Helene Schjerfbeck-Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Selbstporträt, 1915

Heute Abend wird die Exposition eröffnet, in der über 85 Gemälde und Arbeiten auf Papier der wichtigsten Künstlerin der finnischen Moderne, Helene Schjerfbeck, zu sehen sind.

Diese umfangreiche Einzelpräsentation ist eine Kooperation der Schirn Kunsthalle mit dem Ateneum Art Museum Helsinki und Teil des kulturellen Rahmenprogramms der Frankfurter Buchmesse.

„Helene Schjerfbeck ist in Finnland eine Nationalheldin und von einem Mythos umgeben“, erklärt der Direktor der Schirn, Max Hollein. „Die Ausstellung war uns ein besonderes Anliegen, die Buchmesse bot die Chance dafür, das Vorhaben umzusetzen.“

Es ist erst die zweite Ausstellung zu Schjerfbeck in Deutschland, 2007 war eine erste große Retrospektive in Hamburg zu sehen. „Wir freuen uns, Hauptwerke der Künstlerin jetzt hier zeigen zu können. Der Schwerpunkt liegt auf den beeindruckenden Selbstporträts – rund 40 dieser Arbeiten sind hier ausgestellt“, erläutert Hollein.

Anna-Maria von Bonsdorff, Chefkuratorin des Ateneum Art Museums, sagt, dass in ihrer Heimat Helene Schjerfbeck auch „Edvard Munch von Finnland“ genannt wird. „Schjerfbeck suchte stets nach dem Wesentlichen und erreichte es durch Reduktion des Figürlichen und Beschränkung der Farbe“, stellte von Bonsdorff fest.
Als Helene Schjerfbeck 1946 im schwedischen Saltsjöbaden starb, sei ihr Werk, das an die 1000 Arbeiten umfasst, nahezu vergessen gewesen. Erst Forschungen in den 1980er Jahren führten zu einer Wiederentdeckung der Künstlerin. „Jede Generation kann etwas Neues im Œuvre von Schjerfbeck entdecken“, bemerkte die Chefkuratorin, deren Haus viele Gemälde der Künstlerin besitzt.

„Ihre Selbstporträts sind mehr als eine Dokumentation der unterschiedlichen Lebensabschnitte. In ihnen ist die enorme Materialbehandlung, die später keineswegs auf Altersschwäche beruht, ablesbar“, stellt Carolin Köchling, Kuratorin der Schirn, fest. „Helene Schjerfbeck war eine Perfektionistin.“

Helene Schjerfbeck, 1862 in Helsinki in einer Familie mit schwedischen Wurzeln geboren, stürzte vierjährig die Treppe hinunter und trug sich so ein lebenslanges Hüftleiden zu. Doch damit nicht genug: Ihre ältere Schwester starb früh, ihren Vater verlor sie, als sie 13 Jahre alt war. Trotzdem besuchte sie mit Hilfe von Stipendien eine Zeichenschule, malte 17-jährig ihr erstes Historienbild Verwundeter Krieger im Schnee, das von der Finnischen Kunstgesellschaft angekauft wurde. Ein Stipendium des finnischen Senats sicherte ihr den Aufenthalt und das Studium in Paris. Zu ihrer künstlerischen Ausbildung gehörten detailgetreue Kopien von Werken alter Meister wie Hans Holbein d. J., Diego Velázques, El Greco und Franz Hals. Auf diese Motive kam sie später wieder zurück und verwandte abgewandelte Details in ihren eigenen Bildern.

Schjerfbeck beschäftigte sich auch mit Literatur, kannte die Werke von Charles Baudelaire und Oscar Wilde.

Allerdings schadeten ihre Reisen ihrer ohnehin angegriffenen Gesundheit. So zog sie 1902 mit ihrer Mutter in das abgeschiedene finnische Dorf Hyvinkäa und verließ es in den nächsten 15 Jahren kaum noch. Trotzdem war die Weltabgeschiedenheit nur eine räumliche, keine geistige: Schjerfbeck korrespondierte mit vielen Freunden aus der Studienzeit, ließ sich die neuesten Kunst- und Modemagazine schicken, nahm Anteil an aktuellen Ereignissen in der Kulturszene, stellte aus.

1921 schrieb sie einem Freund: „Jetzt, wo ich selten die Kraft zum Malen habe, habe ich ein Selbstporträt begonnen. Auf diese Weise ist das Modell immer verfügbar, gleichwohl ist es nicht immer angenehm, dauernd sich selbst zu sehen.“

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog sie nach Schweden. Dort starb sie, ohne ihre Heimat wiedergesehen zu haben.

Finnland allerdings ehrte die Künstlerin noch auf eine besondere Weise: 2012, anlässlich ihres 150. Geburtstages, wurde im Ateneum die mit 300 Werken umfangreichste Ausstellung ihrer Werke gezeigt. Und die Finnische Nationalbank gab eine Zwei-Euro-Münze mit ihrem Porträt heraus.

Es gibt in Finnland auch Bücher über Helene Schjerfbeck – auf Deutsch liegen jedoch bislang nur nunmehr zwei Ausstellungskataloge vor; die Exposition in der Schirn Kunsthalle ist bis zum 11. Januar 2015 zu sehen.

JF

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.