Hier der Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Schormann, sehr geehrter Herr Dr. Heker, sehr geehrter Herr Neumann,

wir, die unterzeichnenden Verlage, nehmen hiermit öffentlich Stellung zur gegenwärtigen Diskussion um die Frankfurter Buchmesse.

Wir beobachten den Fortgang der Verhandlungen des Börsenvereins und der AuM mit der Frankfurter Messe mit Sorge. Die Art und Weise der Meinungsbildung im Verband ist für uns nicht transparent. Die sich abzeichnenden Zwischenergebnisse lassen uns unsicher sein, ob Börsenverein und AuM in der Lage und gewillt sind, unsere Interessen angemessen zu vertreten. Ziel dieses Offenen Briefes ist es deshalb, die Position wesentlicher Verlagsgruppen in unserem Lande deutlich zu machen.

Die Unterzeichnenden unterstützen nachdrücklich die Forderung, die Frankfurter Buchmesse ab dem nächsten möglichen Zeitpunkt dauerhaft nach München zu verlegen.

Hierfür sprechen aus unserer Sicht folgende Gründe:

* Das moderne Münchener Messegelände ermöglicht eine attraktivere Messegestaltung und einen ungleich höheren Nutzungsgrad (Nettovermietung) als die Messehallen in Frankfurt. Dies würde zu einer (dringend notwendigen!) deutlichen Senkung der Quadratmetermieten und damit der Messekosten der Verlage führen. Die von der AuM für 2003 angebotenen Mietpreise sind inakzeptabel hoch und werden in dieser Form bereits in diesem Jahr zu einer dramatischen Reduzierung der Ausstellungsfläche führen. Eine weitere Verschärfung des Problems bedeuten die bereits in Aussicht gestellten weiteren Preissteigerungen ab 2004.

* Die Stadt München und die Münchener Hotels eröffnen die Möglichkeit, dass langfristige Verträge geschlossen werden mit dem Ziel, den Verlagen des In- und Auslands dauerhaft deutlich günstigere Hotelpreise anzubieten. Besonders für die großen Verlagsgruppen, die die Buchmesse maßgeblich finanzieren, machen die Hotelkosten einen wesentlichen Anteil der Messekosten aus. Die Hotellerie der Stadt Frankfurt hat nach jahrelangen überdurchschnittlichen Preiserhöhungen bisher kein wesentliches Entgegenkommen erkennen lassen.

* München als zweitgrößte Verlagsstadt der Welt hat bereits in den letzten Jahren zahlreiche Projekte zugunsten des Buches und der Verlage realisiert. Aus diesem Grunde halten wir München nicht nur für die deutschen, sondern gerade auch für die ausländischen Verlage für den wesentlich attraktiveren Messestandort.

Wie Sie wissen, entspricht unsere Forderung, die Buchmesse von Frankfurt nach München zu verlegen, auch dem Votum der überwiegenden Mehrheit des Plenums der AG Publikumsverlage vom Januar diesen Jahres. Wir fordern Sie, als die obersten Repräsentanten unseres Verbandes, daher auf, diese Position in Ihren laufenden Gesprächen mit der Frankfurter Messe deutlich zu machen.

Nur eine wirklich substanzielle Verbesserung der gesamten Rahmenbedingungen der Frankfurter Buchmesse, besonders im Hinblick auf die Gesamtkosten für die Verlage, könnte aus unserer Sicht dazu führen, dass Frankfurt als Ausrichter der Buchmesse noch in Frage kommt. Sollte es zu solchen Verbesserungen nicht kommen, müssen wir die Möglichkeit einer weiteren Teilnahme in Frage stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG
BLV Verlagsgesellschaft
C. H. Beck Verlag
Der Club Bertelsmann
Deutscher Taschenbuch Verlag
Dr. Oetker Verlag
Gräfe und Unzer Verlag
Langenscheidt Verlagsgruppe
Mairs Geographischer Verlag
Ravensburger Buchverlag
Verlagsgruppe Droemer Knaur
Verlagsgruppe Random House
Verlagsgruppe Ullstein Heyne List

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