Mentoring-Forum der BücherFrauen feiert Jubiläum in Stuttgart

Rosemarie von dem Knesebeck

Am 19. und 20. Juni trafen sich mehr als 80 Teilnehmerinnen zum 1. Überregionalen Mentoring-Kongress der BücherFrauen in Stuttgart. Auf dem zweitägigen Treffen wurde das zehnjährige Bestehen des Förderprogramms des Branchennetzwerkes gefeiert.

Einem unterhaltsamen, musikalischen Kongressbeginn am Freitag Abend im festlichen Bad Canstatter Kursaal folgte ein informationsreicher Samstag, an dem neben der Weiterentwicklung des Mentoringprogramms Themenvorträge zur Buchbranche auf der Tagesordnung standen.

Mit gebrauchten Liedern feierten die BücherFrauen das zehnjährige Jubiläum ihres Mentoringprogramms. „Gebraucht, aber noch gut“, beschrieb Maren Kroymann die Lieder, die sie zusammen mit ihrer Band im Kleinen Kursaal in Bad Cannstatt mitreißend in Szene setzte. Mitreißend wie das Mentoringprogramm, das nach seinem Start in München im Jahre 1999 andere Städtegruppe anregte, diese Art der persönlichen Fortbildung anzubieten. „Das Mentoring-Forum ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Netzwerks“, unterstrich Karina Schmidt, die erste Vorsitzende der BücherFrauen, in ihrer Begrüßung die Bedeutung des Programms.

Der festliche Auftakt am Freitag Abend ließ die Nacht für manche der Kongressteilnehmerin kurz werden, denn früh am nächsten Morgen trafen sich alle zum Arbeitstag im Stuttgarter Biokraftwerk. Nach der Begrüßung durch Frauke Ehlers vom Organisationsteam stimmte Rosemarie von dem Knesebeck, die Schirmherrin des Kongresses, die Teilnehmerinnen mit einem anregenden Grußwort auf den Arbeitstag ein. Der Vorteil des Mentoring, stellte die Münchner Verlegerin fest, ist die Vermittlung einer Haltung. Veränderungen als Chance zu begreifen, einen starken Willen entwickeln und ein klares Ziel verfolgen: Das alles seien wichtige Einstellungen, die eine Mentorin weitergeben kann. Zusammen mit einem starken Netzwerk lässt sich so auch der spürbaren Verunsicherung in der Branche trotzen.

Auf diese Einstimmung folgte ein Vortrag, der diese Verunsicherung und die daraus folgenden Handlungsmöglichkeiten zum Thema hatte. Kerstin Emrich befasste sich mit den Zukunftsaussichten der Branche. Dabei lautete eine wichtige Frage der Buchwissenschaftlerin aus Erlangen: Gibt es ein Zukunft? Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und des bereits angesprochenen Strukturwandels?

Die positive Antwort, die am Ende des Vortrags der Wissenschaftlerin stand, beruhigte jedoch. „Für die Zukunft des Buchhandels sind im Wesentlichen zwei Trends richtungweisend“, bemerkte Emrich im Gespräch. „Einerseits eine zunehmende Ausdifferenzierung aus der verbraucherorientierten Perspektive, andererseits eine Verschmelzung aus der medialen Perspektive. Zwischen diesen beiden Dimensionen werden sich die starken Veränderungen bewegen, vor denen jedes einzelne Buchhandelsunternehmen steht und die es annehmen und anpacken muss.“

Anpacken war auch ein Stichwort für Martina Flessenkemper. Die Vertriebsleiterin Nord bei Langenscheidt beschäftigte sich in ihrem Vortrag speziell mit den Zukunftsaussichten der Verlage. „Das Buch war schon immer krisenfest“, ermunterte Flessenkemper die Zuhörerinnen, bevor sie ausführlich die Herausforderungen – von den Konzentrationsprozessen im Handel bis zur Digitalisierung – erläuterte. Verlage werden auch in Zukunft noch gebraucht, war sich die Marketingfachfrau sicher. Wichtig sei jedoch, dass die Verlagsmarke als Qualitätsmarke, als eine Art Zertifikat für die Qualität des Inhalts stehen muss.

Über die Auswirkungen des Strukturwandels auf die Arbeit im Allgemein sowie Ausbildung und Qualifikation im Besonderen sprach abschließend Monika Kolb-Klausch, die Bildungsdirektorin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Ähnlich wie ihre Vorrednerinnen legte auch Kolb-Klausch den Zuhörerinnen nahe, sich durch den Wandel nicht verunsichern zu lassen, sondern diesen als Chance zu begreifen und vor allem die wichtige Stellung der Branche „Buchhandel“ im allgemeinen Wirtschaftsgefüge nicht zu vergessen.

Entscheidend für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen sei, wie diese mit dem „Produktivkfaktor Wissen“ umgehen. Das Schlagwort des „lebenslangen Lernens“ sei eben nicht nur eine leere Worthülse, sondern angesichts sich ständig verändernder Jobprofile das Pfund mit dem jede und jeder Einzelne oder auch Organisationen wuchern können. „Im Grunde sollte jede Berufseinsteigerin und jeder Berufseinsteiger eine Mentorin oder einen Mentor haben“, betonte die Geschäftsführerin der Schulen des Deutschen Buchhandels.

Nachdem die BücherFrauen derart grundlegend über die Branchenentwicklung und die Bedeutung der Weiterbildung informiert waren, befassten sie sich am späten Nachmittag mit den Möglichkeiten des eigenen Weiterbildungsprogramms. Gemeinsam mit der Mannheimer Großgruppenexpertin Heike Czwalina zogen sie im ersten Teil dieses Programmpunkts Bilanz über die vergangenen zehn Jahre. Dabei ergab die Umfrage bei den anwesenden  ehemaligen oder aktuellen  Mentees eine ungeteilte Zustimmung. Viele konnten auf einen konkreten Karriereschritt am Ende des Mentoringjahrs verweisen; bei anderen war die persönliche Weiterentwicklung ein Ergebnis. Der Leitsatz „Ich würde es wieder tun!“ war in dieser Runde häufig zu hören.

Die darauf folgende Gesprächsrunde sollte aus der bisherigen Erfolgsgeschichte des Programms neue Perspektiven entwickeln. Fragen nach zusätzlichen Gestaltungsideen des Mentoringjahres standen dabei ebenso auf der Tagesordnung wie der Wunsch, die öffentliche Aufmerksamkeit für dieses wegweisende Ausbildungsprogramm auch überregional zu erhöhen. Der erfolgreiche Jubiläumskongress in Stuttgart war hierbei auf jeden Fall ein erster wichtiger Schritt.
Anja Lösch

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