200 Jahre Carl Heymanns: Glamour, Preisverleihung und politische Brisanz

Es begann auf eine Weise, die bei einem juristischen Fachverlag schon überraschen konnte. Denn kein Redner betrat als erstes die Bühne, sondern Mitglieder des Kölner Schattentheaters Mobilé. Vor der großen, beleuchteten Leinwand tanzten sie 200 Jahre Geschichte des Carl Heymanns Verlages. Denn der runde Geburtstag war der Anlass, zu dem Wolters Kluwer, zu dessen Konzern Carl Heymanns gehört, gestern in das Kölner Gürzenich eingeladen hatte.

Es wurde nicht nur, aber auch eine große Show, durch die RTL-Moderatorin Alexa Iwan geleitete. Die Feier zeigte auch, dass das, was ein Fachverlag tut, durchaus Brisanz haben kann.

Dr. Ulrich Hermann, Vorsitzender der Geschäftsführung, fasste zur Begrüßung noch einmal die Geschichte des „nach Beck zweitältesten juristischen Verlages“ in Worten zusammen und spannte den Bogen von der Gründung im schlesischen Glogau 1815 (zunächst als Buchhandlung) über den Umzug nach Berlin 1835, die Schrecknisse der Weltkriege (inzwischen war mit Dr. Otto Löwenstein auch ein Mann jüdischen Glaubens Inhaber), den Neuaufbau durch Löwensteins Adoptivtochter Anni Gallus (die als „Generalin“ bezeichnet wurde) bis hin zum Kauf durch Woltes Kluwer.

Auch für Dr. Hermann wurde der Tag zum persönlichen Rückblick, denn er ist seit 10 Jahren der Geschäftsführer von Wolters Kluwer Deutschland. Er hatte zu Beginn 500 Mitarbeiter und beschäftigt nun nach dem Kauf von Carl Heymanns, Luchterhand Fachverlag und Lexis Nexis 1300 Mitarbeiter. Nicht zuletzt gehört auch der Baufachverlag K. Werner Verlag zur Gruppe (wenn auch inzwischen das Printgeschäft weiterverkauft wurde), in dem einst der BuchMarkt gegründet wurde.

Für die überwiegend anwesenden Juristen (mehrheitlich Autoren) unter den über 350 Anwesenden bot der Festabend gleich zwei Höhepunkte. Zum einen wurde einer der „größten Rechtsgelehrten des 20. Und 21. Jahrhunderts“ (so lobte Laudator und Schüler Prof. Dr. Georg Bitter) ausgezeichnet. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karsten Schmidt erhielt den Carl Heymann Preis und damit ehrte die Jury einen der profiliertesten Autoren des Verlages. Dieser bedankte sich hanseatisch bescheiden: „Es ist schlicht, was ich da mache, aber wundersamerweise finden die Leute das sehr neu“, so Schmidt, dessen Gesellschaftsrecht und Handelsrecht zwei der wichtigsten Fachbücher auf diesem Gebiet im Markt sind.

Zum anderen war der Festvortrag von Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio nicht ohne Brisanz und zweifellos inhaltlicher Höhepunkt. Der widmete sich der Frage, ob wir weiter „auf dem Weg zum Weltrecht oder zurück zum Neo-Partikularismus“ seien. Er warnte in diesem Zusammenhang vor der Gefahr, dass der wachsende Populismus von links und rechts in allen europäischen Ländern die politische und damit auch die verteidigungs- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Europas weiter einengen könne. Dabei teilte er nach allen Seiten aus: Die USA hätten nach dem 11. September 2001 ihre Rolle als Garant für Ansätze eines Weltrechts verspielt und ihr eigenes Recht bzw. eigene Interessen durchgesetzt und verwies auf Guantanamo. „Der transatlantische Konsens droht zu zerbrechen“, sagt er und warnte auch: Die Sicherheitspolitik in Mittelost „Putin und Erdoğan“ zu überlassen, sei kein Ausdruck verantwortbarer Politik. Er sieht große Aufgaben auf das Rechtssystem zukommen: ein weiteres Abdriften in partikulare, das heißt einzelstaatliche Rechtssysteme zu verhindern und überstaatliche Rechtssysteme weiter zu stärken.

Nach der Rede übergaben drei Herausgeber, die Aufsätze von 37 Autoren eingesammelt hatten, eine Festschrift an den Verlag, stellvertretend an Dr. Hermann. Recht im Wandel deutscher und europäischer Rechtspolitik lautet ihr Titel. Sie entstand unter der Federführung von Prof. Dr. Hanns Prütting, der lobte, dass die Autoren alle pünktlich abgeliefert hatten, und ist nun für 148 Euro zu erwerben. ES komme nicht oft vor, dass ein Verlag eine Festschrift erhalte, so Prütting.

Viele der Gäste waren sich einig, dass Di Fabio hier eine brisante juristische Stellungnahme zur derzeitigen Lage der Politik formuliert hatte. Sie trug wesentlich dazu bei, dass Wolters Kluwer zeigen konnte: Fachinformationen können Gesellschaft bewegen. Dieses Image wird von der Mitarbeiterschaft breit getragen, denn in der glamourösen Gestaltung des Abends, war zu hören, steckten viele Ideen von ihnen. Allen voran des nach außen so bescheiden auftretenden, aber genialen Chefverlegers Burkhard Schulz zusammen mit Marketingmanagerin Anette Bongartz, die mit Headset die Organisation der Feier koordinierte.

Unter den Gästen war auch Prominenz, wie Nordrhein Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin und Bürgermeister Dr. Ralf Heinen, beide sprachen Grußworte, letzterer für die noch in Rehabilitation befindliche Henriette Reker, nicht zuletzt aber auch Wolfgang Clement (Ex-Bundeswirtschaftsminister, ehem. NRW-Ministerpräsident und seit 2006 im Beirat von Wolters Kluwer Deutschland). Aus der Branche gesichtet wurden Dr. Hans Dieter Beck (C.H.Beck), Prof. Dr. Felix Hey (Dr. Otto Schmidt), Uwe Hagemann (Deutscher Anwaltverlag), Söhnke Reimers (Deutscher Fachverlag) und Uwe Kalkowski (RWS Verlag).
mk

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