Vor der Frankfurter Buchmesse: Aufbruchstimmung spürbar

Heute Vormittag fand im Frankfurter Haus des Buches die Vorschau-Pressekonferenz zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse (9. bis 13. Oktober) statt.

Messedirektor Juergen Boos ging dabei auf zwei Schwerpunkte ein: „Es zeichnet sich eine Gründerzeit ab, wir werden sehr viele Start-ups auf der Messe haben“, sagte er. Die Buchmesse, so hofft er, werde den bislang langweiligen Wahlkampf ersetzen. „Nie waren Veränderungen in der Branche so einschneidend.“

Boos rechnet mit 7.100 Austellern aus über 100 Ländern und bis zu 300.000 Besuchern. Bei den deutschsprachigen Ausstellern sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen, während die Teilnehmer aus dem asiatischen Raum zulegen. Ebenfalls eine steigende Zahl von Anmeldungen ist für den Bereich Agenten und Rechte zu beobachten. Neue Ausstellungsformate, das gestiegene Interesse an den Hotspots und ein neuer Geist im Bereich Self-Publishing beeinflussen das Messegeschehen: Zu diesen Themen wird es zahlreiche Veranstaltungen geben.

„Buchhändler machen uns vor, wie Start-ups funktionieren“, stellte Boos fest und kündigte dazu ein Interview mit Miriam Robinson, Head of Marketing im Foyles Bookshop London, via Skype im Laufe der Pressekonferenz an.

Neben der Aufbruchstimmung spiele die Internationalität eine große Rolle auf der nächsten Buchmesse. 39 Prozent der Aussteller kommen aus dem deutschsprachigen Raum, alle anderen werden aus aller Welt anreisen. „Selbst kleine Verlage denken zunehmend international“, stellte Boos fest. Die Editionshäuser orientierten sich eher an Themen als an Ländergrenzen. „Es gibt immer noch Trennungslinien, sie befinden sich zwischen denen, die ihre Leidenschaft für Bücher leben und jenen, die nur verkaufen wollen – egal was“, bemerkte der Messedirektor.

Pressesprecherin Katja Böhne begab sich mit den Anwesenden auf einen virtuellen Messerundgang. Breit aufgestellt werde sich die Agora mit drei neuen Aktionsflächen und Bühnen präsentieren. Es wird auf der Freifläche eine 700 Quadratmeter große und überdachte Open Stage geben. Unter Kids Bubble ist ein etwa 150 Quadratmeter großes Kuppelzelt zu verstehen, das als Treffpunkt für Kinder- und Jugendliteratur zur Verfügung stehen wird. Ebenfalls ein Novum ist der Walk of Fame: Die Star-Autoren der Verlage können sich hier mit einem persönlichen Stern verewigen.

Die Halle 8 bietet mit der Publishing Perspectives Stag eine Diskussionsplattform für Verlagsleiter, Unternehmer, Autoren und Branchenexperten.

Neu gestaltet wird die Kalendergalerie, die sich erstmals in der hellen Via der Halle 3 zeigt.

Das interaktive Konferenzformat Contec wird bereits am Vortag der Buchmesse seine Premiere erleben.

„Es wird erstmals wieder eine Ausstellung zur Buchkunst geben“, verkündete Böhne. Sie zeigte beispielhaft das Buch Fully Booked aus dem Gestalten Verlag.
Außerdem weist sie auf das Klassenzimmer 2.0 hin: Hier werden viele Partner gemeinsam Projekte und Themen erarbeiten.
Eine spektakuläre Aktion zur Kampagne Vorsicht Buch! kündigte die Pressesprecherin ebenfalls an.

Auf der Homepage der Frankfurter Buchmesse werden Blogs und ein Forum unter dem Titel „Wir sind hier“ eingerichtet.

Ralph Möllers, Möllers & Bellinghausen, Mitbegründer der Plattform flipintu, sprach über das Internet. „Es geht darum, die Menschen in den Netzen zu erreichen“, unterstrich er. Heute werde viel mehr gelesen als früher, das belegten diverse Studien. Allerdings seien die Urheber der Texte zunehmend weniger in der Verlagslandschaft zu finden.
Self-Publishing, vor einigen Jahren noch vielfach mit Naserümpfen bedacht, sei sehr viel schwieriger zu beherrschen und breite sich auf allen Kanälen aus. „Der traditionelle Handel hat dieses Feld den großen Ökosystemen kampflos überlassen“, stellte Möllers fest.
„Im Netz gelten neue Regeln, das muss die Branche lernen“, betonte der Unternehmer. Die Leute redeten in den Internetforen über Bücher, das Netz verdränge das Feuilleton. „Verlage tun wenig, um im Netz gefunden zu werden“, kritisierte Möller. Eine Möglichkeit biete die Plattform flipintu, die auch von Buchhändlern und Lesern genutzt werden könne.

Miriam Robinson sprach über die seit 110 Jahren bestehende Buchhandlung Foyles. Das Haus plane einen Umzug und forderte Buchhändler weltweit zu einem Ideenwettbewerb auf, wie man Bücher besser verkaufen könne. Es handle sich um eine Branche, die gewillt ist, zusammen zu arbeiten, wenn sie gefragt wird, stellte Robinson fest.
Im Frühjahr 2014 werde Foyles an einem vom derzeitigen Domizil nur einige hundert Meter entfernten Ort neu eröffnen. Es werde ein großer Platz für Kultur entstehen, der die Möglichkeit bietet, viel zu entdecken, Ideen zu entwickeln und miteinander ins Gespräch zu kommen.

JF

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