Klaus Kordon las in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Beeindruckender Auftritt in der Gedenkstätte Hohenschönhausen: Gestern Abend las Klaus Kordon im Rahmen des internationalen literaturfestivals berlin aus seinem neuen Buch „Auf der Sonnenseite“ (Beltz & Gelberg).

Klaus Kordon, Barbara Gelberg, Shelly Kupferberg

Eine Lesung an einem authentischen Ort, denn hier, im ehemaligen STASI-Gefängnis, waren Klaus Kordon und seine Frau Jutta, die ihn gestern Abend begleitete, 1972 wegen eines missglückten Fluchtversuchs aus der DDR inhaftiert. Davon erzählt Kordon – am Beispiel von seinem Alter Ego Manfred Lenz – in seinem Buch „Krokodil im Nacken“. An diesen Roman knüpft „Auf der Sonnenseite“ an: Aus der Stasi-Haft entlassen, fängt Manfred Lenz 1973 im Westen neu an.

Aber befindet er sich wirklich auf der Sonnenseite? Das, so Siegfried Reiprich, stellvertretender Direktor der Gedenkstätte, hätten sich Zehntausende gefragt, denen es ähnlich ergangen sei. Kordon habe einen Roman geschrieben, der nötig war, dafür gebühre ihm Dank, so Reiprich, der sich über einen voll besetzten Saal freuen konnte. Barbara Gelberg, Programmleitung Beltz & Gelberg Literatur, stellte Kordon als vielstimmigen Autor vor, der Geschichte erlebbar macht. Ihm gelinge es, Jugendliche nachhaltig für Geschichte zu interessieren.

Gleich nach der friedlichen Revolution habe er den Drang verspürt seine Zelle zu sehen, das Vernehmerzimmer, erzählte Klaus Kordon, der seit 1988 wieder in Berlin lebt, im Gespräch mit der Rundfunkjournalistin Shelly Kupferberg. Inzwischen sei er häufig dort gewesen, auch mit Fernsehteams und es sei inzwischen nicht mehr ganz so bedrückend, nach Hohenschönhausen zu kommen. Dennoch werde er jedes Mal wieder zurück versetzt in die Vergangenheit.

Das überwiegend erwachsene Publikum erfuhr, dass Klaus Kordon den Roman nur mit vielen Jahren Abstand schreiben konnte. Das Buch sollte keine Abrechnung mit den politischen Verhältnissen in Ost und West werden. Überhaupt will Kordon die jeweilige Zeit möglichst getreu abbilden, ohne dabei zu verharmlosen oder zu beschönigen. „Die jungen Leser vertrauen mir.“

Klaus Kordon signiert

Daher gelte es, ehrlich zu sein und die Leser gemeinsam mit dem Helden des Romans durch diese Zeit zu schicken. Man könne Geschichte nur mit Emotionen vermitteln, so Kordon, der dafür plädierte „Auf der Sonnenseite“ ebenso wie „Krokodil im Nacken“ sowohl im Jugendbuch als auch in der Belletristik zu platzieren. Es gebe zwei Arten von Büchern: Kinderbücher und Bücher, denn Jugendliche könnten alles lesen.

Übrigens: Die Leser von Klaus Kordon haben einen ganz besonderen Grund zur Freude: Der Autor kündigte an, dass er im nächsten Jahr mit der Arbeit an einem weiteren Manfred Lenz-Roman beginnen wird. Dann will er die Geschichte seiner Eltern zu Papier bringen.

Das Publikum hatte noch viele Fragen, erzählte von eigenen Erfahrungen und so mancher kaufte Kordons Romane am Büchertisch der Buchhandlung 89, die sich auf dem Gelände der Gedenkstätte befindet und sich auf Literatur zu Geschichte und Leben im Kommunismus spezialisiert hat. Klaus Kordon signierte noch lange, bevor er und andere ehemalige Häftlinge die Besucher dann durch die Gedenkstätte führten.

ML

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