Per Olov Enquist und Wolfgang Butt zu Gast bei Müller & Böhm

Großer Andrang im Heinrich Heine Haus in Düsseldorf: Trotz des lauen Frühlingsabends waren zahlreiche Gäste in die Buchhandlung Müller & Böhm gekommen, um den schwedischen Autor Per Olov Enquist zu erleben, der gemeinsam mit seinem Übersetzer Wolfgang Butt „Ein anderes Leben“ (Hanser) vorstellte.

Wolfgang Butt, Per Olov Enquist (v.l.)

Der 74-Jährige sprach auf Deutsch mit seinem Publikum, las eine Passage aus seinem neuen Buch und erzählte über den Entstehungs- und Schreibprozess. „Ein anderes Leben“ ist ein autobiographischer Roman, den er zunächst in der Ich-Form begonnen hatte. Doch nach 70 Seiten begann Enquist neu, das „Ich“ habe geklebt, es sei ihm zu exzentrisch erschienen, und es sei einfacher, die Wahrheit in der dritten Person zu sagen. „Ich habe versucht, genau zu schreiben, wie es war.“

Enquist ist in einem schwedischen Dorf, etwa 1.000 km entfernt von Stockholm, aufgewachsen. Ohne Vater und mit viel Religion. Etwa 80 Einwohner wohnten in dem Dorf, fünf von ihnen wurden Mitglieder des schwedischen Schriftstellerverbandes. Enquist beschreibt in „Ein anderes Leben“ seine Kindheit, seinen Werdegang, und auch die dunklen Jahre, in denen er nicht schreiben konnte.

Diese dunklen Jahre der Alkoholsucht endeten am 6. Februar 1990, dem Tag, an dem auch „Ein anderes Leben“ aufhört und der Autor begann, „Kapitän Nemos Bibliothek“ zu schreiben. Es folgten große Romane wie „Der Besuch des Leibarztes“ oder „Das Buch von Blanche und Marie“.

Ein Buch wie „Ein anderes Leben“ zu schreiben, das sei wie ein Adventskalender, erklärte der Autor. „Man öffnet Türen.“ Die Lesung endete mit dem Vortrag der Schluss-Szene auf Schwedisch. Das hörte sich sehr schön an. Und dankbar war man dem Übersetzer Wolfgang Butt, der den Abend moderierte und uns Enquists Werk zugängig gemacht hat.

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