Ralf Tibusek in London: Gute Branchenstimmung auf der Book Fair

„Das läuft so richtig gut!“ Verleger Thomas Lardon ist ausgesprochen zufrieden mit seiner Beteiligung an der London Book Fair. Zum ersten Mal ist das Berliner Verlagshaus Lardon Media AG Aussteller in dem ExCel-Gelände der Londoner Docklands. Gerade seine Geschenke-Innovation – Buch mit Wein – begeistert die Einkäufer der großen britischen Handelsketten.

Während Lardon mit einem eigenen Stand aktiv geworden ist, sind knapp die Hälfte der gut 50 ausstellenden deutschen Verlagshäuser an einem Gemeinschaftsstand präsent: wie immer organisiert von der Frankfurter Buchmesse.

Fünfzig Verlage ist wenig. Aus Italien sind 63 angereist, aus Frankreich sind knapp 90 präsent, allerdings meist am großen Gemeinschaftsstand vertreten, und aus den USA rund 300. Die Amerikaner hoffen allerdings vor allem auf die britischen Buchhändler, denen sie hier kompakt ihre Neuerscheinungen vorstellen und verkaufen wollen. Die London Book Fair als Ordermesse für den britischen Buchhandel wächst, ist allseits an den Ständen zu hören, die englischsprachige Bücher anbieten. Markenzeichen dafür ist allein schon der große Bereich des Modernen Antiquariats, der in allerhinterster Hallenecke fast zehn Prozent der Gesamtfläche einnimmt.

Bei den Lizenzgesprächen konnte man auffällig häufig gerade bei den kleineren US-Verlagen erleben, dass nicht einmal die Rechtemitarbeiter über den großen Teich geschickt worden waren: die Lizenztermine wurden von der Verkaufsabteilung nebenher, aber in qualifizierter Art und Weise mit wahrgenommen. Es wird halt allseits gespart.

50 deutsche Verlage: Augenscheinlich vertrauen die deutschen Verleger also noch nicht der Möglichkeit, in London auch Lizenzen zu verkaufen. Entsprechend war man standlos selbst aktiv, um die Sensationen, die es aber nicht gab, bei den rund 2000 Ausstellern aus knapp 60 Ländern einzukaufen. Dazu konnte man sich durch die viel zu engen Gänge drängen auf der Suche nach den leicht chaotisch nummerierten Verlagsständen, oder man stand Schlange am Eingangsbereich zu den Literaturagenten-Tischen.

Nun ist Schlangestehen ja angeblich eine besondere britische Tugend. Die werten Gäste aus dem Ausland hatten allerdings wenig Sinn dafür, dass man sich bei jedem Betreten dieses Messebereiches neu akkreditieren musste: An den zwei Eingängen zum Agenten-Zentrum standen jeweils vier Sicherheitsbeauftrage, die den abgehetzt heranstürmenden Verlegern pünktlich dreißig Sekunden vor dem Halbstunden-Gesprächstermin den Eintritt verwerten und auf eine lange Warteschlange verwiesen, an deren Kopf mühsam eine Sicherheitskollegin in irgendwelchen Listen wühlte, bevor man eine Zugangskarte erhielt… Währenddessen saßen die Literaturagenten resigniert oder leicht wütend an ihren Tischen und warteten auf die Gesprächspartner.

Immerhin ließ sich die Messeleitung dazu herab, am zweiten Tag den ganz besonders eifrigen Lizenzeinkäufern mit einer Sonderkarte den Mehrfachzugang zu diesem Hallenbereich zu ermöglichen. Man stand also nur einmal in der Schlange, deren Sinn niemand erklären konnte. Da war man manchmal schier froh, dass es gerade aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einige Kollegen nicht geschafft hatten, mit dem Flugzeug über den Kanal zu setzen. Zu viele Flüge mussten wegen der Schneeeinbrüche abgesagt werden, während in London wenigstens Sonntag und Montag frühlingshafter Sonnenschein herrschte.
So war denn auch Claudia Böhme von der gleichnamigen Rights & Literary Agency zur Halbzeit trotz einiger geplatzter Termine sehr zufrieden mit den intensiven Gesprächen: „Die Bücher der von mir angebotenen Verlage kommen gut an“, konnte sich die auf Skandinavien spezialisierte Literatur-Agentin freuen, die aber auch einige amerikanische Spitzenautoren vertritt.

Doch die Messeleitung hat Besserung bei den kleinen Übeln versprochen. Zwar nicht beim Wetter auf dem Kontinent, sondern in den Messegegebenheiten. Nächstes Jahr steht bei Bedarf eine zweite Messehalle zur Verfügung, die jetzt parallel zur Buchmesse noch mit der „Beauty“, einer Kosmetikmesse belegt war. Über diese Messe konnte man im Fernsehen und im Radio sogar ein bisschen Berichterstattung hören, während die London Book Fair im Stadtbild von London gar nicht in Erscheinung getreten ist. Eine angenehme Sache für den Fachbesucher: Die London Book Fair als Publikumsmesse a la Frankfurt würde das Arbeiten wohl völlig unmöglich machen und die Anreise mit der Dockland Light Railway als Verlängerung der Londoner U-Bahn noch mehr zum britischen Schlangestehen auswachsen lassen.

So zog denn Emma House, die Ausstellungsleiterin der London Book Fair, eine positive Gesamtbilanz: „Mit einer Veranstaltung in der Größenordnung der London Book Fair nach 19 Jahren umzuziehen, war eine gewagte Sache. Wir freuen uns, dass wir die entscheidenden Geschäftsbereiche stärken konnten: eine höhere Zahl an Fachpublikumsbesuchern, außergewöhnliche Qualität und Quantität an Inhalt und ein höheres Geschäftsniveau bei Ausstellern und Besuchern.“

Ralf Tibusek

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