Pressekonferenz zur Eröffnung: Messe im Jubeljahr auf Rekordniveau

Paulo Coelho

Rund 7.400 Aussteller (genau: 7.373) sind heute mit dem Aufbau beschäftigt, um morgen, wenn sich die Tore der Buchmesse öffnen, bereit zu sein.

Messedirektor Juergen Boos heute: „Das ist in etwa das Niveau des Rekordjahres 2007. Insgesamt haben wir 1,4 Prozent mehr an Fläche vermietet. Besonders erfreulich ist der überdurchschnittliche Zuwachs von zwei Prozent unter den angelsächsischen Ausstellern, der nicht selbstverständlich, sondern hart erarbeitet ist. Die deutschen Aussteller sind mit 3.337 Ständen die größte Gruppe, gefolgt von den Briten mit 834 Ausstellern, und den USA mit 662.“

Der Ehrengast Türkei ist mit über 150 Verlagen in halle 5.0 vertreten, über 400 Veranstaltungen zum Thema Türkei finden insgesamt statt.

China, der Ehrengast 2009, findet schon jetzt seinen Platz mit Veranstaltungen zur neuen chinesischen Lyrik, aber auch zur jungen unabhängigen Verlagsszene, die im Verbund mit dem Internet anfängt, den Staatsverlagen Konkurrenz zu machen.

Peru ist in diesem Jahr erstmals auf der Messe vertreten, der Ehrengast 2010, Argentinien, hat seine Präsenz deutlich verstärkt.

Gottfried Honnefelder Vorsteher des Börsenvereins, wies darauf hin dass in den letzten 60 Jahren eine massive Umwälzung des Verlagswesens stattgefunden hat. Dem Buchmarkt geht es gut, Ende September 2008 konnte ein Plus von 1,4 Prozent konstatiert werden – dabei liegen die erfahrungsgemäß verkaufsstarken Monate noch vor uns.

Das E-Book ist eine große Chance für den Buchmarkt, das Prinzip „Buch“ erhält damit eine weitere Dimension. Allerdings müssen die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen stimmen, denn Regelungen, Abläufe und Geschäftsmodelle hinken häufig hinter der technischen Entwicklung hinterher.

Ob die E-Books im Alltag so angenommen werden, wie es prophezeit wird, muss sich zeigen. Honnefelder nannte die Reader zudem „entsetzlich hässliche Geräte“.

Gerade für neue Vertriebswege gilt es auf der Messe, eine politische Debatte über die entsprechenden Rahmenbedingungen zu führen, zu klären, wie mit geistigem Eigentum umgegangen wird. In der Politik gibt es dafür bislang wenig Verständnis, verwiesen wird auf das Gesetz zur Durchsetzung der Rechte zum Schutz des geistigen Eigentums, das seit September in Kraft ist, und auf den Datenschutz. Das alles greift aber zu kurz, die Gesetze kollidieren zudem miteinander. Auf ein Signal der Bundesregierung wartet man.

Paulo Coelho begann seine Rede mit der Erinnerung an Giordano Bruno, er sah den Film über diesen „Ketzer“ und erinnerte an eine Szene, in der Bruno sagte, dass er gerade die Frankfurter Buchmesse besucht habe, um sich mit den Verlegern seiner Werke zu treffen.
400 Jahre später gehe es nicht nur um diese Begegnung, sondern auch um neue Tendenzen.

Seit Gutenberg ist der Austausch von Ideen immer schneller geworden, erreicht ein immer größeres Publikum. Mit dem Internet erlangt der Prozess eine neue Dimension. Und: Die Menschen müssen dem Wandlungsprozess in der Gesellschaft nicht länger passiv zuschauen, sondern können aktiv eingreifen – das Geschöpf wird zum Schöpfer.

Die Produzenten der Branche sollten sich nicht länger weigern, den ihrer Ansicht nach passiven Verbraucher zu Wort kommen zu lassen; die Musik- und die Filmbranche haben gezeigt, wohin das führt.
In der Buchbranhce gilt es jetzt, Lehren daraus zu ziehen.

Als Beispiel ging Paulo Coelho auf seine eigene Website ein. Sie verhinderte nicht den Verkauf seiner Bücher, sondern förderte ihn. Bis heute verkaufte der Autor mehr als 10 Millionen Bücher.

In seiner Rede wies Paulo Coelho ebenfalls auf zwei Probleme hin, die gelöst werden müssen: das Urheberrecht und die Zunkunftsfähigkeit des Verlagswesens.

Er schloss: Giordano Bruno wurde dafür bestraft, dass er seine Ideen kundtat. In der heutigen Welt wird man bestraft, wenn man es nicht tut.

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