E-Books in München: „Abwarten bringt gar nichts“

Gestern Abend ging in München die Veranstaltung „E-Books-Start in den Massenmarkt? Technologien, Trends und Geschäftsmodelle“ der Akademie des deutschen Buchhandels zu Ende. Bernd Zanetti war es gelungen, nicht nur 150 Teilnehmer nach München zu locken, sondern auch ein umfangreiches Programm mit 15 Vorträgen zu organisieren.

Johannes Mohn, Executive Vize-President Corporate Media Technology bei Bertelsmann, berichtete über die Entwicklung des E-Books innerhalb der Medienlandschaft und warnte davor den Konsumenten zu unterschätzen, „die Verbraucher haben der Musikindustrie ihr Verkaufsmodell aufoktroyiert“, Norbert Hofherr prognostizierte „einen Druck auf den E-Book-Markt durch die sog. mobilen Alleskönner(z. B. Handys)“.

Mike Röttgen, Management Consultant Publishing Solutions bei Arvato Systems, stellte sein Modell und seine Überlegungen zum Workflow medienneutralen Datenhaltung vor. Droemer/Knaur-Geschäftsführer Ralf Müller, überraschte die Zuhörer durch seinen Erfahrungsbericht über Investitionskosten und die Kalkulation eines E-Books auf der Basis erster Erfahrungen in seinem Verlag. Er warnte eindringlich davor, die Kosten eines E-Books zu unterschätzen und Honorar-Zusagen zu machen, die nicht kalkulierbar seien.

Die auf der Konferenz gepflegte einheitliche Meinung und Vision über den Markt geriet bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kopierschutz“ heftig ins Wanken. Während Norbert Hofherr, Geschäftsführer Ciando, für einen Kopierschutz plädierten, lehnte Falk Kühnel, Geschäftsführer bei Justread (Irex) diesen mit Hinweis auf die Musikindustrie glattweg ab. MVB-Chef Ronald Schild, (Libreka!) sah dies ähnlich, will allerdings auf der Branchenplattform, die technischen Möglichkeiten für einen Vertrieb mit und ohne Kopierschutz schaffen.

Wie weit andere Verlage schon sind, belegte Vize President Sales bei Springer Dagmar Laging eindrücklich; Springer hat inzwischen 4,2 Mio. Dokumente online verfügbar. Eine Botschaft hatte sie an die Zuhörer: Das Alter im Sinne von Erscheinungstermin der Bücher spielt keine signifikante Rolle, ältere Titel lassen sich ebenso erfolgreich verkaufen.

Das der Einstieg in das Thema ‚E-Book’ für Verlage auch deutlich kleiner machbar ist, belegte Franziska Schiebe, zuständig für E-Book-Marketing beim Campus Verlag und machte Mut, warnte aber auch „abwarten bringt gar nichts“.

Ciando-Chef Werner-Christian Guggemos, stellte zwei E-Books-Nutzer vor, den privaten Nutzer, der einen Download haben möchte (und den alle im Moment im Fokus haben) und warnte davor den institutionellen Nutzer, der aufgrund von Rechner-Beschränkungen nur online lesen kann, zu vergessen. „Bieten Sie auch Online-Lesen an“, war seine Botschaft.

Wer sich von den Vorträgen von Amazon, Sony, Libri und Libreka! Neues erhofft hatte, wurde enttäuscht, die Modelle bzw. Philosophien des E-Book-Vertriebs wurden dargestellt, aber es gab keine Ankündigungen zu neuen Geräten oder gar nähere terminliche Äußerungen.

Den Abschluss bildet Frank Sambeth, Chief Operating Officer Random House, der von den E-Bbook-Märkten USA, UK, Frankreich und Japan berichtete und aus diesen Erfahrungen seine Empfehlungen für den deutschen Markt ableitete: Er warnte vor zu niedrigen Preisen oder gar kostenlosen Angeboten für E-Books („Entwertung unserer Substanzen“), vor einer Vertriebsexklusivität wie sie z. B. in Frankreich besteht und bat die Teilnehmer, neue Lesemöglichkeiten im Sinne anderer Reader und die Möglichkeit andere Inhalte als das klass. Buch als E-Books anzubieten, nicht außer Acht zu lassen.

Die Botschaft aller Referenten an die Teilnehmer jedoch war klar und unüberhörbar: der Markt ist reif, die Verlage müssen sich auf die digitale Aufbereitung und Verwertung ihrer Rechte einstellen.

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