Von Geizgärten und frühen Aprikosen

Eva Demski

Gestern stellte Eva Demski in der Henry und Emma Budge-Stiftung in Frankfurt ihr neustes Buch Gartengeschichten, kürzlich im Insel Verlag [mehr…] erschienen, vor.

„Und vom Erkenntnisbaume lächelte spottgut die Blüte“, mit diesem Spruch von Else Lasker-Schüler überschrieb Eva Demski ihr Kapitel über die sieben Todsünden im Garten.
Der Hochmut des Gärtners respektive der Gärtnerin ist nicht zu verwechseln mit dem Stolz, ohne den ein Gärtnerdasein schlichtweg undenkbar wäre. Doch der Hochmut geht weiter, er will sich im Neid spiegeln. So liegen denn gleich zwei Todsünden dicht beieinander.

Gartenwollust ist erlebbar in den wenigen Momenten, die uns das Gefühl spenden, etwas Besseres als dieses Gartenparadies auf Erden kann es nicht geben. In diesen Momenten sind GärtnerIn und Universum eins.

Trägheit, oder Faulheit, wie Eva Demski schreibt, ist eine Station auf dem Weg zur Glückseligkeit. Gartenschlaf, schlummern wie eine zu groß geratene Raupenpuppe, so ganz anders als zu Hause im Bett. Herrlich.

Der Zorn ist ein alltäglicher Gartenbegleiter – nichts wächst so, wie auf den Samentüten verheißen. Vieles nicht da, wo es ursprünglich geplant war. Nicht schnell genug, nicht schön genug, nicht dicht genug. Geht es aber nicht vielmehr um ein ausgestorbenes Gewächs namens Geduld? Die Geduld des Gärtners, der mit der Nagelschere Buchsbäume über Jahre verschneidet, vorsichtig, sparsam. Der warten kann, neu beginnen kann, Niederlagen verkraftet.

Völlerei – wer kennt nicht dieses Hochstimmung im Gartencenter. Es ist so etwa, wie nachts am Kühlschrank: Man weiß, dass es böse endet, dennoch ist dieses Gefühl wunderbar. Aus dem Vollen schöpfen, Pflanzen kaufen, die man nie und nimmer unterbringen kann, Geräte, die man niemals braucht. Aber alles ist da in Hülle und Fülle – wer kann da schon ständig widerstehen.

Die letzte Todsünde, der Geiz, ist im Garten allerdings wirklich von Übel. Geiz ist in kleinen wie in aristokratischen Gärten anzutreffen. Stets befinden sich die Geizhälse im Kampf mit der Natur. Bis diese aufgibt, sich davon macht. Geiz-Gärten sehen immer gleich aus, nichts verändert sich in ihnen. Und sie sind still, unwirklich.

„Der Garten meiner Mutter“ ist das nächste Kapitel, das Eva Demski vorträgt. „Diese Dornen – sie sind der beste Teil an dir“ schrieb sie, entliehen bei Marianne Moore, über diesen Abschnitt.

Eva Demskis Mutter, eine Gartensozialistin, eine Städterin, die sich 30 Jahre auf das Abenteuer Garten eingelassen hatte, starb im Dezember vor vielen Jahren. GätnerInnen sterben wohl im Winter, wenn der Garten auf die kalte Jahreszeit vorbereitet wurde, alles getan ist, Ruhe herrscht.

Einfühlsam beschreibt die Autorin diesen Garten, der zugleich Katzenfriedhof war, ein Stück Jugend, ein Teil Leben. Nach dem Tod der Mutter sah die Tochter noch einmal die frühe Aprikose erblühen, dann wurde der Garten verkauft – nie wieder hat Eva Demski diesen Garten betreten. Verwandeln sich Gärten nach dem Tod ihrer Besitzer wieder zurück? Möglicherweise. Aber es dauert herzzerreißend lang.

Diese Gartengeschichten fanden viel Zustimmung bei den Zuhörern in der Budge-Stiftung; so mancher fand sich wieder in den wohlgeformten, sprachgewandten Sätzen. Die Lesung war schöne Erinnerung und Aufmunterung zugleich – die extra angelegten Hochbeete in der Budge-Stiftung warten schon.

JF

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