VVA-Sortimentertagung in Weimar: Was erwartet der Handel von einer Verlagsauslieferung? Und wie werden die neuen technischen Möglichkeiten der VVA den Markt verändern?

Rund 30 Buchhändler waren der Einladung der VVA nach Weimar gefolgt: Am Montag und Dienstag ging es in Weimar in einer lebhaften Diskussion um das Thema „Bar-auslieferung?! – Anforderungen des Handels an eine moderne Verlagsauslieferung“.

VVA-Chef Stephan Schierke informierte über den aktuellen Stand der Neupositionierung der VVA zwischen klassischer Verlagsauslieferung und Barsortiment. Zum einen hat Schierke soeben die Bewilligung von weiteren 6 Mio. Euro für die zweite Stufe der Reorganisation des Verteilzentrums erhalten, in die bereits 10 Mio. Euro investiert wurden. Zum anderen sei nach sechs Jahren Entwicklung das IT-Projekt OPUS nun abgeschlossen sowie der Standort Gilching des vor drei Jahren übernommenen Verlegerdienstes München auf dem gleichen technischen Niveau wie die übrigen. Derzeit liefert die VVA 206 Verlage aus.

Das neue Logistiklayout, das nicht mehr nach Verlagen sortiert, sondern mit Novitätenstrecke, Karussel-Anlage und D-Titel-Lager nach Nachfrage ordnet, arbeitet mit Gewerken aus der Auto- und Pharmaindustrie. Ziel der Reorganisation ist nicht nur eine Steigerung der Effizienz und Schnelligkeit sowie eine Senkung der Fehlerquote, sondern auch das Prinzip der Bündelung: „Alles in einem Packstück“ bzw. „Alles auf einer Palette“. Ziel sei es, so Schierke, die derzeitige Kleinpackstückquote von 20 Prozent um weitere 15 Prozent zu senken.

Harald Horstmann, bei der VVA zuständig für Logistik und Handelsbetreuung, kündigte außerdem einen packstückbezogenen Lieferschein an, der auch als elektronischer Lieferschein (eLs) im BWA-Format angeboten werden soll. Mit der Bestellanstalt IBU sei bereits eine Weiterleitung dieses eLs vereinbart, mit KNV und Libri suche man dazu noch das Gespräch. Wie die Barsortimente auf die Neupositionierung der VVA reagieren werden, bleibt abzuwarten. Nähert sich die VVA mit ihren Neuerungen doch deutlich Teilen des Service-Angebots eines Barsortiments an.

Klaus-W. Schumann, Buch Habel Darmstadt mit derzeit 18 Filialen, kommentierte aus seiner Perspektive: „Benchmark für die Verlagsauslieferung ist das Barsortiment.“ Doch in Zeiten, in denen sich die Funktion des Einzelhandels vom reinen Bereitstellen der Ware hin zum Schaffen einer Atmosphäre, in der Kunden sich zum Kauf verführen lassen, ändere, sei das Gespräch mit den Verlagen besonders wichtig.

Wenn Verlage mehr Direktbezug wünschten, müsste auch der Umsatz der einzelnen Buchhandlung nach Bezugswegen analysiert und honoriert werden, so Schumann. Die Anforderung an die Verlagsauslieferung als Dienstleister des Verlags sei eine sinnvolle Bündelung von Verlagen, bspw. nach Warengruppen, sowie konstante Konditionen ab einem Exemplar. Schumann wünscht sich dazu eine Transparenz der Kosten je Bezugsweg und eine Transparenz der Leistungen je Bezugsweg. Durch optimale Bündelung sei es möglich, dass C-Verlage zu A-Verlagen würden – „Wer am besten arbeitet, der ist es“.

Manfred Keiper, Die andere Buchhandlung, Rostock, und Mitglied im Sprecherkreis des Arbeitskreises Kleinerer Sortimente, erwartet von einer Verlagsauslieferung, dass er mit seinen Problemen abgeholt werde: „Was nützt mir die Möglichkeit eines Internetportals, wenn ich nicht die Zeit habe, mich da stundenlang reinzufuchsen.“ Seine Frage: „Welche Methoden entwickelt die VVA, um das, was da entwickelt wurde, dem Handel auch nahezubringen.“ Keiper kritisierte zudem ein Konditionengeflecht, das häufig nicht leistungs-, sondern umsatzbezogen, unrationell und strukturverliebt sei. „Wenn Sie drei verschiedene Zahlungsziele haben, geben Sie uns doch einfach das beste“, so Keipers Vorschlag an Verlage und Verlagsauslieferungen.

Anton Neugirg, Leiter der Buchhandlung Pustet in Regensburg mit elf Filialen im süddeutschen Raum, betonte, eine Verlagsauslieferung müsse immer auf die einzelne Filiale eingehen. Da Pustet über Verkaufsflächen zwischen 150 und 2000 qm verfüge, hätten diese Filialen auch unterschiedliche Ansprüche. Größere bevorzugten die Bündelung nach Warengruppen, kleinere die Lieferung in einem Packstück. So dürfe eine Verlagsauslieferung nicht automatisch die Anforderungen einer Filiale auf die ganze Unternehmensgruppe übertragen.

Jürgen Haber, Prokurist der Gutenberg Buchhandlung Mainz, erläuterte die Neuorganisation des Bestellwesens in den vier Gutenberg-Filialen – weg von der verlagsbezogenen Bestellung, hin zur täglichen titelbezogenen Disposition.

Martina Tittel, Dussmann Berlin, stellte schließlich die Frage in die Runde, wo in Zukunft der Verlagsauslieferungs-Bezug aufhöre und wo der Barsortimentsbezug beginnen werde. In jedem Fall berge die Entwicklung der VVA ein großes Potential sowohl für Filialisten wie auch kleine und mittlere Buchhandlungen. Stephan Schierke dazu: „Was wir mit der neuen Anlage eigentlich machen können, wird den Markt dramatisch verändern.“ Zum Ersteinsatz der neuen Technik soll es im Mai 2006 kommen, es folgt eine Hochlaufphase bis Spätsommer 2006. Im Frühjahr 2007 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Im Foto v.l.n.r.: Stephan Schierke, Jürgen Haber, Manfred Keiper, Anton Neugirg, Klaus-W. Schumann

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