Literarisch-musikalischer Abend im Frankfurter Gothemuseum mit Frido Mann / Neues Buch „Achterbahn. Ein Lebensweg“ im Mai bei Rowohlt

Reinhard Pabst (l.) im Gespräch mit Frido Mann

Ins Foyer des Goethemuseums, umrahmt von der Eichendorff-Ausstellung, hatte das Freie Deutsche Hochstift am Donnerstag Abend zur Veranstaltung „Thomas Mann und sein Lieblingsenkel“ eingeladen, und viele waren gekommen.

Die Verbindung zwischen der Familie Mann und dem Goethehaus beginnt 1932, als Thomas Mann zur Eröffnung des neuen Goethehauses sprach. Mann war außerdem Ehrenstiftsherr des Freien Deutschen Hochstifts und erhielt 1949 den Goethepreis. Zwei Vitrinen mit Briefen, Fotos und Büchern – einige davon an diesem Abend erstmals der Öffentlichkeit präsentiert – dokumentierten diese Beziehungen.

Thomas Mann und seine
Verbindungen mit dem Goethehaus

Reinhard Pabst, Autor u.a. von „Thomas Mann in Venedig. Eine Spurensuche“ (Insel Verlag 2004) übernahm die Moderation. Frido Mann erzählte über die „Enkel-Qual“, der Violin-Virtuose Vesselin Paraschkevov unterstrich oder konterkarierte die Worte musikalisch meisterhaft mit Werken u.a. von Bach und Bartok.

1985, als Frido Manns „Professor Parsival – Ein autobiographischer Roman“ (Edition Spangenberg im Ellermann Verlag) erschien, war das keine „Enthüllung“, sondern eher der Versuch einer Annäherung an die brüchige Familiengeschichte, bewertet der Autor. Mit dem neuen Buch „Achterbahn. Ein Lebensweg“, das im Mai bei Rowohlt erscheint, ist Frido Mann gelungen, sich zu befreien: „Vieles fiel beim Schreiben von mir ab.“

Der Lieblingsenkel empfand sich stets im Spannungsbogen zwischen Last und Lust, die das Familienverhältnis mit sich brachte. Am qualvollen Tod des Knaben Echo (Nepomuk Schneidewein) – er trägt die Züge Fridos – in Thomas Manns „Doktor Faustus“ (1947) hatte der heutige Schriftsteller, studierte Musiker, Theologe und Psychologe schwer zu tragen.

Auch die Kindheit des nunmehr 67-Jährigen war nicht einfach: „Die Beziehung unserer Mutter zu den Kindern bestand darin, uns zu verwalten. Mein Vater hat unter sich selbst gelitten.“ Oft wurden Frido und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Toni bei den Großeltern Thomas und Katia „abgegeben“. Der „Zauberer“ las Märchen vor. Später allerdings ersetzte „Superman“ die Märchen, eine Tagebuchaufzeichnung Thomas Manns bezeugt: Gegen „Superman“ kamen Hauff und Andersen natürlich nicht an.

„Ich habe ‚Superman‘ über das Autoradio im Buick meiner Großeltern gehört und kann mich noch erinnern, wie Katia schimpfte, als sie entdeckte, dass irgendwann die Batterie leer war“, erzählt Frido Mann.

Er bekam vom Großvater eines Weihnachtens die „Buddenbrooks“ geschenkt, „es war lange Zeit das einzige Buch des Großvaters, das ich gelesen habe“. Hier gab es für ihn eine Schlüsselszene – die Liebe Hannos (Justus Johannes Kaspar Buddenbrooks) zur Musik.

Erst sehr viel später beschäftigte sich Frido Mann mit dem berühmten Großvater, las seine Werke und Tagebücher, setzte sich damit in einem schwierigen Prozess auseinander.

Die erste öffentliche Äußerung Frido Manns über sein Enkel-Schicksal datiert vom 7.6.1997, als er in Zürich die Rede „‚Echo‘ zwischen Tod und Leben“ hielt.

Der Mann mit den drei Staatsbürgerschaften (schweizerische, amerikanische und tschechische) lehnt sich zurück und schmunzelt: „Heute kommt es mir so vor als könnt‘ ich’s mir wieder leisten, Lieblingsenkel zu sein“.

Bilanz und Ausblick formuliert er im „Achterbahn“-Epilog, in dem er sich mit seinem Sohn Stefan über theologische, philosophische und weltanschauliche Standpunkte unterhält. Der letzte Satz lautet: „Die Zeiten ändern sich, die Generationen ändern sich, wir werden sehen“.

Das heißt natürlich nicht, das es keine Pläne mehr gibt. In der anschließenden Diskussion nach gegenwärtigen und künftigen Arbeiten befragt, verrät Frido Mann, dass er zurzeit ein Libretto für eine Jazz-Oper beendet.

Man darf also auf Weiteres aus dem Hause Mann gespannt sein.

Reinhard Pabst, Frido Mann und Vesselin Paraschkevov

JF

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