Lesetipp: Claudia Baumhöfer in BUNTE zur Diskussion um Buchmesse-Umzug / München nicht nur zum Weißwurst-Sieden geeignet

Die Diskussion um einen möglich Buchmesse-Umzug ist auch für die BUNTE ein Thema. In der kommenden Ausgabe wird dazu auch HÖRVERLAG-Verlegerin Claudia Baumhöver befragt:

Wie bewerten Sie die Diskussion: Als Sturm im Wasserglas oder handfesten Streit mit weitreichenden Konsequenzen?

Die Diskussion ist für uns kein Sturm im Wasserglas, sondern bitterernst.

Sind Sie selbst mit dem Messestandort Frankfurt unzufrieden? Wenn ja, warum? Was müßte sich ändern?

Gerne verzichten wir in Zukunft auf: überteuerte „Schuhkartons“ im Rotlicht-Bezirk, die sich nur mit Schienbein-Schonern und Sagrotan bewohnen lassen, verkokelten Toast und wässrigen Orangensaft zum Frühstück – serviert von muffligem Personal, und vor allem auf die fürstliche Rechnung von 200,- € pro Nacht und Nase – für mindestens eine Woche zu buchen – für diesen Luxus. Es ist einfach obszön, wenn die „Detail-Kosten“ für Messepräsenz die Honorare von Autoren überschreiten.

Die Frankfurter Buchmesse ist eine Messe von Weltruf. Glauben Sie, dass die jetzige Diskussion oder gar ein Standortwechsel dem Image der Messe schaden würde?

Es geht doch um Geist, oder? Der Weltruf der Messe beruht auf Autorinnen, Autoren und Verlagsmenschen, auf ihren Ideen und Gesprächen. Wie wenig Vertrauen setzen wir auf die Kraft des Buches und der Literatur, wenn wir sie in Abhängigkeit von einer Stadt sehen?

Können Sie sich vorstellen, dass die Buchmesse z.B. nach München umzieht? Würden Sie mit Ihrem Verlagsstand mit umziehen oder droht gar eine Spaltung in eine alte Frankfurter Buchmesse und eine neue Münchner Messe?

Ich würde mir den Umzug wünschen. Das hieße immense Einsparungen, ein inspirierendes und kommunikatives Ambiente für alle Gäste aus dem In- und Ausland. Es ist höchste Zeit, das auf jährlich steigende Kosten und Zumutungen Konsequenzen folgen. Man sollte zu diesem Thema nicht nur privilegierte Journalisten, alteingesessene Verleger und berühmte Autoren nach ihrer Meinung fragen. Die haben diese Probleme nicht, insbesondere, wenn sie auch noch in Frankfurt wohnen – im eigenen Bett schläft es sich bekanntlich am besten!

Wie schätzen Sie den Alternativ-Messestandort München ein? Kommen für Sie auch noch andere Alternativen (z.B. Leipzig, Hannover) in Frage?

Es gibt aus meiner Sicht in Deutschland keine Alternative. Die bedeutendste Buchmesse endlich in der zweitgrößten Verlagsstadt der Welt! Und noch einmal zur großen Tradition – um mit Gustav Mahler zu sprechen: „Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche.“ Und dieses Feuer (sehr geehrter Herr Ministerpräsident Koch) taugt in München nicht nur zum Weißwürste sieden.

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