Rheingau war Ziel des 17. Literarischen Picknicks

Treffpunkt Berger Bücherstube

Erst seit kurzem ist Monika Steinkopf wieder in ihrer Berger Bücherstube, eine (geplante) Knie-Operation zwang sie zu einer Pause.

Doch die jährlich von ihr und ihren Mitarbeiterinnen organisierte Literaturfahrt, die seit einigen Jahren alternierend mit dem Hessischen Literaturtag stattfindet, sollte auf keinen Fall gestrichen werden.

So halfen Helma Fischer, Geschäftsführerin der Steinmetzschen Buchhandlung Offenbach, und Doris Dotzler, Buchhandlung Bindernagel Butzbach, neben Kathrin Diederich mit bei der Vorbereitung und Durchführung der Fahrt am Samstag, 23. Juni. Wie stets wurde das Ziel vorab nicht verraten.

Die beiden Busse mit den etwa 80 Literaturinteressierten verließen den Großraum Frankfurt in Richtung Süden, bald wurde das Geheimnis gelüftet: Es ging in den Rheingau. Zur Einstimmung hörte die Gesellschaft das Gedicht Der Welt Herr, 1828 von Achim von Brentano verfasst. Wie aktuell die Zeilen doch sind: Zittern nicht die Potentaten auch heute vor den Börsenberichten?

Von Antonie von Brentano und ihre nicht gerade schmeichelhaften Worte über Goethe, der dem Winkeler Riesling aus Brentanos Weinberg reichlich zusprach, erfuhr die Reisegesellschaft, bevor in Marienthal der erste Halt eingelegt wurde. Durch den Wald ging führte ein kurzer Spaziergang zum Wallfahrtsort Nothgottes. Die Bilder in der Kapelle des Klosters erzählen die Legende von der Errettung vor der damals gefürchteten Pest.

Die Rast wurde auch genutzt, um den traditionellen Blechkuchen zu essen; die „Theke“ war in diesem Fall der Gepäckraum eines Busses.
Literarisch Passendes gab es im Bus mit dem Gedicht Sensible Wege von Reiner Kunze.

Nur ein paar Fahrminuten weiter war die Abtei St. Hildegard der nächste Stopp. Hildegard von Bingen, deren Namen diese Abtei trägt, wurde erst am 10. Mai 2012 offiziell heiliggesprochen (wer hätte das gedacht!). Am 7. Oktober 2012 wird sie zudem als Kirchenlehrerin anerkannt werden.
Die Abtei entstand erst Anfang des 20. Jahrhunderts.

Vom „ungenießbaren Sekt Loreley Extra Cuvée“ aus Thomas Manns Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull war dann die Rede – damit wurde das Ziel schon fast ausgesprochen. Es handelte sich um die Sektkelterei Bardong in Geisenheim, die im Gegensatz zur fiktiven Kelterei Krull außerordentlich hochwertige Sekte herstellt. Das konnte dann auch gleich probiert werden.

Norbert Bardong, der das Unternehmen 1984 in Gebäuden, die etwa 100 Jahr älter waren, gründete, lud mit seiner Frau nicht nur zum Sektempfang, sondern erklärte auch äußerste anschaulich Interessantes über die Herstellung dieses anregenden Getränks.

Nach einem Imbiss folgte die literarische Hauptspeise, eine Cuvée, um im Bild zu bleiben: Martin Maria Schwarz trug allerlei Amüsantes, Unbekanntes und Erstaunliches aus dem Rheingau und über diese Region vor: Eingeleitet mit der Schilderung des misslungenen Attentats zur Einweihung des Niederwalddenkmals folgten Texte von Johann Kaspar Riesbeck, Bettina von Arnim und Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Ein auch in diesem Jahr wieder gelungenes Literarisches Picknick klang mit der Fahrt zurück zur Berger Bücherstube aus, ein versöhnliches Gedicht von Dieter Leisegang gab es noch auf den Nachhauseweg. Und jede Menge Anregungen für Ausflüge und Lesetipps.

JF

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