Wagenbach-Jubiläum mit 5 Autoren aus 5 Sprachen

Susanne Schüssler

50 Jahre unabhängiges Verleger „für wilde Leser“. Gestern Abend lud der Wagenbach Verlag aus Anlass seines 50-jährigen Jubiläums zu einer Lesung mit fünf jungen Autoren aus fünf Sprachen ins Literarische Colloquium Berlin (LCB) am Wannsee geladen. Florian Höllerer, der neue Geschäftsleiter des LCB freute sich über ein volles Haus.

„Wir hätten Anlass genug, einen Blick zurück in die Geschichte des Verlags zu werfen“, betonte Verlegerin Susanne Schüssler. Dennoch habe man sich entschlossen nach vorne zu schauen und fünf sehr junge Autoren aus fünf Sprachen ins Programm genommen, deren Romane nun zum ersten Mal auf Deutsch erscheinen: Orfa Alarcón aus Mexiko, Arthur Larrue aus Frankreich, Paola Soriga aus Italien, Owen Martell aus Großbritannin und Eva Roman aus Deutschland. Schließlich sei man bei Wagenbach immer offen für Neues, so Susanne Schüssler.

Im Gespräch stellten Lektoren des Verlags „ihre“ Autoren vor, die jeweils eine Passage in der Originalsprache lasen. Das Publikum konnte in einem Handout die deutsche Übersetzung mitlesen. Orfa Alarcón war über Skype aus Mexiko City zugeschaltet. Von ihrem Lektor Marco Bosshard erfuhr das Publikum, dass ihr Roman Königin und Kojoten (Übersetzung: Angelica Ammar) in der gewaltbereiten zeitgenössischen Mafiaszene Mexikos spielt und dass Rapp darin eine große Rolle spielt.

Paola Soriga erzählt mit Wo Rom aufhört Übersetzung: Antja Peter), die Geschichte eines sardischen Mädchens in Rom, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Die Geschichte gehe gut aus und doch auch wieder nicht“, machte Lektorin Annette Wassermann neugierig. Owen Martell führte mit Intermission (Übersetzung: Anke C. Burger) nach New York, Eva Roman mit Siebenbrunn in einen Stadtteil von Augsburg.

Mit dem Roman Wojna (Übersetzung: Max Stadler)zog der Franzose Arthur Larrue, mit 30 Jahren der Jüngste in der Runde, das Publikum in seinen Bann. Mit viel Komik erzählt er von der gleichnamigen russischen Künstlergruppe, die es wagt, sich gegen die Staatsmacht aufzulehnen. Arthur Larrue hat selbst vier Jahre lang an der Universität in Sankt Petersburg unterrichtet und drei Monate mit den Künstlern im Untergrund gelebt. „Wegen der Veröffentlichung des Romans verlor er seine Stelle und musste das Land verlassen“, so Annette Wassermann. Das hochaktuelle Thema sorgte auch beim anschließenden Wein für Gesprächsstoff.

Am 27. Mai wird in Berlin weitergefeiert. Dann eröffnet in der Staatsbibliothek eine Jubiläumsausstellung. Die sehenswerte Schau ist derzeit noch bis zum 25. April im Haus des Buches in Leipzig zu sehen. Wer es nicht nach Berlin oder Leipzig schafft, die Ausstellung wandert im Juli ins Literaturhaus Stuttgart. Außerdem ist die Verlagsgeschichte in der Chronik Buchstäblich Wagenbach nachzulesen.

Übrigens kann auch der Handel mitfeiern. Der Verlag schnürt Jubiläumspakete mit Plakaten und anderen Werbemitteln und lädt zu einem Schaufensterwettbewerb. Ganz gleich, ob Wagenbach-Fenster, -Büchertisch oder –Tresen, wer ein Foto aus seiner Buchhandlung einschickt, kann eine Reise nach Berlin gewinnen.

ml

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