Musik aus Studio B

Chris Howland

Das Studio B hieß gestern Abend Buchhandlung Bollinger in Oberursel, zu Gast war der legendäre Chris Howland, der sein Buch Yes, Sir! vorstellte, im Juli dieses Jahres und vor vier Wochen als Digitalbuch bei Rowohlt erschienen.

Chris Howland erklärte, dass es sich bei dem Buch nicht um Memoiren handle. Vielmehr sind es Geschichten „Aus dem Blickwinkel eines englischen Gastarbeiters“, so der Untertitel.

Der 1928 in Südengland geborene John Christopher Howland lernt früh Orgel und Klavier, wird in Internaten untergebracht, die mal schlecht, mal hervorragend sind und kommt 1948 als Angehöriger der Armee nach Deutschland. Er arbeitet bei BFN (British Forces Network), dem Radiosender in Hamburg.

Der Radiomann setzt sich an den Bösendorfer-Flügel und spielt zwei Stücke im Easy Listening Sound. Kehrt an den kleinen Tisch zurück und liest, erklärt zwischendurch, dass er das Buch auf Englisch geschrieben habe und übersetzen ließ. „Wenn Sie es lesen, stottert es nicht“, sagt er. Aber die Pausen, die kleinen Versprecher beim Lesen stören nicht – Chris Howlands Charme verzaubert die Zuhörer, man mag diese Stimme mit dem Akzent, das hat ihn vor 60 Jahren bekannt gemacht, ist sein Markenzeichen.

Dann schaut Chris Howland auf, erzählt Anekdoten aus seinem ereignisreichen Berufsleben. Vom ersten Radio-Satz, stundenlang geübt und doch vermasselt, von der Arbeit als Schallplattenjockey damals noch beim NWDR, von den vielen Hörerbriefen, die „den Ausländer mit der heißen Kartoffel im Mund“ erreichten.

In England hatte er in den Jahren 1959 bis 1961 im Fernsehen 400 Talkshows, dann kehrte er nach Deutschland zurück, entwickelte Vorsicht Kamera, die deutsche Version der britischen Candid Camera. Das Publikum nickt wissend, als Chris Howland an den Porsche ohne Motor oder die Isetta mit dem 100-Liter-Tank erinnert.

1961 startete auch Musik aus Studio B, die Reihe lief bis 1970.

Chris Howland greift wieder zum Buch, erzählt noch einige lustige Erlebnisse mit einem technikbegeisterten Verleger – unnachahmlich komisch und nie verletzend beschreibt er die Episoden, mit viel Sinn für das Groteske und Absurde.

Zum Abschluss setzt sich Mr. Pumpernickel, einen Namen, den er für sich erfand, noch einmal an den Flügel.

Martina Ricken-Bollinger bedankt sich bei Chris Howland mit einem englischen Buch für diesen gelungenen Abend.

Hat der erfolgreiche Moderator ein Konzept, wenn er im Rundfunkstudio sitzt? “Ich stelle mir eine einzige Person vor, es ist eine ältere Dame, die man mit Respekt behandeln muss“, erklärt Chris Howland lächelnd und fügt hinzu: „Wenn man selber nicht happy ist, kann man auch die anderen nicht happy machen.“

JF

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