Gestern EZB-Eröffnung mit Krawallen in Frankfurt

EZB-Festung

Dieser 18. März hinterlässt in Frankfurt einen bitteren Geschmack nach Rauch, Tränengas und Pfefferspray. Das Anliegen der Blockupy-Bewegung wurde von gewalttätigen Ausschreitungen überdeckt. Die bei der Eröffnungsveranstaltung ohnehin weitgehend ausgesperrte Presse berichtete über brennende Autos, Verletzte, zerschlagene Scheiben.

„Die Europäische Zentralbank sperrt praktisch die gesamte Presse aus, das ist eine unerträgliche Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit“, kritisierte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Schon am frühen Mittwoch Morgen kam es zu ersten Gewalttätigkeiten: Chaoten brannten Barrikaden an, steckten Autos – vor allem Polizeiwagen – in Brand, griffen das 1. Revier auf der Frankfurter Zeil an. Es gelang ihnen jedoch nicht, bis zur festungsähnlich abgesperrten EZB vorzudringen. So konnte das abgespeckte Eröffnungszeremoniell mit einer sehr überschaubaren Gästeschar gegen 11 Uhr fast ungestört stattfinden.

In den beiden 185 Meter hohen Glastürmen wird bereits seit November gearbeitet. Auch damals, zum Umzug der EZB von der Innenstadt in den Frankfurter Osten, gab es Proteste, Farbbeutel flogen gegen die Glasfassade. Im Vergleich zum gestrigen Tag war das allerdings nur ein kleines Scharmützel.

Dass es auch anders geht, bewies beispielsweise Theaterleiter Willy Praml. Er stellte sein Areal, die Naxos-Halle, den Blockupy-Aktivisten zur Verfügung: Hier wurden etwa 3000 Suppen gekocht, die Leute diskutierten, saßen in der Sonne, Plakate wiesen auf die Ziele von Blockupy hin. Praml bezeichnete die Stimmung als friedlich. Nur gegen 14 Uhr wurde es etwas brenzlig – da kam der etwa 200 Menschen starke italienische Block zum Essen, begleitet von einer Hundertschaft der Polizei. Praml telefonierte mit der Einsatzleitung und bat, die Polizisten abzuziehen. Das geschah, so wurde die Situation entschärft.

Buchhändler Dmitrij Anzupow hat sein Geschäft Knizhnik in unmittelbarer Nähe zur EZB – der Bankenturm ist kaum 300 Meter entfernt. „Der Tag war schlecht für mich“, bilanzierte er. Aufgrund der Schließung des Ostbahnhofs und der Straßensperren seien nur wenige Stammkunden gekommen, um ihre Tageszeitung zu kaufen. Vorkehrungen gegen Gewalt hat Anzupow nicht getroffen: „Was soll ich denn machen bei zwei großen Glasfronten?“, fragte er. Bei ihm ging keine einzige Scheibe zu Bruch. Er komme aus der Ukraine, erklärte der Buchhändler gelassen, da gehe es ganz anders zu.

Bilanz des Eröffnungstages: Über 200 Verletzte, darunter etwa 90 Polizisten, etwa 30 abgefackelte Autos, Angriffe sogar auf die Feuerwehr, Scheiben gingen zu Bruch, Straßenbahnen und Haltestellen wurden demoliert. 17.000 Demonstranten kamen zur Abschlusskundgebung auf dem Platz vor der Alten Oper zusammen. Etwa 8.000 Sicherheitskräfte waren in Frankfurt zusammengezogen worden. Die Nacht verlief weitgehend friedlich.

Der Bau der EZB, zunächst mit 500 Millionen Euro kalkuliert, kostete am Ende 1,3 Milliarden Euro. Über die Schadenshöhe des gestrigen Tages liegen noch keine Zahlen vor. Sicher ist jedoch: Einige hundert Anarchisten haben es geschafft, Tausende friedlich demonstrierende Menschen aus ganz Europa zu diskreditieren.

JF

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