Gespräch und Ausstellung über Sonja Okun in der Buchhandlung „Land in Sicht“

Carmen Renate Köper (l.) und Trude Simonsohn

Heute Abend konnten die Besucher der Buchhandlung „Land in Sicht“ bewegende Augenblicke miterleben: Carmen Renate Köper, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin, stellte nicht nur ihr Buch „Das kurze Leben der Sonja Okun“, erschienen letztes Jahr bei Brandes & Apsel vor.
Sie hatte auch die Dokumente für eine heute ebenfalls eröffnete Ausstellung von Briefen, Bildern, Büchern und einem Tagebuch der in Auschwitz oder auf dem Transport dorthin verstorbenen ehemaligen Geliebten des Regisseurs Erich Engel zur Verfügung gestellt.

Anwesend war ebenfalls Trude Simonsohn, die über ihre Begegnung mit Sonja Okun in Theresienstadt berichtete und die Ausstrahlung und Menschlichkeit dieser außergewöhnlichen Frau unterstrich. So organisierte Sonja Okun unter den Lagerbedingungen „Die helfende Hand“, hier unterstützten Kinder und Jugendliche ältere Menschen – ein humanistischer Akt in inhumaner Umgebung.

Sonja Okun, als Rosalie Okun 1899 in Minsk geboren, lebte ab 1905 in Hamburg und ab 1923 in Berlin. Als junge Frau lernte sie bedeutende Zeitgenossen wie Fritz Kortner, dessen spätere Frau Johanna Hofer, Bertold Brecht und Erich Engel kennen.
Enttäuscht von ihrer fast zwanzig Jahre andauernden Liebe zu Erich Engel, der nicht ins Exil ging, sondern statt dessen unter den Nationalsozialisten als erfolgreicher Theater- und Filmregisseur in Deutschland weiterarbeitete, ging sie erkrankt 1936 in die Schweiz, kehrte aber zwei Jahre später trotz vieler Warnungen freiwillig nach Berlin zurück. Sie arbeitete in der Jugend-Aliya mit und half Verfolgten. Im Erich-Engel-Archiv findet sich seltsamerweise keine Zeile über Sonja Okun.

Carmen Renate Köper sieht ihre Aufgabe darin, vergessene Schicksale aufzuarbeiten, sie der Vergangenheit zu entreißen. Das ist ihr sowohl mit ihren Filmen als auch mit ihren Büchern gelungen.

Ihr neuestes Buch „Zwischen Emigration und KZ – Fünf Leben“ ist vor kurzem in der Edition Steinbauer erschienen.

JF

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