Grandiose „Teufel-“Aufführung nach F. K. Waechter

Umwerfend: Verena Reichhardt

Das Märchen Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren ist allgemein bekannt. Quintessenz: Armer Bauersknecht übersteht Prüfungen und Hölle und bekommt Königstochter.
Im Frankfurter Holzhausenschlösschen [mehr…] zeigte die Schauspielerin Verena Reichardt gestern Abend die Version, die sie gemeinsam mit Friedrich Karl Waechter erarbeitet hatte und die erstmals 1991 aufgeführt wurde.

Grandios spielte Verena Reichardt; mimte nicht nur alle Personen, sondern zusätzlich auch Geräusche: den Bauersknecht mit einem liebenswerten Sigmatismus, die Begleitmusik der Soldaten des Königs, den Wind, den näselnd-hochmütigen Minister und den Prälaten, die schlesisch-polnisch radebrechenden und ziemlich teuflisch und polternd lachenden Räuber samt Mutter, den Prinzen von Lothringen mit Hasenzähnen, Königin und verliebte Königstochter, den Ball am Hof, den von Gesichtszuckungen heimgesuchten König, den blinden Fährmann, Maus und mit kohlkopfgroßen Warzen bewachsene Kröte. Eine Kulisse wird dabei nicht vermisst. Souverän agierte Verena Reichhardt, unterbrach nur – den Spannungsbogen noch heftiger anziehend – manchmal mit einem Schluck rotweinartigen Getränkes. Mit ihrer einstündigen Erzählung, die gleichzeitig ein großes Schauspiel war, hat sie die Zuschauer ergriffen, das bewies der lange Applaus am Ende der Aufführung.
F. K. Waechter (1937 bis 2005), „es ist wirklich schade, dass er gestorben ist“, rief Verena Reichhardt, fast schon im Taxi zum nächsten Auftritt enteilend, beschäftigte sich erstmals in den 70er Jahren mit Märchen und gelangte nach Jahren zu der Erkenntnis, dass die Erzählung als Ein-Personen-Stück die schönste Form des Märchens ist.

Der Aufführung schloss sich eine Podiumsdiskussion zum Thema Beziehung Text-Bild/Theater-Bild, moderiert von Hanne Kulessa, an. Die Teilnehmer Tilman Spreckelsen, Redakteur bei der FAZ, Schauspieler Michael Quast, das Karikaturisten-Duo Achim Greser und Heribert Lenz, tätig für die FAZ, den Stern und die Titanic, hoben einhellig die Genialität von F. K. Waechter hervor. Während Tilman Spreckelsen den Künstler nicht mehr kennen gelernt hat, aber von seinem Buch Die Kronenklauer (Text: Bernd Eilert, erschienen erstmals 1972 bei Rowohlt) stark beeindruckt war, erzählten die anderen von ihren Begegnungen mit F. K. Waechter. Michael Quast erinnerte sich an die gegenseitig inspirierende und damit kaum zu einem Ende kommende Arbeit in Heidelberg an der Gestalt des Kwast, Hofnarr des Königs in der Rahmenhandlung zum Teufel. Achim Greser und Heribert Lenz dachten an gemeinsame Zeichenrituale zurück.

Die Diskussion schloss mit einer kleinen, amüsanten Waechter-Lesung in verteilten Rollen.

JF

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