München: Der Hörverlag verabschiedet sich mit einer letzten großen Party von der Lindwurmstraße 88

Wer einen Hang zu rustikaler Unordnung bei Bier, Wein und zünftiger Brotzeit hat, Hammer-Beats, aufgelegt von DJ „Abrissbirne“ liebt, Verlosungen, alberne Selfies und ähnliche kulturelle Tiefschläge schätzt, Pullen mit dem Feuerzeug aufmachen kann, auch Baustellen-Schilder für literarisch wertvoll hält, den Blaumann dem Business-Outfit vorzieht, der fühlte sich gestern Abend bei der Abschiedsparty des Hörverlags wohl.

So viele waren bei den bisherigen Feiern in die weitläufigen Münchner Verlagsräume im vierten Stock der Lindwurmstraße 88 wohl selten gekommen.

„Abriss-Leiterin“ Claudia Baumhöver

„Abriss-Leiterin“ Claudia Baumhöver (Foto) hatte manchmal Mühe, sich bis in die hintersten Winkel Gehör zu verschaffen: „Das Lektorat sagt, ‚Lass uns eine Party machen, so wie früher, lass krachen‘, der Vertrieb sagt, ‚Lass uns was für den Autor machen und das Buch‘, dann kommt das Marketing und sagt, ‚Lass uns wieder einmal ein wenig die Marke aufladen‘, dann kommt das Lektorat wieder und sagt, ‚Über Party schreibt keiner‘, dann kommt erneut der Vertrieb und sagt, ‚Wir hatten gerade eine Sitzung: Wir müssten etwas für Bulgakow ‚Der Meister und Margarita‘ machen, den kennt vielleicht niemand mehr unter 25“, berichtete Claudia Baumhöver von den Vorbereitungen. Schließlich wurden die Retouren aus dem Lager geholt und damit die Räume dekoriert, 60 Kästen Tegernseer Bier standen bereit und Berge auf beste Qualität geprüfter Fleischpflanzrl der Metzgerei Stocker.

Die Kellner trugen Warnwesten mit Aufschriften wie „Schotter-Potter“, eine große Tombola beschenkte die Gäste reich mit Fundstücken des Hörverlags, auf den Toiletten lief „Was hör ich da? Auf der Baustelle“, die Hör-CD für Kinder und der Aufzug in den vierten Stock funktionierte nicht mehr: „Beate Himmelstoß wurde soeben mit vier weiteren Gästen von der Feuerwehr aus dem Aufzug gerettet. Das war keine Performance und hat nichts gekostet“, erklärte Claudia Baumhöver mit einem Hinweis auf das Random House Controlling. Bald residiert der Hörverlag wieder ganz oben, diesmal in der Neumarkter Straße. Fest steht: Dort funktionieren die Aufzüge. Es war ein schönes, nostalgisch-fröhliches Fest mit Vorfreude auf viele weitere gute Hörverlagsjahre, ab jetzt im Mutterhaus – erneut mit Blick über die Dächer Münchens.
nb

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