Marie Marcks wird geehrt

Plakat zur Ausstellung

Heute Abend wurde die umfangreiche Ausstellung der Karikaturistin Marie Marcks im caricatura museum frankfurt feierlich eröffnet.

Auf dem Weckmarkt vor dem Museum hatten sich viele Menschen eingefunden, um diese Exposition, in der 372 Blätter gezeigt werden, gemeinsam mit der Künstlerin, die am 25. August ihren 90. Geburtstag feiern wird, zu sehen.
Darunter waren zahlreiche Kollegen wie F. W. Bernstein, Pit Knorr, Bernd Eilert sowie fast die gesamte Titanic-Mannschaft.

Dr. Jan Gerchow, Direktor des historischen museums frankfurt, begrüßte die Gäste und unterstrich, dass die 1922 in Berlin geborene Marie Marcks sehr früh so relevante Themen wie Umweltschutz und Atomenergie mit ihren Mitteln in den Fokus rückte. Sujets, die heute in aller Munde sind, in den 1960er Jahren wollte davon kaum jemand etwas wissen.

Recht provokant (und von Applaus begleitet) brachte Achim Frenz, Leiter des caricatura museums, seinen Standpunkt zum Ausdruck: „Wer ist schon Jeff Koons, wenn man hier eine Marie Marcks hat.“ Marie Marcks habe mit ihren Karikaturen und Zeichnungen die frühe und spätere Bundesrepublik begleitet, Prozesse gespiegelt und vorangetrieben.

Die Laudatio hielt F. W. Bernstein. Er zitierte die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes Jutta Limbach, die Marie Marcks als Muntermacherin und völlig undogmatische Feministin der ersten Stunde beschrieben hat. Über 30 Bücher hat Marie Marcks geschaffen, die Titel hören sich an wie auf den Punkt gebrachte Szenen aus dem täglichen Leben. Ihre Zeichnungen und Karikaturen erschienen in der Süddeutschen Zeitung, dem Vorwärts, in Die Zeit, im Spiegel, in pardon und Titanic – um nur einige zu nennen.
F. W. Bernstein sprach auch von einer mit bemerkenswertem Engagement und Witz von drei Frauen auf die Beine gestellten Marie-Marcks-Ausstellung 1987 im Dom von Brandenburg, zu Zeiten also, wo Deutschland noch in zwei sehr unterschiedliche Staaten geteilt war.

Verlegerin Antje Kunstmann begann ihre Ansprache mit der Bemerkung: „Nach Fritz zu reden macht’s auch nicht einfacher.“ Sie erinnerte sich an ihre erste Begegnung mit Marie Marcks auf der Frankfurter Buchmesse 1973. Mittlerweile sind im Verlag Antje Kunstmann fünf Bücher von Marie Marcks erschienen, das neuste in der Bibliothek Meister der komischen Kunst, herausgegeben von WP Fahrenberg. Für Antje Kunstmann sind die „Erziehungsratgeber“ von Marie Marcks so aktuell wie vor 30 Jahren.

Die so Geehrte bedankte sich kurz und prägnant bei Antje Kunstmann: „Ich bin stolz darauf, dass du meine Verlegerin bist.“ Sie dankte auch dem caricatura-Team; alles ist so liebevoll und sachkundig ausgestellt worden und Marie Marcks selbst musste keinen Finger krumm machen.
Zum Schluss wollte die „Alt- und Großmeisterin der Innung“ (F. W. Bernstein) noch etwas klarstellen. Irgendjemand hat behauptet, sie sei menschenfreundlich. Das stimme nicht – sie selbst müsse es ja wohl wissen.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von Emil Mangelsdorff und Thilo Wagner – die Verbindung der Künstlerin zum Jazz liege auf der Hand; sie zeichnete schon in den 1950er Jahren Plakate für den Club Cave 54 in Heidelberg.

Die Marie-Marcks-Ausstellung ist bis zum 21. Oktober zu sehen.

JF

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