Ironie, Verfremdung, Destruktion –<br>Variationen zum Thema „Buchobjekte“

Ernst Fischer

Im Rahmen der Ausstellung Gutenberglabyrinth des Künstlers Hubertus Gojowczyk [mehr…] hielt am 5. Februar Prof. Dr. Ernst Fischer, der seit 1993 am Institut für Buchwissenschaft der Johannis-Gutenberg-Universität Mainz lehrt, in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main einen Vortrag über Variationen zum Thema Buchobjekte.

Zunächst beschäftigte er sich mit Büchern, die keine sind, sondern vielmehr u.a. als Salz- und Pfefferstreuer, Briefbeschwerer und Verstecke dienen. Sie waren im 18. Jahrhundert sehr verbreitet. Er wies außerdem auf eine Holzbibliothek aus dem 19. Jahrhundert hin.

Buchobjekte werden im eigentlichen Sinn erst seit 40 bis 50 Jahren gestaltet – ein Dia, das den von Marcel Duchamp hergestellten Katalog zur Internationalen Surrealismus-Ausstellung Paris 1947 zeigt, veranschaulicht diese Feststellung.

Ernst Fischer ging auf die viel diskutierte These ein, dass die vermehrte Herstellung von Buchobjekten eine Antwort sein könnte auf das in den 60er und 70er Jahren prophezeite Buchsterben.

Weiter sprach er über internationale Buchobjekte und verwies auf die seit 2003 jährlich stattfindende Seoul International Bookarts Fair. Dias zeigen interessante Arbeiten aus dem russischen, arabischen und asiatischen Raum, Ernst Fischer hatte zudem ein Buchobjekt aus St. Petersburg mitgebracht.

Um Gestaltungsstrategien ging es anschließend: Form- und Materialverfremdung, Pop Art Bücher, das Buch als Wunderkammer, letztere Variante ist auch bei Hubertus Gojowczyk zu sehen.

Ironie und Sprachwitz werden ebenfalls von den Künstlern genutzt, Beispiele demonstrierten das von der einfachen wortwörtlichen Übertragung auf das Objekt bis hin zur Titelfindung, die dem Buchobjekt eine weitere Dimension verleiht.

Der interessante Vortrag zeigte über die Vorstellung von Buchobjekten die Ambivalenz des Buches, das gute und böse Botschaften enthalten kann, Wissen birgt und ebenso Lügen verbreiten kann. Diese Vielfalt nutzen die Künstler bei der Gestaltung ihrer Buchobjekte.

In der letzten Diaserie wies Ernst Fischer auf die ungeheuren Dimensionen von Buchobjekten hin; sie werden in der Großskulptur Zweistromland von Anselm Kiefer deutlich.

JF

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