Mit dem Islam gegen den Terror

Avi Primor im Gespräch mit Ulrike Holler

Gestern Abend stellte Avi Primor in einem Gespräch mit Ulrike Holler in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main sein neuestes Buch Mit dem Islam gegen den Terror, erschienen im Droste Verlag, vor. Mitorganisator der Veranstaltung war die Hessische Landeszentrale für politische Bildung.

Avi Primor, vor allem als Botschafter des Staates Israel in der Bundesrepublik Deutschland (1993 bis 1999) bekannt, setzt sich seit langem für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts ein.

Ulrike Holler, die das Buch auch als profundes Nachschlagewerk charakterisierte, bat ihren Gast, die Entwicklung des weltweiten Terrorismus zu erläutern.

Der Autor sieht das Datum 9. September 2001 als Zäsur. Vor diesen Anschlägen gab es zwischen Al Qaida und den USA enge Verbindungen, die Organisation wurde unterstützt.
Der Hass der radikalen Islamisten gegen den Westen habe seinen Ursprung u. a. allerdings im zehn Jahre zuvor geführten Golfkrieg; die USA stationierten damals ihre Truppen in Saudi-Arabien, eine Demütigung, die nicht hingenommen werden konnte. „Keine macht auf Erden kann die fanatisch Überzeugten ändern“, konstatierte Avi Primor.

Dennoch sind Gespräche und Verhandlungen sowohl mit der PLO als auch mit der Hamas unabdingbar für den Friedensprozess in Nahost. Beides sind regional agierende Organisationen, die PLO eine politisch-nationale, die Hamas eine religiös-nationale Bewegung. Mit Al Qaida allerdings wird es keine Verhandlungen seitens Israel geben, Al Qaida ist ein internationales Problem und kann auch nur international gelöst werden.

Auf die gegenwärtigen politischen Verhältnisse in Israel eingehend, bezeichnete Avi Primor die Lage als kompliziert und sensibel. Schließlich muss die Erkenntnis, dass aus besseren Lebensbedingungen für die Palästinenser mehr Sicherheit für Israel erwächst, die politische Handlungsweise bestimmen. Das jedoch ist ein langer Weg.

Sicherheit, unterstreicht der Autor immer wieder, ist für Israel die zentrale und existenzielle Frage. Wenn Menschen sich in Angst begegnen, sind Gespräche schwierig. Der erste Schritt ist, einander besser kennen zu lernen. „Wir leben mit den Palästinensern Rücken an Rücken, wir wissen nichts voneinander. Wer einander nicht kennt, fürchtet sich vor dem anderen“, schildert er die Situation anschaulich.

Avi Primor gründete 2004 das Zentrum für Euroäische Studien an der 1994 errichteten Privatuniversität Interdisciplinary Center (IDC) Herzliyah in Israel. In einem trilateralen Projekt arbeiten israelische, palästinensische und jordanische Dozenten zusammen und pendeln zwischen Herzliyah und ihren Ursprungsuniversitäten. In Videokonferenzen sind die Studenten der drei Länder miteinander verbunden. In diesem Jahr werden erstmals 15 Studenten aus jedem Land an einem neutralen Ort – der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf – ein gemeinsames Studienjahr absolvieren.

Ein Schritt zur Verständigung auf einem langen, für die ganze Welt wichtigen Weg.

JF

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.