Garten literarisch

Elsemarie Maletzke, Till Weinheimer, Ida Schöffling (v.l.)

Einen feinen und passenden Platz hatte sich der Schöffling & Co. Verlag gestern Abend für seine drei Buchpremieren ausgesucht: Die Novitäten wurden im Siesmayersaal des Frankfurter Palmengartens vorgestellt.

Liebenswürdige Aufmerksamkeit am Rande: Auf jedem Platz lag ein Tütchen mit unterschiedlichen Blumensamen – da kamen die Zuhörer gleich zu Beginn des Abends miteinander ins Gespräch, tauschten die Tütchen, fachsimpelten über den Inhalt.

Ida Schöffling begrüßte die Gäste, unter denen sich auch beide Übersetzerinnen befanden, und die Vortragenden.

Der Schauspieler Till Weinheimer las zunächst aus Karel Čapeks Buch Das Jahr des Gärtners, neu übersetzt von Marcela Euler. Die Zuhörer erfuhren von der gärtnerischen Bedeutung der einzelnen Monate und davon, dass der wahrgenommene Gärtner nicht größer als einen Meter ist, mehr ist von den in gebückter oder kauernder Haltung arbeitenden sowieso nicht sichtbar. Herrlich amüsant die Geschichte des Gartenbesitzers auf Urlaub. Es ist schon schwierig genug, jemanden zu finden, der sich um das zurückgelassene Stück Land kümmert. Man muss den Pfleger also zunächst beschwichtigen; im August gäbe es im Garten kaum etwas zu tun. Dann, aus nicht allzu weiter Ferne, folgen jeden Tag nicht nur ausführliche Anleitungen für die unabdingbaren Tätigkeiten, sondern auch noch das eine oder andere Päckchen mit Pflanzen samt detaillierter Gebrauchsanweisung. Fazit: Urlaub ist nichts für Gärtner.

Aus ihrem neuen Buch Gartenglück las im Anschluss Elsemarie Maletzke. Zunächst beantwortete sie die Frage, ob Gärtner einen Knall haben, wahrheitsgemäß mit „ja“, stellte aber zugleich ihre Gegenfrage, was denn dann mit den übrigen Menschen sei.

Die Autorin nimmt ihre Zuhörer mit in berühmte und skurrile englische Gärten und führt sie in die königlichen Gewächshäuser von Brüssel, die jedes Jahr nur drei Wochen im Mai für das Volk geöffnet sind.

Eine Reminiszenz an den Palmengarten in Frankfurt darf an diesem Abend und an diesem Ort natürlich nicht fehlen.

Germaine Greer, übersetzt von Brigitte Walitzek, beschreibt in ihrem Buch Heckengeflüster die Leiden einer englischen Stadtgärtnerin. Daraus trägt Till Weinheim einige Passagen vor. Besonders anrührend die tragische Geschichte Pflanzen mordender Bauarbeiter, die aus den Fenstern mehrstöckiger Häuser alles auf die mühsam gepflegten Beete entsorgen.

Germaine Greer hat auch eine eigene Ansicht zum viel gelobten englischen Rasen: Ein gepflegter Rasen ist das äußere Symbol einer triumphierenden Neurose, schätzt sich ein.

Ein kurzweiliger Abend – nicht nur für Gartenfreunde.

JF

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