreiber-Austauschprojekt, Theater-, Tanz- und Filmvorführungen sowie Konzerte statt.
Die Präsidentin des Landes, Cristina Fernández Kirchner, ist davon überzeugt, dass die Teilnahme Argentiniens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse das wichtigste ausländische Event anlässlich der Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen ist. Die Regierung engagiere sich stark im Kulturbereich, ein Beispiel dafür ist das 2009 initiierte Übersetzungsprogramm SUR, in dem für 292 Arbeiten die Genehmigung auf Förderung vorliegt. Die übersetzten Werke werden in 31 Sprachen und 38 Ländern publiziert, in Deutschland werden allein 60 Titel veröffentlicht. Das Förderprogramm wird auch nach der Buchmesse fortgesetzt werden.

Zur Buchmesse kündigte die Botschafterin fünf zweisprachige Anthologien mit Poesie, Erzählungen, Kindergeschichte, sozialpolitischen Essays und einer Sonderausgabe als Hommage für die argentinischen Autoren, die während der Militärdiktatur verschwunden sind, an. Die Sammlungen werden kostenlos in der Halle des Ehrengastes verteilt.
Zuletzt gewährte Magdalena Faillace mit Hilfe von Powerpoint eine Vorschau auf den argentinischen Pavillon auf der Buchmesse, der den Gedanken des Labyrinths von Jorge Luis Borges aufnimmt, die Interpretation Julio Cortázars einbezieht und daraus ein ganz eigenes, vielschichtiges Ensemble entwickelt. Die Konzeption stammt von dem jungen Architekten Atilio Pentimali.

Im Podiumsgespräch, an dem neben Magdalena Faillace und Juergen Boos Maria Pia Gagliardi, Präsidentin der Cámera Argentina de Publicaciones (CAP), und Carlos de Santos, Präsident des argentinischen Verlegerverbandes Cámera Argentina del Libro (CAL), teilnahmen und das vom Publizist, Übersetzer und Herausgeber Timo Berger moderiert wurde, ging es um die Erwartungen der argentinischen Verlage, die Struktur der Verlagsbranche und die Programme der Editionshäuser.

Im Anschluss unterhielt sich Timo Berger mit dem argentinischen Autor Marcelo Figueras u.a. über sein für den Herbst angekündigtes Buch Der Spion der Zeit.

JF

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.