Für und Wider das E-Book/Tagblatt-Talk in Wiesbaden

Birgitta Lamparth, Ulrike Fischnich,
Walter Lüderssen, Gabriele Wörner,
Gudrun Olbert, Susanne Pristaff,
Dieter Wallenfels und Ingeborg Toth (v.l.)

In der ersten Wiesbadener Talkrunde mit unabhängigen Buchhändlern und dem Buchpreistreuhänder Dieter Wallenfels, die gestern Abend im Pressehaus der Landeshauptstadt unter dem Titel „Das gedruckte Wort – die schönste Erfindung der Menschheit“ stattfand, wurde viel über das E-Book gesprochen.

Doch zunächst fragte Birgitta Lamparth, Kulturredaktion Wiesbadener Tagblatt, nach der Notwendigkeit der Preisbindung für Bücher. Experte Dieter Wallenfels reagierte prompt, indem er darauf verwies, dass es für die Presse ja ebenfalls eine Preisbindung gibt. Immer gehe es um den Schutz von Kulturgut. Er verwies auf Länder wie zum Beispiel die USA, in denen es keine Preisbindung gibt, die Buchbranche entsprechend von Konzernen beherrscht und bestimmt wird. Eine Vielfalt wie in Deutschland ist dort nicht zu finden.

Gudrun Olbert, Buchhandlung und Galerie Büchergilde, fügte an: „Die Preisbindung ist nicht nur für die Buchhändler, sondern auch für die Käufer wichtig. Überall in Deutschland ist ein und derselbe Titel für das gleiche Geld zu haben.“

Schon die nächste Frage drehte sich um die Innovation E-Book. Wie wirkt sich das auf den Buchhandel aus?

Peter Leucht von der Buchhandlung Wiederspahn äußerte: „Wenn sich die Kunden nur noch am E-Book orientieren, wäre das der Untergang für uns“. Gabriele Wörner von Vaternahm sah es diffiziler: „DEN Buchmarkt an sich gibt es nicht, es gibt Fachbücher und Belletristik. Sicher wird der Markt mit Einführung der E-Books kleiner, die Buchhandlungen werden sich weiter konzentrieren, aber es wird E-Books und gedruckte Bücher nebeneinander geben, wie Buch-Discount und den beratenden Einzelhandel.“ Ulrike Fischnich von Lesen & Leben fügte hinzu: “Ich kann mir nicht vorstellen, mit einem E-Book in die Badewanne zu gehen“.

Walter Lüderssen vom Landkartenhaus Angermann wandte ein, dass bis dato sämtliche Versuche, Landkarten für Wanderer zu digitalisieren, scheiterten: „Ich kann mir nicht denken, mit einem E-Book wandern zu gehen.“ Auch Gudrun Olbert pflichtete dem bei: „Mit einem E-Book am Strand? Undenkbar.“

E-Books und Rechte waren das nächste Thema. Dieter Wallenfels machte auf Hintergründe aufmerksam: „Amazon will auf seinem Reader ‚Kindle’ nur eigene Titel verkaufen, das bedeutet eine Monopolstellung. Die darf nicht entstehen. Und die Rechte der Autoren müssen selbstverständlich auch bei E-Books gewahrt bleiben, da gibt es noch viel Handlungsbedarf.“
Zum Preis der E-Books muss man die Herstellung beachten, ein E-Book ist schließlich wesentlich schneller und kostengünstiger zu produzieren als eine gedruckte Ausgabe. Doch auch für E-Books muss die Preisbindung gelten. Im Übrigen ist in der EU diesbezüglich ein Umdenken zu beobachten, alle europäischen Staaten haben sich für die Buchpreisbindung ausgesprochen. Allerdings ist sie nicht grenzübergreifend, was sich beispielsweise Amazon in jüngsten Aktionen zunutze machte.
Auf die Struktur des deutschen Buchhandels eingehend, stellte der Preistreuhänder fest, dass die Preisbindung nicht nur den unabhängigen Buchhandlungen, sondern auch den Ketten nützt. Aber ein neuer Trend fällt auf: die Großen kanibalisieren sich selbst – Beispiel Hugendubel in Berlin.

Fazit der Talkrunde: Die Wiesbadener unabhängigen Buchhändler, die sich unter dem Dach der „Sechs Richtigen“ zusammenschlossen, haben keine Angst vor dem E-Book. Sie verschließen jedoch auch nicht die Augen vor tiefgreifenden medialen Umwälzungen und stellen sich neuen Anforderungen. Oberstes Gebot ist ihnen, für ihre Kunden da zu sein, sie zu beraten, ihnen Titel zu empfehlen. Dabei handelt jeder auch individuell: Während der eine auf ein stimmiges Zusatzangebot von Non-Books setzt, schließt sich der andere mit einer Galerie zusammen, um das Augenmerk verstärkt auf Kunstbücher zu richten.

Das mittlerweile 5. Veranstaltungsprogramm der „Sechs Richtigen“ bietet einige Highlights bis zum Jahresende, darunter ein Krimi-Abend am 7. November und die 1. Wiesbadener Kunstbuchnacht am 28. November.
Sollten dann ebenso viele Gäste kommen wie zum Talk – und das ist erfahrungsgemäß zu erwarten –, sind die Wiesbadener auf dem richtigen Weg.

JF

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.