„Die Sprache zum Klingen bringen“: Podiumsdiskussion im Hamburger KöberForum

Gesprächspartner: Christoph Bungartz, Sophia Littkopf,
René Wagner, Theresia Singer © Christina Körte

Die edition Körber-Stiftung hatte am 11. Juni zur Podiumsdiskussion „Trend fürs Trommelfell“ ins KörberForum nach Hamburg geladen.

Christoph Bungartz, Leiter der Abteilung Magazine im Programmbereich Kultur des NDR Fernsehens, eröffnete die Gesprächsrunde mit einer persönlicher Erinnerung: Eine Schallplatte mit Robert Louis Stevensons „Schatzinsel“, gelesen von dem unvergesslichen Hans Paetsch, hatte es ihm als Kind besonders angetan.

Kindheitserfahrungen mit dem Hören von Geschichten, ob nun direkt vorgelesen oder medial vermittelt, sind für den späteren Umgang mit Hörbüchern prägend, da waren sich die Podiumsgäste einig. Theresia Singer, Gründerin und Geschäftsführerin des Headroom Verlags mit Sitz in Köln, berichtete, dass sie zunächst mit der Produktion von Sachhörbüchern für Kindern begonnen hatte, aber schnell merkte, dass es nicht ausreichen würde, nur bestehende Bücher vorzulesen, denn „als kleines Label muss man immer schauen, was die Großen noch nicht machen, wo es einen Trend geben könnte“.

Einen Namen machte sich headroom dann mit den Features „Abenteuer & Wissen“, sowie den Orchesterhörspielen der Reihe „Mit Pauken und Trompeten“, die sich ebenfalls in erster Linie an Kinder richten und der Erwachsenen-Sachbuchreihe „wegwärts“.

Das Publikum, das aus Fachleuten und Kollegen der Hamburger Verlage ebenso wie aus thematisch interessierten Laien bestand, zeigte sich beeindruckt von den Details aus der Produktion, die Theresia Singer berichtete.

Christoph Bungartz fragte Sophia Littkopf, die den Leipziger Hörspielsommer seit seiner Gründung im Jahr 2003 mitorganisiert, wie sie überhaupt darauf gekommen sei, ein solches Festival auszurichten, gelte doch das Hören von Literatur ebenso wie das Lesen als eher einsame Beschäftigung. Sie hatte Feuer für die Idee gefangen, als ihr beim Besuch einer Leipziger Buchmesse aufging, dass es zwar viele Hörbuchverlage aber keine gemeinsame Präsentation ihrer Produktionen gab, wie sie es aus dem Filmgeschäft mit seinen zahllosen Festivals kannte. Im Laufe der Jahre – der nächste Hörspielsommer findet vom 3. bis 12. Juli statt – ist das Festival immer größer geworden, doch die eigentliche Faszination liegt für die Organisatoren nach wie vor darin „das Experiment des gemeinsamen Zuhörens zu wagen“.

Ausgehend von diesem sehr besonderen Hörerlebnis, fragte Christoph Bungartz den Journalisten und Betreiber des Hörbuchportals hoerothek.de René Wagner, was man über die Hörer von Audiobooks wisse. Letztlich so viel, dass es schon wieder schwer sei, sie eindeutig zu charakterisieren, bekannte Wagner. Mit ein paar gängigen Vorteilen kann man aber anhand neuerer Erhebungen aufräumen: Neben die Bücherleser, die ursprünglich als Kernzielgruppe der Hörbuchproduktionen galten, treten auch viele Hörer, die über das Audiobook wieder zum Lesen finden.

Und auch in die Altersstruktur ist Bewegung gekommen: Zu den jungen, nachwachsenden Zuhörergruppen gesellen sich die Älteren, die erst in höheren Jahren zu diesem Medium finden. Die genau terminologische Differenzierung zwischen Hörbuch, Audiobook, Lesung, Hörspiel und Feature etc. beschäftigte das Podium dabei kaum, denn jede Form hat, so fasste René Wagner zusammen, ihre Berechtigung, so lange sie gut gemacht wird.

Geht man über eine Bestandsaufnahme hinaus und sucht nach den weiteren Perspektiven für das Hörbuch, kann die Frage nach der Online-Nutzung nicht ausbleiben. Noch ist die Größenordnung legaler Downloads wirtschaftlich fast zu vernachlässigen, aber das Podium war sich einig, dass sich das mittelfristig ändern wird. Der Download-Anteil wird steigen, und es wird zu den Aufgaben von Börsenverein und Verlagen gehören, illegale Downloads zu verhindern.

Trotzdem wird es aber, befanden die Gäste, auch weiterhin einen Markt für aufwendig und liebevoll gestaltete Hörbücher geben, was auch wichtig ist, um die Wertigkeit des Produkts nicht grundsätzlich in Frage zu stellen. Denn, so fasste Theresia Singer zusammen, die Verlage sollten darauf achten, dass Hörbücher nicht zum „Drittmedium“ in der Verwertung bekannter Titel verkommen. Wenn sie erfolgreich sein sollen, müssen die Verlage die eigenen Gesetze des Mediums kennen und beachten. Nur dann werden Audiobooks den Hörern langfristig einen Mehrwert bieten und sie mit einer neuen sinnlichen Wahrnehmung von Texten fesseln.

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