Frankfurt liest „Grüße und Küsse an alle“

Felix Semmelroth, Klaus Schöffling,
Peter Stillem und Lothar Ruske

Zur heutigen Vorstellung des Programms der sechsten Auflage von Frankfurt liest ein Buch musste zuerst eines traurigen Ereignisses gedacht werden: Buddy Elias, der Cousin von Anne Frank, ist im Alter von 89 Jahren am 16. März in Basel gestorben. Seine Frau Gerti Elias fand und ordnete Dokumente, Mirjam Pressler schrieb das darauf fußende Buch Grüße und Küsse an alle, das Frankfurt in diesem Jahr lesen wird.

„Buddy Elias hat Frankfurt liest ein Buch im Vorfeld begleitet. Ihm ist die Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr vom 13. bis zum 26. April stattfinden wird, gewidmet“, erklärte Klaus Schöffling, Vorsitzender des Vereins Frankfurt liest ein Buch.
Schöffling gedachte auch der Journalistin Claudia Michels, die im vergangenen Dezember gestorben war und sich seit Anbeginn für die Stadtleseaktion engagierte.

„Wir hatten uns das Lesefest anders vorgestellt und uns auf Buddy Elias gefreut“, erklärte Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth, „mit Buddy Elias ist ein weiterer Zeitzeuge gegangen.“ Deshalb komme sprachlichen Zeugnissen, Literatur also, aus jener dunklen Zeit deutscher Geschichte noch mehr Bedeutung zu.
Das diesjährige Lesebuch ist erstmals 2009 im S. Fischer Verlag erschienen und liegt nun in dritter Auflage als Taschenbuch vor: „Frankfurter Geschichte wird von einem Frankfurter Verlag publiziert – das passt gut zusammen“, bemerkte Semmelroth.

In Grüße und Küsse an alle wird die Geschichte der Familie von Anne Frank erzählt. Grundlage des Buches ist eine ungewöhnliche Entdeckung; Gerti Elias fand vor einigen Jahren tausende Dokumente, Briefe und Fotos auf dem Dachboden des Elternhauses von Buddy Elias. In zweijähriger Arbeit wurde alles transkribiert, katalogisiert und geordnet. Mirjam Pressler schrieb über die Familiengeschichte, die drei Jahrhunderte umfasst, das vorliegende Buch.

„Der 70. Todestag von Anne Frank im März und der 90. Geburtstag von Buddy Elias am 2. Juni dieses Jahres boten vor vielen Monaten den Anlass, Grüße und Küsse an alle in den Fokus des diesjährigen Lesefestes zu stellen“, erläuterte Klaus Schöffling. Im Februar hat Buddy Elias, der letzte lebende Verwandte, der Anne Frank persönlich gekannt hatte, noch die Preview des Films Meine Tochter Anne Frank im Hessischen Rundfunk gesehen und war begeistert. Er wollte auch zum Lesefest kommen.

„Nun muss die Veranstaltungsreihe leider ohne Buddy Elias stattfinden. Für ihn ist ohne lang zu zögern Mirjam Pressler eingesprungen“, erläuterte Organisator Lothar Ruske. Knapp 100 Veranstaltungen mit über 100 Akteuren an über 60 Orten mit etwa 70 Kooperationspartnern listet das 16-seitige Programmheft im A4-Format auf.

Dazu gehören auch vier Ausstellungen. „Das Programm zeigt, dass Frankfurt liest ein Buch keine Konkurrenzveranstaltung zwischen Stadt und literarischen Institutionen ist. Die Ausstellungsorte Haus am Dom, Archiv der Goethe-Universität, Fenster zur Stadt und die Galerie ‚Das Bilderhaus’ kooperieren genauso wie Buchhandlungen, Verlage, Schulen und Kultureinrichtungen“, verdeutlichte Ausstellungskurator Wolfgang Schopf.

56 Buchhandlungen in Frankfurt, Hofheim, Bad Nauheim, Friedberg, Butzbach, Oberursel, Bad Soden, Bad Homburg, Niedernhausen, Wiesbaden, Hanau, Wetzlar, Offenbach, Königstein, Idstein, Neu-Isenburg und Mühlheim beteiligen sich am Lesefest, in dessen Rahmen auch sechs Filmvorführungen im Deutschen Filmmuseum geplant sind. „Die Premiere des Dokumentarfilms ‚Annes Cousin’ wird am 19. April zu sehen sein. So ist Buddy Elias doch mit dabei“, ergänzte Regisseurin Hanna Laura Klar.

„Besonders erfreulich ist, dass wir 13 Schulen für das Lesefest begeistern konnten“, erklärte Lothar Ruske.

Peter Sillem, Programmgeschäftsführer des S. Fischer Verlags, unterstrich: „Das Buch Grüße und Küsse an alle ist eine andere Geschichte Frankfurts.“ Sie zeige den Weg einer Familie, die das jüdische Ghetto verlässt und in einem schwierigen Prozess einen Platz in der Mitte der Gesellschaft erkämpft – bis zum Jahr 1933, dann verändert sich alles. „So gesehen ist das Buch eine Heimkehr der Franks nach Frankfurt“, sagte Sillem. Außerdem habe die Familiengeschichte der Franks einige Parallelen zur Geschichte des S. Fischer Verlags.

Details zum Programm sind unter www.frankfurt-liest-ein-buch.de zu finden.

JF

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