Die BEO-Gala 2015: Slapstick, Drama, großes Kino, ganz viel Fröhlichkeit und jede Menge Fotos

Zum dritten Mal in Folge wurde am vergangenen Mittwoch der Deutsche Kinderhörbuchpreis BEO im Thalia Theater in der Gaußstraße in Hamburg verliehen. Die Preisträger waren bereits Ende Oktober bekannt gegeben worden [mehr…], nun wurden sie gefeiert – mit einer Inszenierung, die Standards setzt. So die einhellige Meinung der geladenen Gäste aus Medien-, Verlags- und Hörbuchbranche.

Abschlussfoto: Preisträger und OrganisatorInnen

„Was für eine großartige Veranstaltung! Man fühlte sich nicht wie auf einer Preisverleihung, sondern als Teil eines wunderbar unterhaltsamen Kammerspiels“, sagte Markus Langer (Oetinger Media) nach der Gala. „Da kann sich so manches ‚große‘ Branchenevent gerne etwas abgucken. Das sympathische Schauspieler-Duo Alicia Aumüller und Hans Löw sorgte in teils urkomischen Dramoletten dafür, dass nicht der Hauch von Langeweile aufkam.“ Auch Klaus Humann (Aladin) war nach der Veranstaltung voll des Lobes: „Noch nie habe ich einen Festakt gesehen, der nichts von einem Festakt hatte, sondern inszeniertes Vergnügen auf höchstem Niveau war. Slapstick, Drama, großes Kino, Fröhlichkeit. Schöner hätte man die Vielfalt des Kinderhörbuchs nicht feiern können.“

Moderatoren-Duo Hans Löw und Alicia Aumüller

Doch nicht nur das bezaubernde Moderatoren-Duo, vor allem auch die Preisträger selber beeindruckten das Publikum mit Kostproben ihrer Kunst. Für jede der fünf Preiskategorien hatte sich Ludwig von Otting, emeritierter Geschäftsführer des Thalia Theaters Hamburg, Theaterenthusiast und Buchautor, als Regisseur des Abends etwas ganz Eigenes ausgedacht. Mit Leichtigkeit und Humor entstand so ein wunderbar lebendiger Mix aus Theaterspiel und Conference, aus Live-Lesungen und Audio-Einspielungen, sogar aus Hören und Sehen. Denn als Überraschungskünstler illustrierte der Live-Maler Stefan Pertschi die ausgezeichneten Hörbuch-Lesungen.

„Der Yark“ (Sauerländer audio): Stefan Pertschi illustriert das beeindruckende Dankesvideo von BEO-Preisträgerin Mechthild Grossmann

Ein Juwel an sich war schon die schräge Video-Botschaft, die Mechthild Grossmann geschickt hatte, da sie an diesem Abend auf anderen Theaterbrettern stehen musste. Doch geradezu einmalig wurde diese Einspielung, als Pertschi aus ihrem Konterfei das Yark-Monster entstehen ließ, für dessen Interpretation (Der Yark, Sauerländer audio) die Tatort-Schauspielerin zu Recht mit dem BEO 2015 ausgezeichnet wurde. Entsprechend begeistert äußerte sich Nina Kuhn (Literaturkontor Hamburg): „Ich kann mich nicht erinnern, je an einer Preisverleihung teilgenommen zu haben, die so phantasiereich, so voller Witz und alle Sinne ansprechend gestaltet war.“

Musikalische Einstimmung

Martin Baltscheit lieferte eine mitreißende Live-Performance von Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe (Oetinger audio), die Stimmen von Ulrich Noethen, Udo Kroschwald und Lotta Doll, die für Kommissar Gordon. Der erste Fall (headroom) ausgezeichnet wurden, erfüllten den Bühnenraum des Thalia Gauß, während Pertschi mit schwarzer Farbe auf weißer Leinwand zeichnete. Als der Sonderpreis für das „Beste Sound Design“ an Gerrit Booms, Henning Schmitz und Martin Zylka, die Macher von Die Schule der Weihnachtsmänner (Der Hörverlag), vergeben wurde, wagte Ludwig von Otting das ultimative Dunkel, das mit leuchtenden Farben auf schwarzer Leinwand und einer extra angefertigten Sound-Collage der Gewinner erfüllt wurde. „Kurz und anschaulich wurde gezeigt, wie ein Text zum Hörerlebnis wird“, sagte Agnes Sonntag (Dein SPIEGEL) zu dieser Präsentation. „Ich frage mich, warum das nicht schon längst jemand gemacht hat.“

Lehrerinnen der Kronach-Grundschule überreichen Sebastian Rudolph den BEO 2015

Ein Highlight wie schon im letzten Jahr war sicher der Einspieler über die Arbeit der BEO-Kids, dieses Mal der Kronach-Grundschule in Berlin-Lichterfelde, deren Schüler den „Preis der Kinderjury“ ermittelt hatten und deren Lehrerinnen Stephanie Brandi und Nicole Jankowski zu Recht gefeiert wurden, als sie Sebastian Rudolph stellvertretend für die Klasse 6A die BEO-Urkunde überreichten. „Der Kinderjury-Film zeigt auf wunderbare Weise, welches Potenzial in Hörbüchern steckt. Zuhören muss man lernen und ist eine Kulturfähigkeit wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Und wenn man richtig zuhören kann, dann kann man auch Verstandenes umsetzen und anderen erklären. Dieser Film spricht Bände!“, sagte Renate Reichstein (Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V.). Preisträger Sebastian Rudolph bedankte sich mit einer einnehmenden Live-Lesung aus Bärenschwur (Silberfisch), bevor er von der Theaterbühne eilte, nur um im Laufe des Abends in verschiedenen Rollen wieder aufzutauchen und Alicia Aumüller und Hans Löw den letzten Nerv zu rauben.

Bei der Auszeichnung der Kinderjury an „Bärenschwur“ (Silberfisch) ging es herzlich zu

In dieser heiteren Preisverleihung fanden neben den Preisträgern auch die Nominierten noch einmal gebührend Erwähnung. Überhaupt, die Gala bestach mit wohldurchdachten Details, die deutlich machten, dass BEO-Projektleiterin Miriam Gabriela Möllers und Kinder hören-Vorsitz Theresia Singer und Angelika Schaack eine klare Vorstellung von den Qualitäten des BEO haben, die Ludwig von Otting und alle Beteiligten mittrugen. Hier macht man sich die Mühe, jedes Jahr einen Filmer eigens für die Kinderjury zu engagieren, um deren Kreativprozess zu dokumentieren und den BEO-Kids auch in der Gala eine Stimme zu geben; hier wird die Fachjury explizit vorgestellt, und Volker Bernius darf als Jurysprecher aus dem Nähkästchen plaudern; hier werden auch die Übersetzer der Buchvorlagen individuell genannt; jedes Jahr gestaltet ein anderer Illustrator die BEO-Originale für die Gewinner. „Es ist beeindruckend, was für einen Namen sich der BEO in so kurzer Zeit gemacht hat. Professionalität, hohes künstlerisches Niveau und Herzblut geben hier einander die Hand. Kein Wunder, dass die jährliche BEO-Preisverleihung über die Grenzen Hamburgs hinaus zu einem der Branchen-Highlights geworden ist, das man auf keinen Fall missen möchte – und sollte“, fasste Nina Kuhn zusammen.

Hans Löw und Alicia Aumüller tanzen Tango vor den Augen des Yark

So wurde die Preisverleihung des dritten BEO- Jahrgangs zu einem kleinen Feuerwerk – in dem Alicia Aumüller und Hans Löw sich so manches Wortgefecht mit einem nervtötenden Vogel lieferten, der schließlich als Brathühnchen endete, ein falscher Ulrich Noethen auftauchte und als Sebastian Rudolph enttarnt wurde, das rasante Trio Manugadjo Royal Contemporary Gipsy Jazz lieferte und das Publikum begeistert mitging. Ein Abend, in dem auch das offizielle Grußwort der Hamburger Kulturbehörde, das Inga Wellmann stellvertretend für Staatsrat Dr. Horst-Michael Pelikahn hielt, von Leichtigkeit und Humor getragen wurde.

Der ebenfalls gesellige Teil der BEO-Gala

Der Appell des Moderatoren-Duos an die ‚Politik‘, dem BEO auch weiterhin einen goldenen Regen (der Förderung!) zu bescheren, wurde folgerichtig von feinem Goldstaub auf dem Theaterhimmel begleitet – und bescherte dem Abend nicht die einzigen verzückten „Oh“-Rufe im Publikum. „Das Ganze war so ungezwungen und familiär, dass man fast den Eindruck gewinnen konnte, die Hörbuchbranche würde im eigenen Wohnzimmer ein Familienfest feiern – ohne Konkurrenzdenken, ohne Neid und einfach nur mit ganz viel Herzblut“, sagte Dirk Kauffels (Sauerländer audio), der die BEO-Urkunde und Original-Illustration von Dieter Wiesmüller stellvertretend für Mechthild Kaufmann in Empfang nahm. „Zu keiner Zeit war das aufgesetzt oder gezwungen offiziell. Der BEO ist dadurch vielleicht einer der intimsten und glaubwürdigsten Preise der Branche.“

Sabine Wilharm und Peter Schössow amüsieren sich

Ausklingen durfte all dies schließlich im Foyer des Thalia Gauß – eine kleine Tradition bereits, die allseits geschätzt wird. „Schön, dass sich nach der Gala im Foyer des Theaters alle wiedertreffen“, befand auch Silke Weitendorf (Oetinger), „die bunte Szenerie der Sprecher, Musiker und Schauspieler, der Autoren und Illustratoren, Journalisten und Verleger, und ausgiebig bei Speis‘ und Trank miteinander plaudern. Welch‘ glücklicher Abend für die Veranstalter!“

Manugadjo Royal in action

Gleichwohl, die Zukunft des BEO, der sich beispielhaft als Auszeichnung in der Hörbuchszene etabliert hat, ist noch nicht gesichert. Und so heißt es „Nach dem BEO ist vor dem BEO.“ Und für den Trägerverein Kinder hören e.V. und die Projektleiterin Miriam Gabriela Möllers gilt es, schon bald die Fährte vertrauter und neuer Unterstützer aufzunehmen. Wer sich als Förderer mit einem anerkannten Preis schmücken möchte – nur zugreifen! Dafür warben auch die Gäste dieser kurzweiligen Hörbuch-Gala: „Möge die Unterstützung für dieses Branchenereignis nicht nachlassen“, wünschte sich Klaus Humann und Renate Reichstein unterstrich: „Der BEO ist ungemein wichtig, nicht nur, weil er gezielt Hörbücher für die jungen Zielgruppen auszeichnet, sondern auch, weil er den Fokus auf die Qualität der Umsetzung der literarischen Vorlage setzt und besonders, weil er – durch den „Preis der Kinderjury“ – aufzeigt, wie wichtig und nützlich der Einsatz von Hörbüchern in der Schule ist. Es geht beim BEO um die Qualität des Hörbuchs. Und nur um Qualität.“ Und Preisträger Martin Baltscheit rief den Organisatoren, den Mitwirkenden und der Hörbuch-Familie schließlich zu: „Beste Preisverleihung ever! Wir sind cool, tief und wahr und witzig sind wir auch. Das Zuhören ist die Mutter aller Künste. Danke euch allen!“

Angelika Schaack, Miriam Gabriela Möllers, Theresia Singer (weitere Fotos im Anhang)

www.kinderhoerbuchpreis.de

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