Made in China

Prof. Lü Jingren, Uta Schneider, Zhe Dong (v.l.)

Unter diesem Motto wurde gestern Abend in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main eine Ausstellung der Stiftung Buchkunst in Kooperation mit der DNB über Buchgestaltung im Land, das in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist, eröffnet.

Prof. Lü Jingren, ehemals Herausgeber bei China Youth Publishing House, gründete 1998 sein Jingren Art Design Studio. Außerdem lehrt er als Professor der Akademie für Kunst und Design an der Universität Tsinghua. In seinem Eröffnungsvortrag, den Lei Ren von der Frankfurter Buchmesse, Region Ostasien, übersetzte, gab er einen Überblick zur Buchgestaltung der letzten 100 Jahre. Dabei teilte er diesen Zeitraum in Jahreszeiten ein. Die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts bezeichnete er als Sommer; China öffnete sich zum Westen, die Gestaltung von Publikationen erfuhr einen Aufschwung. Der Herbst, die Gründung der Volksrepublik China, förderte vor allem die Kaligrafie. Mit der Kulturrevolution brach der Winter ein, der zu einem Tiefpunkt in der Buchgestaltung führte. Anfang der 80er Jahre ergaben sich mit den Reformen auch neue Möglichkeiten für die Gestaltung. Eine erste Buchkunstausstellung fand 1996 statt. Bis dahin orientierten sich die Gestalter ausschließlich auf Cover. Nun wurde der Inhalt mit einbezogen. Seit 2003 werden Bücher aus China in Leipzig zum Wettbewerb Schönste Bücher aus aller Welt prämiert. Für Prof. Lü Jingren ist die Weiterführung alter chinesischer Buchkunst wichtig, er gestaltet viele Klassiker. Bilder, die seinen Vortrag begleiten, vermitteln einen Eindruck von der Schönheit und Handwerkskunst solcher Bücher.

Die in diesem Umfang erstmals in Europa gezeigte Exposition stellt über 160 Werke von 40 chinesischen Buchgestaltern der Gegenwart, darunter 6 Frauen, vor. Dabei beeindruckt besonders die Verbindung traditioneller Formen wie Außenfalz und Block- und Fadenbindung mit innovativer Gestaltung und moderner Anmutung. Bereits vor 4000 Jahren verwendeten Chinesen Schriftzeichen, damals noch auf Bambus. Dieses ursprüngliche Material ist auch heute wieder zu entdecken, modern verarbeitet bildet es beispielsweise den Einband eines Buches.

„Die Ausstellung ist nicht thematisch zusammengestellt, sondern nach den Werken der einzelnen Buchkünstler geordnet“, erläutert Uta Schneider, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst. Die Üppigkeit der Ausstattung und die Vielfalt der Materialien fallen auf. Die handwerkliche Meisterschaft bei der Herstellung aufwändiger Bücher und ausgewogene Typografie überzeugen. Viele der Exponate haben bereits internationale Auszeichnungen erhalten, die jüngste Würdigung – ein Ehrendiplom beim Wettbewerb Schönste Bücher aus aller Welt–, erhielt Professor Lü Jingren auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse für The Chinese Memory.

Die Exposition ist noch bis zum 6. Juni zu sehen.

JF

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