„Der Geruch von Häusern anderer Leute“: Bonnie-Sue Hitchcock im BuchPalast

Bonnie-Sue Hitchcock im „BuchPalast“

Bonnie-Sue Hitchcock stellte ihren Erstling Der Geruch von Häusern anderer Leute im Buchpalast in München vor. Die US-Autorin nutzte eine Einladung auf das Edinburgh International Festival, um anschließend im September in Bonn einen vierwöchigen Deutschkurs zu machen.

Katrin Hogrebe, Pressechefin bei Carlsen, mitten im Harry Potter Nr. 8-Trubel, fragte sie, ob sie denn für Veranstaltungen Zeit hätte: Einen Tag, lautete die Antwort. Wer stellt da kurzfristig etwas auf die Beine? Katrin Rüger natürlich mit ihrem BuchPalast und ihrer Lesergruppe Bücherfresser.

Katrin Rüger, Sonja Finck, Bonnie-Sue Hitchcock im BuchPalas

Am Donnerstagabend überzeugte die bodenständige und zugleich sehr reflektierte Autorin im deutsch-englischen Duett mit ihrer Übersetzerin Sonja Finck, dass sich in Alaska, diesem weit abgelegenen Teil der Welt die gleichen Sorgen, Freuden und Dramen des Familienlebens abspielen wie bei uns, wie überall. Und dass es das gegenseitige Verächtlichmachen (kurz Rassismus genannt) auch dort gibt. „Eingeborene“ sind sie alle: die 225 Inuit-Stämme, die Indianer und die Weißen.

Woran denken wir bei Alaska? An das Mädchen Alaska in John Greens Eine wie Alaska, die sich ihren Namen selbst ausgesucht hat: „Ich hab den ganzen Tag damit verbracht, auf dem Globus nach einem richtig coolen Namen zu suchen. Und so habe ich mir am Ende Alaska ausgesucht.“

An Franz-Josef Strauß, der 1968 gesagt hat: „Lieber würde ich eine Ananasfarm in Alaska errichten als Kanzler in Deutschland werden.“ Oder an die wohl bekannteste Politikerin aus Alaska, Sarah Palin (die 2006-2009 Gouverneurin des US-Bundesstaats und 2008 Vizepräsidentschafts-Kandidatin der Republikaner war)? Bonnie-Sue Hitchcock empfindet diese Figur ungefähr so wie viele aufrechte bayerische Bürger ihren Ministerpräsidenten Horst Seehofer: permanenter politischer Aschermittwoch.

Keiner hat sich vermutlich je vorgestellt, wie das Leben ist, wenn man so lebt, dass Fisch und Fleisch nur dann auf den Teller kommen, wenn man es selbst erlegt hat. Aber bei den jungen Leserinnen klickt es im Kopf, wenn die Autorin beschreibt, was die junge Protagonistin Ruth empfindet, als sie zum ersten Mal in Zellophan verpacktes graues Fleisch im Supermarkt sieht. Das Buch hat übrigens einen genialen Titel, denn jeder von uns kennt das Phänomen: Der Geruch von Häusern anderer Leute. Für dieses Buch hatte Königskinder-Chefin Barbara König mal wieder eine feine Nase. Auch die dicken Brummer sind irgendwann mal entdeckt worden.
Ulrich Störiko-Blume

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