Nach Cairo Short Stories folgen Beirut Short Stories

Abbas Khider, Anita Djafari und
Bernd Siegfried

Heute Vormittag fand im Frankfurter Haus des Buches ein Pressegespräch zur zweiten Auflage von Cairo Short Stories mit dem Schriftsteller und Leiter der Workshops Abbas Khider, dem Direktor der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos, der Leiterin Litprom Anita Djafari, dem Geschäftsführer der KfW Stiftung Bernd Siegfried, der Projektleiterin Nicola Müllerschön und der Leiterin des Kairoer Goethe-Instituts Gabriele Becker statt.

Gemeinsam stellten sie die Ergebnisse des Projektes vor und gaben einen Ausblick auf das neue Vorhaben zur Unterstützung des literarischen Nachwuchses, das in Beirut geplant ist.

„Schwerpunkt unseres Engagements ist der interkulturelle Dialog mit Lateinamerika, Asien und Afrika“, erklärte Bernd Siegfried. „Wir wollen in den Ländern Plattformen für internationale Kulturproduzenten schaffen.“
Bewusst haben sich die drei Partner KfW Stiftung, Litprom und Goethe-Insitut für eine Fortführung des im Jahr 2014 begonnen Projekts Cairo Short Stories entschieden. „Wir wollen mit den jungen Menschen im Dialog sein, ihre Meinungsfreiheit stärken und die Vielstimmigkeit ihrer Literatur zeigen“, betonte Siegfried.

2015 haben sich 133 junge Menschen mit ihren Kurzgeschichten für das Projekt beworben (15 mehr als im Vorjahr) [mehr…], zehn von ihnen konnten an drei Workshops, die Abbas Khider leitete, im April im Goethe-Institut Kairo teilnehmen.

„Es geht uns darum, Kulturmittler zu sein. Das Projekt passt also super zur Frankfurter Buchmesse“, unterstrich Juergen Boos.

„Litprom sorgt für die Verbreitung und Veröffentlichung der Geschichten. Der Weltempfänger ist dabei eine geeignete Plattform. Auf der Frankfurter Buchmesse wird am Stand Weltempfang, Halle 3.1., L 25, am Messedonnerstag, 15. Oktober, der Förderpreis der KfW Stiftung 2015 an die diesjährige Gewinnerin Omaima Sobhi verliehen. Im Anschluss findet eine Lesung mit Gespräch statt“, ergänzte Anita Djafari. Außerdem machte sie auf die Veranstaltung Die nächste Generation: Cairo Short Stories trifft sexyunderground am Messefreitag an gleicher Stelle um 14.30 Uhr aufmerksam. Die Anthologie der Teilnehmer des Jahres 2014 sei gerade in einem Verlag in Kairo erschienen.

„Das Goethe-Institut unterstützt in den letzten fünf Jahren verstärkt die Literatur- und Schreibförderung“, erläuterte Gabriele Becker. „Junge Ägypter haben großes Interesse am Lesen und an der Literatur entwickelt.“ Sie nannte beispielhaft den auch ins Deutsche übersetzten Krimi Diamantenstaub von Ahmed Mourad, der in Ägypten zum Bestseller wurde und in Deutschland 2014 im Lenos Verlag erschien.

In der Fortsetzung von Cairo Short Stories wurde wieder auf Themenvorgaben verzichtet. „Wir haben Verschiedenes ausprobiert, über Bestseller diskutiert, Literatur analysiert. Übrigens kann man auch von schlechten Geschichten lernen – so sollte man eben nicht schreiben“, erzählte Abbas Khider. In der arabischen Welt gebe es keine Lektoren, also mussten die jungen Leute üben, sich selbst zu korrigieren.

„Viele sind mit ihrem Inneren beschäftigt, toben sich auf Facebook aus. Aber Literatur ist etwas Anderes. 2014 war ein unruhiges Jahr in Ägypten, aktuelle Probleme standen im Vordergrund. Jetzt ist es langweilig, traurig und aussichtslos geworden. Jeder denkt nur an sich und nimmt sich vor, sich nicht korrumpieren zu lassen und Teil des Systems zu werden. Und die Jungen haben die Nase voll von Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und von der Tagespolitik. Sie wollen mit ihren Stories, in denen sie auch kritisch und symbolhaft schreiben, keine Klischees bedienen“, berichtete Khider. „Für mich ist es im Vergleich zur arabischen Welt in Deutschland Luxus, in eine Buchhandlung zu gehen und dort Bücher aus aller Welt zu finden. In Ägypten gibt es wenig Übersetzungen und nur eine kleine Auswahl“, fügte der Schriftsteller hinzu.

„Es herrscht komplette Unterdrückung, an der Oberfläche ist Grabesstille“, unterstrich Becker. 2012 richtete das Goethe-Institut in Kairo eine Tahrir-Lounge ein, um den jungen Leuten einen Treffpunkt zu bieten. Zwar stehe das Institut unter einem gewissen Schutz, bekam aber zunehmend deutliche Warnungen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Ägyptens einzumischen. „Wir wollen die Tahrir-Lounge unbedingt fortführen, nun geht es weniger um politische Gespräche, sondern mehr um Qualifizierungs-, Bildungs- und Austauschprogramme“, erklärte die Leiterin. Gerade in den gegenwärtigen Zeiten der Depression sei es wichtig, das Selbstwertgefühl der jungen Menschen zu stärken.

Genau diese Aufgabe steht im nächsten Projekt in Beirut ebenfalls im Vordergrund. Die Workshops wird der aus dem Süd-Irak stammende und in Deutschland lebende Schriftsteller Hussain al-Mozany leiten. Die Ausschreibung wird sich auch an Flüchtlinge richten, sich jedoch an literarischen Maßstäben orientieren.

Anita Djafari weiß, wie schwierig der Vertrieb übersetzter Anthologien in Deutschland ist. Deshalb schlägt sie lieber ein anderes Format vor: „Wir müssen vielleicht eine Veranstaltungsreihe etablieren, in denen Autoren und Leser einander kennenlernen und ins Gespräch kommen.“

JF

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