Diesjähriger Büchner-Preisträger Josef Winkler las gestern im Frankfurter Literaturhaus

Während Literaturhaus-Chefin Maria Gazzetti noch mit dem Termin – ein Tag nach Ende der Fußball-EM und zu Beginn der zweiten Ferienwoche – haderte, kamen ihr die Ereignisse dazwischen: Josef Winkler bekam am 16. Juni die Nachricht, dass er den Büchner-Preis 2008 erhält [mehr…].

Er selbst schildert die Information so: „Ich lief während der Übertragung des Fußballspiels Österrreich-Deutschland unruhig durch die Wohnung, warf immer mal wieder einen Blick auf den Bildschirm, dann ertönte der Ruf ‚Ballack‘ – er hatte gerade das Tor geschossen. Kurz darauf klingelte das Telefon, mir wurde gesagt, dass ich den Büchner-Preis erhalte. Es war ganz was Wunderbares.“

Außerdem wurde Josef Winkler mit dem Österreichischen Staatspreis 2007, der höchsten Literatur-Auszeichnung des Landes, geehrt. Die Entscheidung wurde ihm allerdings erst acht Monate, nach dem sie gefallen war, mitgeteilt und traf kurze Zeit nach Bekanntwerden der Büchner-Preis-Verleihung bei ihm ein.

Am gestrigen Abend las Josef Winkler im fast ausverkauften Literaturhaus aus seinem im Vorjahr bei Suhrkamp erschienenen Buch „Roppongi. Requiem für einen Vater“. Winkler nimmt darin Abschied von seinem mit 99 Jahren verstorbenen patriarchalischen Vater.

Im letzten Teil der Veranstaltung lias der Autor aus „Leichnam, seine Familie belauernd“, erschienen 2003 ebenfalls bei Suhrkamp. Die bitterböse Satire stellt die Doppelmoral eines Kärntner Spießbürgerpärchens bloß, fast gefriert einem das Lachen, wenn sich der Protagonist am Fuße der Pyramiden nach heimischen Leichenteilen sehnt, die er seinem Beruf gemäß nach schweren Unfällen einzusammeln hat.

Leider verhängte der Suhrkamp Verlag für den Abend ein Fotografier-Verbot. Schade, so steht hier nur der Text, ein aktuelles Bild des Büchner-Preisträgers hätte schon dazu gehört.

JF

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