Erfolgreicher 10. Langer Tag der Bücher in Frankfurt

Tisch im Lesecafé des Schauspiels Frankfurt

Es zeichnete sich schon zur gestrigen Eröffnung des Langen Tags der Bücher um 11 Uhr ab: Das Interesse war groß, bereits in den ersten Stunden fanden sich viele Besucher im Chagallsaal im Schauspiel Frankfurt ein [mehr…].

Nach den Bouquinisten hielt man draußen vergeblich Ausschau; die fünf Teilnehmer am fünften Bouquinistenmarkt waren bei Temperaturen um die 3 Grad ins Innere des Hauses gezogen und hatten ihre Kisten im hinteren Foyer aufgestellt. Zweifellos ein angenehmerer Ort als vor der Tür, aber dann doch etwas versteckt und ohne Laufkundschaft.

Nachdem Organisator Florian Koch die Gäste begrüßt hatte, nahmen Harry Oberländer, Roland Reuß und KD Wolff auf dem Podium Platz und wiesen auf eine Programmänderung hin: Statt der Nietzsche-Ausgabe wird die gerade im Stroemfeld Verlag erschienene Faksimile-Edition von Franz Kafkas Betrachtungen, das Original war 1912 herausgekommen, den Bücher-Reigen eröffnen.
Verleger KD Wolff begründete die Entscheidung für Kafka mit langwierigen Scans der Nietzsche-Manuskripte, die ausführlicher Bearbeitung bedürfen. Die Nietzsche-Bände kündigte er für das laufende Jahr an.
Von Problemen testamentarischer Verfügungen, an verschiedenen Orten deponierter Nachlässe und deren Zugänglichkeit sowie von den Bemühungen, mit einem Reprint dem Original möglichst nahe zu kommen, erzählte Roland Reuß. Außerdem erläuterte er zeitgeschichtliche Zusammenhänge.

Im Societäts Verlag ist der Musikerroman Drei Worte auf einmal erschienen. Autorin Maria Knissel stellte ihr Buch im Gespräch mit Hans Sarkowicz vor, Stephan Völker begleitete die Präsentation musikalisch auf dem Saxophon.

Die schöne Ausgabe von Katherine Mansfields In einer deutschen Pension, publiziert in der Edition Büchergilde, stand im Mittelpunkt der nächsten Stunde. Lektorin Sylvia Krischak erläuterte im Gespräch mit Clemens Greve, warum sie sich für die in Neuseeland geborene Autorin begeisterte und wies auf die Illustrationen von Joe Villion und den Essay von Elisabeth Schnack hin. Ingrid El Sigai trug drei Geschichten aus dem Band vor.

Channah Trzebiner präsentierte im Gespräch mit Rainer Weiss ihr Debüt Die Enkelin, herausgekommen bei Weissbooks. „Die Entscheidung für dieses Buch fiel sofort“, sagte der Verleger, dem Ende 2011 das Manuskript vorlag. Das Buch erzählt die Geschichte einer Jüdin in der dritten Generation – es ist Channahs eigene. Schon ihr Name ist belastet mit dem Schicksal der Vorfahren, sie muss damit klar kommen. So schwermütig die Einleitung beginnt, geht die Erzählung indessen nicht weiter. Die jiddisch sprechenden Überlebenden versuchen auf ihre Weise, die Vergangenheit zu bewältigen. Channah versucht die Balance, mit dieser Last des Ungeheuerlichen zurecht zu kommen und gleichzeitig ihr eigenes Leben zu finden.

Eine illustre Runde bietet der Dielmann-Verlag auf dem Podium: Hier haben sich Ewart Reder, Axel Dielmann, Norbert Abels und Olaf Velte zusammengefunden, um eine literarische Collage zum 20-jährigen Verlagsjubiläum zu präsentieren.

Giftiges Grün heißt der Titel von Elsemarie Maletzke. Die Autorin wurde von Lothar Ruske vorgestellt und las anschließend aus ihren Gartenkrimi, erschienen im Verlag Schöffling & Co..
Als siebente Novität stand Robert M. Sonntags Buchbranchen-Thriller Die Scanner, S. Fischer Verlag, auf dem Programm. Mit Moderator Alf Mentzer wurde eine unheilvolle Fiction diskutiert: Wie sieht die Welt, beherrscht vom Megakonzern „Ultranetz“, im Jahr 2035 aus? Sonntag malt ein düsteres Bild, die Welt besteht aus einer ABC-Zonen-Gesellschaft, ist längst unter dem zunächst sympathisch anmutenden Slogan „Alles Wissen kostenlos für alle und jederzeit“ zu einem sterilen, kontrollierten Quotensystem geworden. Ziemlich schrecklich. Aber es gibt Widerständige: die Buchterroristen. Mit der Auflistung möglicher perfider Resultate aus der Sammlung von Daten will Sonntag warnen, ein reines Sachbuch würde die Leser, um die es ihm geht, kaum erreichen, ist sich der Autor sicher.

Im B3 Verlag wurde der Erfolgsroman Die Festung von Henry Jaeger wiederaufgelegt. Der Schauspieler Claude Oliver Rudolph las aus dem Buch, Verleger Norbert Rojan erläuterte Zusammenhänge.

Absurder Humor stand im Mittelpunkt der nächsten Stunde: Florian Koch stellte im Gespräch mit Annette Reschke und Olga Martynova Theater! von Daniil Charms, publiziert im Verlag der Autoren, vor.

Neu beim Langen Tag der Bücher war der Verlag Michason & May. Sven André Dreyer und Autor Peter Koebel präsentierten den Roman Fischmarie.

Zum Abschluss des Lesemarathons konnten die Besucher den Autor Thomas Martini im Gespräch mit Annette Reschke erleben; er las aus seinem Erstling Der Clown ohne Ort, Frankfurter Verlagsanstalt.

JF

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