Rehabilitation einer Verfemten

Hannelore Elsner liest

Am 7. Juni wäre Monika Mann (1910-1992) 100 Jahre alt geworden. Anlass für den mareverlag, die Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung gestern Abend in der DNB die erste Monika-Mann-Biografie vorzustellen.

In ihrer Begrüßung wies Dr. Sylvia Asmus auf die Mann-Reihe der Nationalbibliothek hin, die 2006 mit einer Ausstellung über die sechs Mann-Kinder begann und fortgeführt wird.

Hannelore Elsner trat anschließend ans Mikrofon und las mit viel Einfühlungsvermögen aus Monika Manns New Yorker Tagebuch, das in der soeben im mareverlag erschienenen Biografie von Karin Andert enthalten ist.

Im nachfolgenden Podiumsgespräch unterhielten sich Verleger Nikolaus Gelpke und Autorin Karin Andert. Die Biografie erschien im mareverlag, weil sich Monika Mann intensiv mit dem Meer beschäftigt hat. Eine Verbindung zwischen der „ungeliebten Mann-Tochter“, wie Monika Mann selbst von sich sagte, und dem Verleger sind vielleicht auch die von beiden bewunderten Fischer.

Nikolaus Gelpke, der nach seinem Abitur im Haus von Elisabeth Mann Borgese, der Professorin für Seerecht an der Universität Halifax wohnte und sich mit Meeresbiologie beschäftigte, hatte nach Durchsicht des Manuskripts von Karin Andert nicht mehr das Gefühl, dass seine mütterliche Mentorin Elisabeth eine Frau ohne Brüche war, er entdeckte auch dunkle Seiten an ihr.

Auf die Frage Gelpkes, ob die Autorin sich nach der Überlegung „Ach Mensch, die Moni fehlt noch!“ mit Monika Mann beschäftigt habe, antwortet Karin Andert: „Keiner hatte sich intensiv mit ihr beschäftigt. Das große Nichts hat mich fasziniert und interessiert. Ich wollte mehr wissen. Es hätte sich allerdings auch herausstellen können, dass sich die umfangreichen Recherchen nicht lohnen.“ Dem war aber nicht so.

Ein Glücksfall kam Karin Andert zustatten: Ihr wurde ein Müllsack mit einem Katia-Mann-Büchlein und dem New Yorker Tagebuch von Monika Mann sowie einigen Fotografien angeboten. Das trieb ihre Nachforschungen weiter an. Wieso schrieb die Mutter Katia in den ersten Jahren ein zärtliches Tagebuch über das „Mönle“? Wann erfolgte die Abwendung und warum? Was hat das mit der Geburt von Elisabeth (1918) zu tun? War Monikas Schweigen am Familientisch Resignation oder Provokation?

Nun liegt die erste Monika-Mann-Biografie vor, die das Bild der berühmten und komplizierten Familie noch ein Stück schärft.

JF

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