„Die Frau, für die ich den Computer erfand“

F. C. Delius

Gestern Abend, am Erscheinungstag des Buches, las der gegenwärtige Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, F. C. Delius, aus seinem Roman Die Frau, für die ich den Computer erfand, Rowohlt Verlag.

In der ausverkauften Nikolauskapelle des Frankfurter Stadtteils Bergen-Enkheim begrüßte Joachim Netz, Saalbau GmbH, die Gäste. Seit 19 Jahren sei es das erste Mal, dass die Buchpremiere eines Stadtschreibers direkt in Bergen-Enkheim stattfindet. Das freue ihn besonders.

„Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr.“ Dieses Zitat aus Goethes Faust II, gesprochen von Mephisto, stellt Friedrich Christian Delius seinem Roman als Motto voran.
Dem Faust begegnet man übrigens noch öfter im Buch.

Auf fast 300 Seiten beschreibt Delius sein Gespräch mit Konrad Zuse – ohne diesen Namen zu erwähnen –, dem Erfinder des ersten Computers. Eine wirkliche, allerdings kürzere Begegnung beider liegt dieser Unterhaltung, die eigentlich ein kurzweiliger, amüsanter, mitunter auch melancholischer Monolog Zuses ist, zugrunde.

Journalist und Erfinder treffen sich auf dem Stoppelberg mit Blick auf die eleganten Basaltkuppen der Vorderrhön. Es ist eine Vollmondnacht, in der Zuse ohnehin nicht schlafen könnte. Also erzählt er sein Leben, den Journalisten ab und an altersweise belehrend, immer mit einem Augenzwinkern, nie bösartig-verbissen.

Es ist keine „Frackrede, keine Krawattenrede“, davon und von den ewigen Lobhudeleien hat Zuse genug. Deshalb schwänzt er die Verleihung der 14. Ehrendoktorwürde in Braunschweig und sitzt stattdessen recht vergnüglich plaudernd auf dem Stoppelberg.

Der Leser respektive Zuhörer erfährt von den schwierigen Anfängen der bahnbrechenden Entwicklung, davon, was Zuse mit Rilke zu schaffen hatte und vom festen Glauben der Schwester an den Bruder.

Zuse studierte das Dualsystem von Leibniz – und begegnet seiner Traumfrau, von der er nie wieder loskommt.

Die Zuhörer waren von der Lesung begeistert; Monika Steinkopf von der Berger Bücherstube hatte zu recht ausreichend Bücher geordert.

JF

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