Prominente lasen aus Kracauers „Ginster“

Bilder von Siegfried Kracauer wurden
im Hintergrund gezeigt

Gestern Abend wurde im Saal der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main die vierte Auflage der Veranstaltungsreihe Frankfurt liest ein Buch, in deren Mittelpunkt Siegfried Kracauers Romanbiografie Ginster steht, eröffnet [mehr…]

Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin des Hauses, erinnerte daran, dass sich die Werke Siegfried Kracauers im Deutschen Exilarchiv 1933 – 1945 befinden, darunter auch seine 1915 veröffentlichte Doktorarbeit.

Die Idee, mit dieser Reihe vergessene Bücher, die außerdem etwas mit der Stadt Frankfurt zu tun haben, wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zieht weite Kreise und stößt auf großen Zuspruch.

Die Deutsche Nationalbibliothek errichtet gegenwärtig einen Neubau am Haus, dort soll künftig eine Dauerausstellung zum Thema Exil gezeigt werden. Außerdem, so fügt Niggemann hinzu, sei man mit der Koordinierung und dem Aufbau eines digitalen Netzwerkes beschäftigt. Die erste Stufe werde im Sommer online freigeschaltet.

Da sich Siegfried Kracauer intensiv mit Filmtheorie beschäftigte, verwies die Generaldirektorin auch auf die Bestände des Deutschen Filmarchivs, die sich seit drei Jahren in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt befinden.

Dr. Thomas Sparr, Geschäftsführer des Suhrkamp Verlags, vertrat die angekündigte Ulla Unseld-Berkéwicz. Er machte darauf aufmerksam, dass bereits 1962 im Briefwechsel zwischen Siegfried Kracauer und Siegfried Unseld das Projekt angesprochen wurde, Ginster, erstmals 1928 im S. Fischer Verlag erschienen, bei Suhrkamp neu zu veröffentlichen. 1963 wurde der Roman dann in der Bibliothek Suhrkamp publiziert. Mit der Neuauflage 2013, die sich an der Werkausgabe von 2004 orientiert, steht Ginster im Zentrum des Frankfurter Lesefestes, „ein Unternehmen gegen die Zerstreuung“, wie Sparr unterstrich.

Anschließend lasen der Schauspieler Michael Benthin, der Schriftsteller und derzeitige Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, Marcel Beyer, der Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen, Clemens Greve, der Ressortleiter Rhein-Main der FAZ, Peter Lückemeier, der Autor Andreas Maier, der Schauspieler Michael Quast, die Mezzosopranistin Margit Neubauer, der Direktor des Hauses am Dom, Joachim Valentin und die Stadträtin Rosemarie Heilig Passagen aus Ginster.

Zum Abschluss war Theodor W. Adorno in einer Aufnahme des Hessischen Rundfunks, die 1964 erstmals ausgestrahlt wurde, über seinen Freund Siegfried Kracauer, den „wunderlichen Realisten“, und das Buch Ginster, „sowohl ein Gesellschaftsroman als der Entwicklungsroman eines einzelnen Menschen“, zu hören.

JF

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