Erika Mann: Unterwegs an allen Fronten

Jule Richter als Erika Mann

Wer war diese Erika Mann? Mit Klaus Mann, dem ein Jahr und neun Tage jüngeren Bruder, waren sie die „enfants terribles“ der Familie.

Vom fröhlichen, unbeschwerten jungen Mädchen, das so manches Mal über die Stränge schlug, entwickelte sie sich zu einer engagierten, aktiven Frau ihrer Zeit mit dem unauslöschlichen Glauben an „einige grundlegende moralische Ideale – Wahrheit, Ehre, Anstand, Freiheit, Toleranz“ und kümmert sich schließlich aufopferungsvoll um den Nachlass ihres Vaters, des Nobelpreisträgers Thomas Mann.

Jule Richter beleuchtete für die Zuschauer im Stalburg Theater in Frankfurt heute in einer Matinee den Lebensweg von Erika Mann – frisch, mit Verve, sparsamer Requisite, prägnanten Gesten. Die im Rowohlt Verlag erschienenen Texte bildeten die Grundlage für das Ein-Personen-Stück unter der Regie von Karsten Morschett.

Nun sind anderthalb Stunden nicht eben viel für ein Leben von 64 Jahren, aber es werden Schlaglichter auf die wichtigsten Stationen geworfen. 1915, Erika noch keine zehn, Klaus „Eissi“ noch keine neun Jahre alt, gründen die Geschwister eine Kindertheaterbühne, den Laienbund Deutscher Mimiker. Ein Spaß, „ein einzigartiges, edles und famoses Institut“, wie Erika 13 Jahre später in ihren ersten journalistischen Veröffentlichungen in der Berliner Zeitschrift Tempo schreibt. Prägende Anfänge, Erika geht nach ihrem Abitur auf die Schauspielschule.

Ein Abenteuer ist die erste Weltreise 1927 mit Bruder Klaus, 1929 erscheint ihr gemeinsames Buch Rundherum.
Im Januar 1933 gründet Erika die legendäre Pfeffermühle mit Therese Giese und dem Komponisten Magnus Henning, die ältesten Mann-Kinder schreiben die Texte. Doch die Luft wird dünn für politisches Kabarett, Erika fährt in die Schweiz zu den Eltern, Klaus nach Paris und Amsterdam. Im September 1933 erlebt die Pfeffermühle ein Comeback in Zürich, reist bis 1936 mit 1034 Auftritten durch ganz Europa.

Erika heiratet 1935 den Dichter Wystan H. Auden und erlang dadurch die britische Staatsbürgerschaft. Die deutsche wird ihr aberkannt. 1936 befinden sich Erika und Klaus in den USA. Mit Vortragsreisen verdienen sie ihren Lebensunterhalt. Die Eltern folgen zwei Jahre später. Da sind Klaus und Erika schon als Korrespondenten im Spanischen Bürgerkrieg.

Die älteste Mann-Tochter engagiert sich unermüdlich gegen Nazi-Deutschland, arbeitet für die BBC London, ist für das „Office of War Information“ in New York tätig. Ständig auf dem Sprung, gehetzt.

Im kahlen Hotelzimmer – der Stalburg-Bühne – bepackt mit dem Notwendigsten – dem umfangreichen Briefwechsel mit dem Vater, den wenigen Briefen der Mutter, ein paar Bildern, darunter eines von ihr und Bruder Klaus aus glücklichen Tagen, einer Schweizer Flagge, einer großen Packung Toblerone, einer Schreibmaschine – hält sie kurz inne, sinniert, deklamiert, zitiert.

Jule Richter gelingt es, uns Erika Mann glaubhaft und unverstellt nahe zu bringen. In der Stalburg hatte das Stück heute Premiere, der Erfolg fordert geradezu weitere Aufführungen nach der Sommerpause des Theaters.

JF

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