Francine du Plessix Gray stellte in Berlin „Majakowskis letzte Liebe“ vor – und machte ein bisschen Wahlkampf für Obama

Francine du Plessix Gray und Heinrich
von Berenberg

Es wurde eng in den Räumen des Berliner Berenberg Verlags, als Francine du Plessix Gray gestern Abend ihr druckfrisches Buch „Majakowskis letzte Liebe“ (übersetzt von Matthias Wolf) präsentierte.

Die 78-Jährige war eigens aus den USA angereist. Dazu hatte ihr Verleger Heinrich von Berenberg sie nicht lange überreden müssen. Francine du Plessix Gray kommt leidenschaftlich gerne nach Berlin. Die Autorin, die in Frankreich aufwuchs und 1943 nach New York emigrierte, lebt heute in Connecticut, wo sie sich als Journalistin und Autorin mehrerer Biographien, u. a. über Simone Weil, den Marquis du Sade und Frauen in der Sowjetunion einen Namen gemacht hat.

Als der Verleger ihr Buch „Them“ entdeckte, in dem sie die Geschichte ihrer Eltern erzählt, filterte er getreu dem Verlagsmotto „In jedem dicken Buch steckt ein dünnes, das schreit: Ich will raus!“ (Robert Darnton) die bewegenden Kapitel über „Majakowskis letzte Liebe“ heraus.
Der russische Revolutionsdichter Wladimir Majakowski hatte sich auf einer Reise in Paris in Francine du Plessix Grays Mutter, Tatjana Jakowlewa, verliebt, der er zwei Gedichte gewidmet hat.

Tatjana heiratete später einen französischen Diplomaten, den Vater der Autorin. Majakowski erschoss sich kurz danach, während Tatjana nach dem Krieg Karriere als Modedesignerin machte. Das Geheimnis ihrer großen Liebe, das Tatjana bis an ihr Lebensende bewahrte, hat ihre Tochter nun in einem bewegenden Buch gelüftet.

Nicht nur der Obama-Button der charismatischen Autorin erinnerte daran, dass sich die USA im Wahlkampf befinden. Sarah Palin, die Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, so erzählte Francine du Plessix Gray, habe während ihrer Zeit als Bürgermeisterin der Kleinstadt Wasilla vehement versucht, eine ganze Reihe von Büchern aus der öffentlichen Bibliothek entfernen zu lassen. Das Publikum staunte nicht schlecht über die lange Liste, auf der Bücher standen wie Rotkäppchen, Huckleberry Finn und Harry Potter, The Canterbury Tales von Chaucer und Das Decameron von Boccaccio.

ML

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.