Frankfurt: Premiere am Fass

Dirk Huelstrunk und Claus-Peter Leonhardt
vor dem Eingang der „Margarete“

Am späten Sonntagnachmittag fand im Frankfurter Restaurant Margarete in der Braubachstraße die erste Zusammenkunft am Literatur Vaz statt.

Eingeladen hatte zu dieser Veranstaltung des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), Landesverband Hessen, dessen Vorstandsvorsitzender Claus-Peter Leonhardt, erster Gast war Dirk Huelstrunk.

Wieso heißt es eigentlich Literatur Vaz? „So wurde das am häufigsten verwendete Transportmittel, das Fass, im 15. Jahrhundert geschrieben. Ich habe diese Schreibweise bewusst gewählt, am an die Ursprünge der Buchmesse im Umfeld dieses Ortes in der Nähe der Buchgasse zu erinnern“, erklärte Leonhardt. Bereits vor Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 durch Johannes Gutenberg seien Handschriften gehandelt worden. „Ein Buch kostete in jener Zeit umgerechnet zwischen 800.000 und einer Million Euro“, weiß Leonhardt.

Von kostbaren Handschriften kam man schnell auf deren Verfasser. „Oswald von Wolkenstein (1377 bis 1445) ist einer meiner Lieblingsautoren“, erklärte Dirk Huelstrunk.

„Am Literatur Vaz sollte das Traditionsbewusstsein hoch gehalten werden“, äußerte Leonhardt und sprach sich damit gegen „die Gedankenlosigkeit der eigenen Geschichte gegenüber“ aus.

Nach dieser Einführung kündigte der Moderator Dirk Huelstrunk als „Wort- und Klangkünstler“ an, er sei der Richtige für den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe, die Literaten und das interessierte Publikum zusammenbringen soll.

Huelstrunk begann mit einem Intro-Mitmach-Gedicht, das der Konzentration diente – das Publikum atmete mit dem Lautpoeten und Performance-Künstler ein und aus, hielt sich Nase und Ohren zu und lauschte dem Rauschen des eigenen Blutes.
Es folgten Gedichte, Worte aus bereits Veröffentlichtem und jüngste Werke, die in einem vierwöchigen Stipendium, gestiftet vom Prager Literaturhaus, entstanden sind und die Atmosphäre in der Hauptstadt Tschechiens festhalten.

Schließlich performte Huelstrunk das Gedicht Seepferdchen und Flugfische von Hugo Ball, Mitbegründer des Dadaismus. Diese Kunstbewegung sowie Gertrude Stein hätten Huelstrunk zu Beginn seiner eigenen künstlerischen Laufbahn inspiriert, erklärte der Soundpoet.

Zum Abschluss las er aus Antikörper/Antibodies einem deutsch-englischen Buch, das mit Collagen von Brandstifter 2013 im Gonzo Verlag Mainz erschienen ist. Bis zur Veröffentlichung des 89 Seiten umfassenden Bändchens sei es ein langen Prozess gewesen, erläuterte Huelstrunk.

Nach dieser Performance, die – für Huelstrunk ungewöhnlich – unplugged erfolgte, führte Leonhardt ein kurzes Gespräch mit dem Künstler und lud danach das Publikum mit zur Diskussion ein.

Die Runde am Literatur Vaz soll sich als monatliches Treffen jenseits des üblichen Literaturbetriebs etablieren und ist ein Experiment. Der Eintritt ist frei, jeder Interessierte ist willkommen.

Die nächste Veranstaltung wird am 17. Januar 2016 mit Doris Lerche stattfinden – dann sicher im ursprünglich geplanten Raum, nämlich im Fenster zur Stadt im Restaurant Margarete gleich am Haus des Buches.

JF

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