Rekord für die Leipziger Buchmesse / 12.000 Besucher mehr trotz Flaute bei den Erträgen /Aufbau-Verleger spricht offen über Verluste / Proteste gegen Bundeswehrpräsenz

Dass das Buch an sich auf ungebrochen großes Leserinteresse trifft, zeigt die gestern zu Ende gegangene Buchmesse Leipzig: Projektleiter Oliver Zille kam mit 77.000 Besuchern (12.000 mehr als im Vorkahr) auf ein Rekordergebnis. Seit Donnerstag präsentierten dort 1957 Verlage und Editionen ihre Frühjahrs-Neuerscheinungen. Zille: «Es ist einer der besten Jahrgänge». Die nächste Buchmesse findet vom 20. bis 23. März 2003 statt.

Was nicht auf die derzeitige wirtschaftliche Situation der meisten Aussteller zutrifft, die zum Teil (wie etwa Random House kräftig ihren Messeauftritt abgespeckt hatten, wohl auch im Vorgriff auf eine Konjunkturflaute, die zumindest einige Marktsegmente wie etwa den Ratgeberbereich derzeit beutelt.

Nach Ansicht von Aufbau Verleger Bernd F. Lunkewitz hat die Buchmesse zwar gezeigt, «dass das Publikum zum Buch zurückgekehrt ist». Vielleicht gebe es da inzwischen auch einen gewissen Nachholbedarf. «Unsere Meldungen aus dem Buchhandel sind jedenfalls recht ermutigend», sagte der Chef der Aufbau Verlagsgruppe, die trotzdem 2001 eine Million Euro Verlust hinnehmen musste, eine Delle, die er auf Entwicklungen nach dem 11. September zurückführt. Der Financial Times Deutschland sagte er, dass er bis zu diesem Termin noch über dem Vorjahr gelegen habe, jetzt aber bei einem Umsatz von rd. 15.000 Euro wieder ins Minus gerutscht sei.

Lunkewitz, der übrigens plant, sein Unternehmen in eine Stiftung einzubringen, um es unabhängig von Übernehmen zu machen, zeigte sich wie viele andere Verleger enttäuscht über die mangelnde Professionalität der als Highlight erhofften Büchergala (der jegliches Spannungsmoment fehlte), die vom Börsenverein in Zusammenarbeit u.a. mit dem mdr produziert worden war. In diesem Zusammenhang erinnerte er noch einmal an seinen Vorschlag, lediglich den Austellern der Leipziger Buchmesse Stimmrecht für diesen deutschen „Buch-Oscar“ zu geben und die Kriterien eindeutiger und fürs Publikum verständlicher zu gestalten.

Zu den verpassten Chancen zählte etwa, dass der mdr die Erfindung der Handkamera ignorierte und die Chance verpasste, auch die anderen angereisten AutorInnen den Zuschauern wenigstens aus dem Publikum heraus vorzustellen. So blieb etwa Barbara Pease, die Autorin des derzeit in Deutschland meistverkauften Taschenbuches „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ (über eine Million in 15 Monaten!) den Zuschauern verborgen – dabei war sie extra aus Australien angereist.

Und „Klasse“ auch die Pressearbeit: Die schreibende Zunft durfte nicht einmal mit in den Saal und konnte den Ablauf der spannnungsarmen Sendung nur auf dem Bildschirm im Nebenraum verfolgen – kein Wunder, dass die noch kritischer als erwartet über die Initiatoren herfiel. Aber die waren wenigstens dabei, während viele Aussteller ratlos waren, warum sie eigentlich keine Einladung erhalten hatten…

Ebenfalls nicht zu den Highlights der Messe gehörte der überdimensionierte Stand der Bundeswehr. In einem kursierenden Protestschreiben, das von zahlreichen Verlegern und Autoren unterzeichnet wurde, wird der Verwunderung Ausdruck gegeben, dass die wenig buchaffine Bundeswehr allein durch ihre Standfläche zu einem der größten und unübersehbarsten Aussteller der Messe wurde: „Wir halten den Auftritt der Bundeswehr auf der Leipziger Buchmesse für unerträglich und fordern die Messeleitung auf, ihr Messekonzept zu überprüfen und solche Auftritte auf der Buchmesse generell zu unterbinden“, heißt es in der Erklärung.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.