Tropische Temperaturen bei den „Kleinen Verlagen am Großen Wannsee“

Trotz tropischer Temperaturen fanden auch gestern wieder mehrere Hundert Besucher den Weg ins Literarische Colloquium Berlin (LCB). Echte Literaturfreunde wissen seit Jahren, dass sie bei der Verkaufsmesse „Kleine Verlage am Großen Wannsee“ eine gute Chance auf Entdeckungen haben.

Bereits zum neunten Mal hatte das LCB 22 handverlesene Verlage aus dem deutschsprachigen Raum zu der von Thomas Geiger (s. Interview [mehr…]) initiierten Veranstaltung eingeladen. Auch wenn in diesem Jahr etwas weniger Besucher kamen, weil sie wohl ein Bad im Wannsee bevorzugten, waren die Veranstalter mit der Resonanz zufrieden. Und die unabhängigen Verlage nutzen wieder gerne die Gelegenheit, ihre Bücher an den Endkunden zu bringen und sich mit den Kollegen auszutauschen.

Am Stand des Reprodukt Verlags, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei war, freute sich Pressefrau Jutta Harms über die angenehme Atmosphäre am Wannsee und wies schon einmal auf den 100. Geburtstag der finnischen Autorin Tove Jansson, der Erfinderin der weltberühmten Mumins im August hin. Wunderhorn Verleger Manfred Metzner war bereits zum fünften Mal aus Heidelberg angereist. „Die Einladung ins LCB ist für uns immer etwas ganz Besonderes, da wir dem Berliner Publikum unsere Bücher vorstellen können, fernab der Hektik großer Buch-Messen“, freute er sich. „Und dabei kommt es immer zu wunderbaren und intensiven Gesprächen über außergewöhnliche Bücher und gemeinsame Ziele: den Erhalt des Kulturguts Buch und der Werte einer Gesellschaft, die sich dazu verpflichtet fühlt, die noch Authentizität, Individualität und Qualität schätzt und dies gegen die Algorithmen-Welt verteidigt.“

Auch Transit Verleger Rainer Nitsche lobte die konzentrierte Atmosphäre. „Wer hierher kommt, interessiert sich wirklich für die Bücher und möchte mit uns ins Gespräch kommen. Das führt dann oft dazu, dass gleich zwei Bücher gekauft werden“, sagte er und kündigte für 2015 einen zweiten Titel seines Erfolgsautors Mukoma wa Ngugi an, den er wieder selbst aus dem Englischen übersetzen wird. Nairobi Heat, das Debüt des kenianischen Autors, das wochenlang auf der KrimiZEIT-Bestenliste stand, verkaufte sich an diesem Nachmittag besonders gut.

Nebenan warb der Berenberg Verlag mit einem Einstecker für seinen Bestseller des Tages, Richard von Schirachs Die Nacht der Physiker. Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums hatte sich der Verlag zudem ein Gewinnspiel ausgedacht: das Quiz zum Fest.

Die Lesungen, die im Viertelstundentakt im großen Saal stattfanden, waren bestens besucht. Schon am frühen Nachmittag stand eine musikalische Lesung des kookbook Verlags mit der Lyrikerin Rike Scheffler auf dem Programm. Für den Hörbuchverlag speak low war Gunter Gebauer mit Deep Play. Philosophie des Fußballs angekündigt und für diaphanes eine Lesung aus der Reihe Platon & Co. – Philosophie für junge Leser. Der Berliner Verbrecher Verlag schickte Sarah Schmidt auf die Bühne, die es mit ihrem Roman Eine Tonne für Frau Scholz auf die Longlist für den Literaturpreis Hotlist [mehr…] geschafft hat.

Als am Abend die Sonne filmreif hinterm Wannsee verschwand, gingen die Literaturfreunde noch lange nicht nach Hause. Dann begann an der Gartenbühne am See unter dem Titel Texte & Töne ein Programm mit Liedern und Lesungen unter anderem mit Cora Frost, Tilman Rammstedt und Christiane Rösinger. Frank Spilker, Schriftsteller und Sänger der Hamburger Band Die Sterne resümierte den Nachmittag abends auf der Bühne so: „Ich habe den einen oder anderen Besucher beobachtet, wie er ein Buch gekauft und gleich in der Sonne gelesen hat.“ Was will man mehr?

ml

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