Rezitationskonzert zum Gedenken an die Bücherverbrennung

Frido Mann (l.), Vesselin Paraschkevov

Am 10. Mai 1933 brannten in 20 deutschen Hochschulstädten Bücher auf Scheiterhaufen. An dieses Ereignis erinnerte gestern Abend eine Veranstaltung in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main.

Dr. Brita Eckert, Leiterin des Exilarchivs, schonte in ihrer Begrüßungsrede die damaligen Bibliothekare nicht: Auch sie waren bei der Zusammenstellung „schwarzer Listen“ mit „unerwünschtem Schrifttum“ beteiligt. Gerade an einem solchen Ort dürfe das nicht in Vergessenheit geraten.

Prof. Dr. Frido Mann las zunächst einen Text zur Bücherverbrennung, der aus der Feder von Heinrich Mann stammt. Darin geißelt der Schriftsteller den deutschen Geist in der Nazizeit: „Eine ungesunde Grausamkeit war ausgebrochen“, heißt es. Für Heinrich Mann gehört die Bücherverbrennung „zum Empörendsten an Schaustellung, was ein Volk zu bieten hat“. Doch sind Geisteswerke nicht feuerfest? Um der Schandtat etwas entgegen zu setzen, entsteht in den Exilländern die Freiheitsbibliothek, eine Sammlung jener Titel, die Opfer der Flammen wurden, organisiert von Exilautoren.

Ein darauf folgender Auszug aus einem Essay von Thomas Mann, 1934 verfasst, hebt noch die Individualität des Schriftstellers gegenüber organisierten Aktionen hervor, betont allerdings auch, dass Schriftsteller für den Frieden eintreten sollten.

Klaus Mann wurde mit einem Brief an Gottfried Benn, geschrieben am 9. Mai 1933, zitiert, in dem der junge Autor nach der Haltung des Akademiemitglieds fragt: „Liegt Ihnen nichts an Ihren jungen Verehrern, die zur Zeit in den kleinen Hotels von Paris, Prag und Zürich sitzen?“ Einige Geister von Rang, so formulierte Klaus Mann weiter, scheinen noch nicht zu wissen, wo sie hingehören.

Eine messerscharfe Charakterisierung des Diktators, entnommen aus Rudolf Oldens Hitlerbiografie – gegenwärtig wird in der Deutschen Nationalbibliothek ein Olden-Ausstellung gezeigt [mehr…] – zitierte Frido Mann nachfolgend.

Den Abschluss der Rezitationen bildete eine Szene aus Frido Manns Hexenkinder, die Stefan Zweigs Exil schildert.

Prof. Vesselin Paraschkevov, der vierjährig seinen ersten Geigenunterricht erhielt, 1973 zum Konzertmeister der Wiener Philharmoniker berufen wurde und seit 1980 an der Essener Folkswang-Hochschule lehrt, begeisterte auf der Violine zwischen den Lesungen und zum Schluss der Veranstaltung mit Werken von Béla Bartok, Johann Sebastian Bach und Eugène Ysaye.

JF

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