Michael Lentz: Offene Unruh

Michael Lentz

„Das Buch kommt wie ein Schulheft daher, braunes Papier, der Titel in Handschrift geschrieben. 100 Gedichte, ohne Schnörkel, ohne Erklärungen zum Autor. Entrümpelte Gedichte. Praktisch zum in die Jackentasche stecken“, leitete Literaturhaus-Chefin Maria Gazzetti gestern Abend die Buchpremiere mit Michael Lentz im Frankfurter Literaturhaus ein.

Zu Beginn lasen Franz Mon und Eva Demski zwei Gedichte aus dem schmalen HC-Bändchen, das soeben im S. Fischer Verlag erschienen ist. Dann wies Felicitas von Lovenberg auf die neue Dimension des Lyrikvortrags hin: Michael Lentz setzt seine Stimme ein, um seinen Worten Ausdruck zu geben.

Der Autor – es ist mittlerweile sein vierter Lyrik-Band – hat die Sammlung der in zehn Zyklen unterteilten Gedichte in acht Jahren zusammengetragen. „Liebe ist ein Wort, das auf der Stelle tritt“, heißt es bei ihm. Er malt schöne Bilder mit leiser, nachdenklicher Stimme. Hebt dann auch zuweilen die Stimme, keinen Widerspruch duldend, pointiert.
Liebeslyrik drückt sich bei Michael Lentz in einfachen, präzisen Worten aus, schließt überraschende Wendungen ein. Er schreibt vom „Senkblei Sprache“ und fordert in einer Zeile: „Lege ein gutes Synonym für mich ein.“

Im anschließenden Gespräch zwischen Felicitas von Lovenberg und dem Autor fragt die Moderatorin, wie Liebe ins Gedicht kommt. Die Antwort ist einfach: auf Umwegen. Michael Lentz wollte die Sprache einfach halten, Reim und Nichtreim sind so gewollt.

Der Autor verhehlt nicht, sich Anleihen von Petrarca und Rilke geholt zu haben, „sie stehen in Anführungszeichen“, setzt er dem schmunzelnden Publikum hinzu und erklärt: „Gedichte sind immer ein Dialog mit der Tradition.“ Rilke habe ihn beeindruckt, „manche Gedichte hallen nach“, stellt Michael Lentz fest.

Auf seine bereits erschienene Lyrik und Prosa angesprochen und seine heutige Einschätzung darüber bemerkt der Autor: „Man sollte sich die Fähigkeit bewahren, an sich selbst herumzumäkeln.“

JF

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