Münchner Verleger zu Gast in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin

Gestern Abend hatte das Literaturhaus München zu einer Podiumsdiskussion „Verlage (in) der Zukunft“ in die Bayerische Landesvertretung in Berlin geladen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnete die Verlegerrunde mit Felicitas von Lovenberg, Jo Lendle und Jonathan Beck mit einem Impulsstatement.

Rund 120 Gäste aus Politik und Verwaltung sowie etliche Verlagskollegen und Autoren waren der Einladung gefolgt.

Monika Grütters

Sie freue sich immer, wenn sie unter Buchmenschen ist, betonte Monika Grütters und machte einmal mehr deutlich, dass ihr das Wortungetüm „stationärer Buchhandel“ nicht gefällt. „Klingt das nicht so, als wäre der Buchladen um die Ecke – und mit ihm das gute alte Buch – ein Pflegefall, ein Fall für die ‚stationäre Behandlung‘?

In ihrer Rede zeigte Monika Grütters großes Verständnis für die Probleme der Branche. So teilt sie die Sorge der Verleger um das VG Wort-Urteil [mehr…]. Monika Grütters plädierte für eine gemeinsame Rechtewahrnehmung von Autoren und Verlagen als Grundlage für eine vielfältige Verlagslandschaft. Sobald die Urteilsbegründung vorliege, werde sie weitere Handlungsspielräume prüfen.

„Wir haben in Deutschland den zweitgrößten Buchmarkt und eine der lebendigsten und facettenreichsten Verlagslandschaften der Welt, die es wert ist, geschützt und verteidigt zu werden“, sagte Grütters und hob den Verdienst der Verlage hervor. „Sie sind es, die das vollständige unternehmerische Risiko einer Publikation tragen. Sie sind es, die die Vorfinanzierung ebenso wie die Kosten für Herstellung und Vertrieb übernehmen. Sie sind es, die Talente entdecken und gewinnen. Sie sind es, die für die Qualität einer Publikation bürgen. Sie sind es, die sich für Werke und für Autorinnen und Autoren engagieren, von deren Gewicht und Bedeutung Sie überzeugt sind.“

Den Verlagen sei es auch zu verdanken, dass es abseits der Bestsellerlisten Aufmerksamkeit für lesenswerte Titel gibt, so Grütters weiter. „Sie sind kulturelle Vermittler – dem Kulturgut Buch verbunden, nicht allein dem Wirtschaftsgut Buch verpflichtet.“

Monika Grütters ging auf den Gesetzesentwurf zur Änderung des Buchpreisbindungsgesetzes, der die Preisbindung auch für elektronische Bücher vorsieht, ebenso ein wie auf TTIP (Das Abkommen dürfe keine Bestimmungen enthalten, die die kulturelle Vielfalt beeinträchtigen), den Deutschen Buchhandlungspreis und die Urheberrechtsnovelle. „Wir dürfen das übergeordnete gemeinsame Interesse von Kreativen und Verwertern nicht aus den Augen verlieren, die ja geradezu symbiotisch aufeinander angewiesen sind und letztlich im selben Boot sitzen.“

Solange es Verleger gibt, die etwas wagen – und die dank guter rechtlicher Rahmenbedingungen auch etwas wagen können – müssten wir uns um die Verlage der Zukunft – und um die Zukunft der Verlage – keine Sorgen machen, so Grütters.

Reinhard G. Wittmann

Initiator und Moderator des Abends war Reinhard G. Wittmann, der noch bis Mitte des Jahres amtierende Leiter des Literaturhauses München [mehr…]. Er freute sich, dass die Bayerische Landesvertretung für anderthalb Stunden zu einer Außenstelle seiner Institution wurde. Mit ihm waren Piper-Verlegerin Felicitas von Lovenberg, Jo Lendle, der verlegerische Geschäftsführer des Hanser Verlags und Jonathan Beck, Geschäftsführer des Verlagsbereichs Literatur, Sachbuch und Wissenschaft des C.H. Beck Verlags, aus München angereist.

Einig waren sich alle, dass Kontinuität und Identität für Verlage wichtig sind. Und dass das VG Wort-Urteil ein herber Schlag für die Verlage ist. Jonathan Beck zeigt sich auch beunruhigt darüber, dass das Bild der Verlage in der Öffentlichkeit Schaden nehmen könnte. Die Verlage seien in der Pflicht, den Autoren alles zu bieten, was sie selbst nicht leisten könnten, so Jo Lendle.

Felicitas von Lovenberg ging auf den Wert von Büchern ein und sprach sich für höhere Buchpreise aus. Produkte die mit Sorgfalt hergestellt werden, hätten es verdient, teurer zu werden, sagte sie.

Und was wird die Zukunft bringen? Das Verlagsgeschäft sei immerzu auf die Zukunft ausgerichtet, so Felicitas von Lovenberg. „Und manchmal fühlt es sich an, wie eine Wette auf die Zukunft.“ Zwar sei die Buchbranche im Umbruch, aber das gedruckte Buch sei nicht gefährdet. Es gebe eine Wertschätzung für diesen uralten Gegenstand, der kein Ladegerät braucht und kostengünstig zu haben ist.

ml

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