Großer Andrang beim Jubiläumsfest des Wagenbach Verlags

Die Festveranstaltung zum 50jährigen Bestehen des Wagenbach Verlags zog gestern Abend Literaturfreunde in Scharen ins Maxim Gorki Theater in Berlin Mitte. „Wagenbach lädt ein und alle, alle kommen“, brachte es ein Besucher auf den Punkt.

900 Gäste waren gekommen, darunter zahlreiche Autoren, Übersetzer, Rezensenten, Politik- und Kulturschaffende. Auch vom Handel wird der Verlag geschätzt: 200 Buchhändler aus ganz Deutschland hatten sich angemeldet. 440 Plätze im Theater und so viele Zusagen – normalerwiese eine Herausforderung. Nicht so für das Wagenbach-Team. Die Festveranstaltung wurde in den weitläufigen Garten übertragen und die Gäste konnten hier auf Bierbänken verfolgen, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters dem Verlag gratulierte und dabei erneut den Erhalt der Buchpreisbindung forderte.

Klaus Wagenbach habe von Anfang an als Überzeugungstäter agiert, so die Ministerin. „Andere Gründer wollen Geld verdienen. Klaus Wagenbach wollte die Gesellschaft verändern. Er wollte Politik machen – und zwar mit Literatur.“ Dass der Verlag mit seinem auf Klasse statt Masse ausgerichteten Programm heute gut da steht, habe mit ganz konservativen Tugenden zu tun: mit Sorgfalt, mit Gewissenhaftigkeit und nicht zuletzt mit der ebenso traditionsbewussten wie weitsichtigen Leitung durch Susanne Schüssler, die das Unternehmen vor zwölf Jahren von ihrem Mann übernommen hat. Schüssler und Vertriebsleiterin Nina Wagenbach verteidigten die Unabhängigkeit heute mit unternehmerischem Sachverstand und verlegerischem Herzblut.

Wagenbach habe sich um das Kulturgut „Buch“ verdient gemacht hat und zeige, was in Freiheit gedeihen kann und wie sehr die Früchte dieser Unabhängigkeit den demokratischen Diskurs bereichern, so Grütters. Bücher müssten auch künftig anders behandelt werden als bloße Handelsobjekte und dürften sich nicht dem Geschmack der Masse unterwerfen wie x-beliebige Konsumgüter. „Wir brauchen die verrückten Verleger wie Wagenbach, die mutigen Dichter, die unbequemen Schriftsteller! Sie sind der Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft, der verhindert, dass intellektuelle Trägheit, argumentative Fantasielosigkeit und politische Bequemlichkeit die Demokratie einschläfern.“

Der Wagenbach Verlag wird sich auch künftig treu bleiben. Man werde weiterhin nur Bücher aus Überzeugung machen und mit Eigensinn auch an schwierigen Themen festhalten und der Politik noch mehr Platz geben, so Susanne Schüssler in ihrer „Begrüßung der Gäste und der Zukunft“. Als dann Klaus Wagenbach nach seinem schelmisch vorgetragenen Appel „Gegen die Verleumder des Buches“ die Bühne verließ, applaudierte das Publikum stehend. Und nach einer von Schauspielern vorgetragenen literarischen Reise durch die Verlagsgeschichte wurde bis in die Morgenstunden im Garten des Theaters gefeiert und im Foyer zur Musik von DJ Pol getanzt.

Alles stimmte, die Atmosphäre, die Gespräche und auch der Sommer zeigte sich von seiner milden Seite. Wagenbach versteht eben nicht nur etwas vom Büchermachen, sondern auch vom Feiern. Und das seit 50 Jahren.

ml

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