Gala zum Deutschen Hörbuchpreis 2010: So locker und gelungen war die Preisverleihung selten

Die Preisträger beim offiziellen Fototermin

Esther-Maria Roos, WDR mediagroup und Geschäftsführerin des Vereins Deutscher Hörbuchpreis, dürfte sich gestern Abend doppelt gefreut haben: Schon vor der Gala im WDR-Funkhaus in Köln bekam sie unzählige Glückwünsche – schließlich fiel der festliche Abend auf ihren Geburtstag. Und auch danach sind die Glückwünsche nicht verstummt: Die Preisverleihung präsentierte sich so locker und gelungen wie seit Jahren nicht mehr.

Zum achten Mal wurden die besten Hörbücher, Sprecher und Verlage [mehr…] [mehr…] in einem feierlichen Rahmen geehrt – und wer dabei war, hatte fast nur höchstes Lob für die Macher der Gala parat. Schön war sie, sehr unterhaltsam und spannend zugleich. Die Entscheidung, sich auf das Nötigste zu konzentrieren, war richtig: Das Programm wirkte gestrafft, aber nicht gehetzt; ohne Hollywood-Glamour oder gar Oscar-Feeling, aber doch stilvoll und kurzweilig.

Als besonders gelungen fanden viele Zuschauer im Saal die Präsentation der Gewinner in Form von lockeren Gesprächen. Auch wurden mehrere Preise im „Doppelpack“ serviert. So saßen die Geehrten mitsamt den Moderatoren Jörg Thadeusz (wortgewandt und sicher) und Katrin Bauerfeind (die nur eine untergeordnete Rolle spielte) gemütlich auf roten Sesseln und plauderten über die Produktionen, ihre Freude über den Preis und auch über die eine oder andere Anekdote – nicht zu kurz, um wegen der Fülle der Preise an diesem Abend nur „abgehakt“ zu werden, aber auch nicht zu lang, um das Interesse der Zuschauer über Gebühr zu fordern.

Übergeben wurden die Hörbuchpreise an die Produktionen „Briefwechsel“ („Beste Information“, Der Hörverlag, Lesung von Peter Simonischeck und Gert Voss), „Chronik der Gefühle“ („Beste Fiktion“, Kunstmann Verlag), „Wie man unsterblich wird“ („Bestes Kinderhörbuch“, Igel-Records) sowie „Der Himmel auf Erden“ aus der BRIGITTE-Edition „Starke Stimmen“ („Das besondere Hörbuch: Bester Krimi“, Random House Audio, Lesung von Matthias Brandt).

Weitere Preise gingen an die „Beste Interpretin“ Maria Schrader für das Hörbuch „Geschichte einer Ehe“ (Random House Audio), an den „Besten Interpreten“ Andreas Fröhlich für „Doppler“, erschienen bei der Lauscherlounge, sowie an Theresia Singer / Headroom für ihre Hörbuchreihe „wegwärts“ als „Beste verlegerische Leistung“.

Neu dabei in der „Palette der Hörbuchpreise“ ist erstmals das „Hörbuch des Jahres“ der hr2-Hörbuchbestenliste, die sich der WDR-Gala angeschlossen hat. Verdient gewonnen hatte die aufwendige Hörverlag-Edition „Lyrikstimmen – Die Bibliothek der Poeten“, eine Sammlung von hunderten Gedichten deutscher Schriftsteller im O-Ton.

Die Bwd9-Publikumspreise „HÖRkules“ und „HÖRkulino“, die unabhängig vom Deutschen Hörbuchpreis vergeben werden und deren Gewinner traditionell erst während der Preisverleihung bekanntgegeben werden, gingen an Gert Heidenreich für seine Lesung von „Der Hobbit“ (Der Hörverlag) bzw. an Ulrike Grote für „Bis(s) zum Ende der Nacht“ (Hörbuch Hamburg) – beide Bestseller gehören damit nicht nur im Verkauf zu den beliebtesten Hörbüchern des vergangenen Jahres.

Tipp für einen Aktionstisch im Buchhandel: Da sich der Deutsche Hörbuchpreis längst nicht nur in der Branche, sondern auch bei Literaturliebhabern und bei den Medien gefestigt hat, sollten Buchhändler die gesteigerte Aufmerksamkeit für den Verkauf nutzen und die ausgezeichneten Titel vorrätig haben. Das Problem, dass Prämiierungen oft nur marginale Verkaufseffekte bringen, scheint beim Deutschen Hörbuchpreis nicht (mehr) gegeben zu sein. Zahlreiche Verlage, die in den letzten Jahren eine der wertvollen, mehrere Kilogramm schweren Edelstahl-Skulpturen einheimsen konnten, berichten von einer deutlich höheren Nachfrage.

Noch ein TV-Tipp für alle, die der Hörbuchpreis-Gala von der heimischen Couch aus beiwohnen wollen: Die eigentlich 105 Minuten lange Preisverleihung wird am kommenden Sonntag im Fernsehen auf 3sat gezeigt – dann allerdings um 15 Minuten gekürzt. Jedoch: So viel bundesweite Publicity hatte ein reiner Hörbuchpreis noch nie.

rw

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.