Start der Lesereise von Saphia Azzedine in Berlin

Gestern Abend war die französische Schriftstellerin Saphia Azzeddine zu Gast im Institut Français in Berlin. Im Gespräch mit Barbara Wahlster (Deutschlandradio Kultur) stellte sie ihren ersten Roman Zorngebete vor, der jetzt im Wagenbach Verlag erschienen ist.

Susanne Schüssler (l.), Saphia
Azzedine

Verlegerin Susanne Schüssler konnte sich trotz Schnee und Eiseskälte über ein volles Haus freuen. Mehr als hundert Gäste wollten die Autorin kennenlernen, die 1979 in Agadir, Marokko geboren wurde, mit neun Jahren nach Frankreich kam und dort als Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin lebt. Susanne Schüssler verriet, dass Bernd Schmidt vom Gustav-Kiepenheuer-Bühnenverlag sie auf den Roman aufmerksam gemacht hat. In seinem Haus ist die Bühnenfassung erschienen. Die Entscheidung, Zorngebete sei leicht gefallen, betonte Schüssler. Der Roman stehe in einer Reihe mit anderen Büchern, deren Autoren Erfahrungen in zwei Kulturen und Sprachräumen haben. Als Beispiel nannte sie Der letzte Patriarch der spanisch-marokkanischen Autorin Najat El Hachmi.

Saphia Azzeddines Zorngebete, die Sabine Heymann aus dem Französischen übersetzte, erzählen vom Drama einer jungen Schafhirtin im Maghreb. Das widerspenstige Mädchen hat einen starken Freiheitswillen und als eines Tages ein rosa Rollkoffer mit Kleidung und Geld von einem Bus mit Touristen plumpst, nutzt es seine Chance, das ärmliche Dorf und seinen brutalen Vater zu verlassen. Jbara wird früh zum Sex gezwungen, setzt im Kampf um ein besseres Leben ihren Körper als Währung ein. In ihren Zorngebeten geht sie mit Allah ins Gericht, mal wütend, mal dankbar, mal poetisch, mal vulgär.

In dem von Barbara Wahlster zweisprachig moderierten Gespräch erfuhr das Publikum, dass das Buch in Nordafrika gute Kritiken bekommen hat. Es werde dort nicht als blasphemisches Buch verstanden, eher als ein Buch, das in der patriarchalischen Gesellschaft am Bild des Vaters kratzt. Zorngebete ist ein Buch, das auch hierzulande niemanden gleichgültig lässt, wie die anschließende Diskussion mit dem Publikum zeigte.

Zuvor hatte Saphia Azzeddine einige Passagen auf Französisch gelesen, Beatrice Faßbender auf Deutsch. Und am Büchertisch der französischen Buchhandlung Zadig waren nach der Lesung sowohl die deutsche als auch die französische Ausgabe gefragt. Confidences à Allah erschien 2008 (Editions Léo Scheer) und wurde mit dem Prix Nice „Baie des Anges“ ausgezeichnet.

Wer Saphia Azzeddine erleben möchte, heute liest sie im Rahmen der lit.COLOGNE in Köln, an den folgenden Abenden in Heidelberg und Frankfurt.

ml

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