„die horen“ feiern 60jähriges Bestehen

Mit der Präsentation ihres neuen 259. Bandes Sonne, Mond und Sterne – Von Literatur und Musik feierten die horen am gestrigen Freitagabend in Hannover zugleich und vor allem ihr nunmehr 60jähriges, erfolgreiches Bestehen. Eingeladen zu diesem überaus abwechslungsreichen literarisch-musikalischem Event hatte horen-Herausgeber Dr. Jürgen Krätzer (Leipzig) zusammen mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt.

„Dass wir mit unserer Zeitschrift jetzt erfolgreich ins siebte Jahrzehnt gehen können, verdanken wir dem Land Niedersachsen und der Stadt Hannover“, bedankte sich Krätzer denn auch artig und verwies dabei nicht ohne Stolz darauf, dass die horen neben der Neuen Rundschau die älteste, traditionsreichste Literaturzeitschrift seien.

v.l.: Hans-Eckardt Wenzel, Peter Wawerzinek,
Jürgen Krätzer

Das Engagement der Niedersachsen kommt nicht von Ungefähr, denn es war der Hannoveraner Schriftsteller und Literatur-Aktivist Kurt Morawietz (1930-1994), der im Schillerjahr 1955 die ersten horen herausgab und damit an ein Projekt anknüpfte, das Friedrich Schiller bereits 160 Jahre zuvor, aber mit weniger Erfolg auf den Weg gebracht hat (mehr darüber im kommenden Dezember-BuchMarkt).

Mit dabei in der gut besuchten Jubiläumsveranstaltung im traditionsreichen Künstlerhaus in der Hannoveraner City waren der Wittenberger Liedpoet und Essayist Hans-Eckardt Wenzel sowie der „Stegreifpoet“ und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Peter Wawerzinek, der 2010 vor allem mit seinem Roman Rabenliebe bekannt wurde. Beide auch Autoren des aktuellen horen-Bandes über das Verhältnis von Literatur und Musik. Und beide verstanden es, das Thema in Wort und Lied ganz unterschiedlich auf den gemeinsamen Nenner zu bringen.

Wenzel begeisterte die Gäste zuerst einmal mit einer überhaupt nicht akademischen, dafür aber launig-inhaltsreichen Darstellung des Verhältnisses zwischen Text und Musik: „Die Schrift hat dem Wort das Schweigen gelehrt, das Lied gibt dem Wort wieder eine Stimme“, war eine von vielen nachdenkenswerten Sentenzen und Einsichten, mit denen er das Publikum überraschte. Und was er damit genau meinte, und wie sich das anhört und anfühlt, brachte er auch bestens zu Gehör mit zwei Liedern, die er selbst am Klavier und dann mit dem Akkordeon begleitete.

Nicht minder aufschlussreich und kurzweilig dann Peter Wawerzinek, der mit seinem trockenen mecklenburg-vorpommerschem Charme nicht nur von seiner Schwäche für Seefahrer, Schurken und rauhe Lieder schwärmte, sondern auch und viel mehr demonstrierte, wie „mit dem Shanty jede Form von Dialekt und (sprachlichem) Durcheinander ausgedrückt und Sprachverwirrspiel getrieben werden kann“. Und noch eins führte der dichtende Sänger aus Rostock vor: wie die Sprache über den Gesang zum kollektiven Erlebnis wird. Mit einer gesungenen Weltpremiere, begleitet am Klavier von Hans-Eckardt Wenzel.

Insgesamt wurde das Thema des Abends („Wie wichtig ist der Text, wie dominant die Musik?“) in typischer horen-Manier abgehandelt, nämlich auf höchstem Niveau und „ohne Scheuklappen“. Zum Ausklang wurde denn auch gemeinsam mit dem Publikum mit einem kräftigen Schluck Grappa auf den Start ins nunmehr siebte horen-Jahrzehnt angestoßen, für das die Stiftung Niedersachsen, vertreten durch Elke Oberheide vom Literaturbüro Hannover, ihre Unterstützung weiter zusagte.

Jürgen Christen

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